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USDA-Daten

Getreidepreise: Kassamarkt am Boden

getreideernte
am
16.08.2019
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Der Schock sitzt tief. Anstelle einer Preiserholung brachten die neuen USDA-Daten einen Absturz der Getreidepreise.

Das gilt auch für den Kassamarkt. Auch hier sind die Angebotspreise den Börsen weit nach unten gefolgt. Auch wenn zunächst einmal kaum Getreide den Besitzer wechselt. Viele Landwirte wollen zu solch schlechten Preisen nicht verkaufen. Lieber warten sie ab.

Doch die eingebrachte Ernte drückt und das Geld wird gebraucht. Wer keine großen Lager-Möglichkeiten hat, für den wird es schwer weiter zu warten. Dennoch: "Vorkontrakte werden zwar abgerechnet, darüber hinaus passiert wenig“, beschreibt ein Händler die aktuelle Lage. Die Terminmärkte zeigen zudem bis zum Jahresende eine Preiserholung an.

Darauf hoffen viele Landwirte - auch wenn das angezeigte Niveau ebenfalls niedriger ist als noch vor wenigen Wochen. Der Preisrutsch bremst zunächst einmal auch den Export von Getreide in Drittländer. Auch dort sind die Angebotspreise gefallen und Händler und Landwirte müssen sich neu sortieren.

Weizen: Absturz auf 20-Monatstief

Getreideernte

Am Terminmarkt in Paris sind die  europäischen Weizenpreise diese Woche auf den tiefsten Stand seit 20 Monaten gefallen. Mit knapp 167 Euro/t wurde die neue Ernte nur noch notiert. Anfang August hatte man den September-Kontrakt noch mit 175 Euro gehandelt und zur letzten Preisspitze Ende Mai war der Markt bereit gut 190 Euro für den Weizen zu zahlen. Davon sind wir jetzt meilenweit entfernt.

Jeder Landwirt der sich Ende Mai einen Teil seiner Ernte an der Börse abgesichert hat - oder an Händler verkauft hat - wird heilfroh sein. Wer hingegen auf weiter steigende Preise gehofft hat, schaut ungläubig auf diesen Preisrutsch. Auch am deutschen Kassamarkt sind die Preise den Börsenvorgaben gefolgt. Auch wenn zunächst nur wenig Ware fließt.

Am Großmarkt und Exporthafen Hamburg werden für Brotweizen derzeit nur noch 166 Euro geboten. Das sind 14 Euro weniger als Ende Juli und sogar 33 Euro weniger als zur letzten Preisspitze Ende Mai. Damals lagen die Kassapreise in Hamburg noch über dem Terminmarkt. Mit der neuen Erne sind die Preise etwa auf das Niveau der Börsenkurse gerutscht.

Auch in Ostdeutschland ging es mit den Weizenpreisen weit nach unten. Hier lagen die Angebote im Großhandel zuletzt bei rund 150 Euro und damit 14 Euro niedriger als vor zwei Wochen.

Futtergerste: Neue Tiefstände erreicht

Gerstenernte

Weitere Abschläge mussten auch die Preise für Futtergerste verkraften. Bei Gerste hatte der Preisrückgang jedoch schon eher begonnen: Nämlich Ende Juni. Damals waren die Kurse vor dem Hintergrund einer relativ groß erwarteten Ernte und schwacher Exporte um etwa 10 Euro gefallen. Im August ging es dann um weitere 5 Euro nach unten. 

Am Exporthafen und Großmarkt in Hamburg liegen die Angebotspreise für Futtergerste derzeit bei etwa 154 Euro/t. Das sind die niedrigsten Gerstenpreise seit 20 Monaten. An den ostdeutschen Großmärkten werden derzeit nur noch 138 Euro je t notiert. Auch hier sind dies die niedrigsten Preise seit mehr als einem Jahr. 

Aus Frankreich meldet man ebenfalls einen kräftigen Rückgang der Gerstenpreise. Am wichtigsten Handelsplatz Rouen werden aktuell nur noch 151 Euro/t notiert. Drei Euro weniger als in Hamburg. Allein im August sind die Kurse in Rouen um 10 Euro gefallen. Auch bei unseren Nachbarn sind dies die schlechtesten Preise seit mehr als einem Jahr. 

Maispreise folgen dem Weltmarkt

Maisfeld

Nicht viel besser sieht es am Maismarkt aus. Obgleich sich hier in Deutschland dürrebedingt eine kleine Ernte abzeichnet, wird die Richtung der Preise aus den USA vorgegeben. Hinzu kommt eine sehr hohe Ernteprognosen aus der Ukraine.

Am Terminmarkt in Paris waren die Maispreise in Erwartung einer sehr kleinen US-Ernte und hoher US-Maispreise bis Ende Juli auf über 180 Euro nach oben geklettert. Im August ging es dann jedoch bis auf 172 Euro nach unten. Der aktuelle USDA-Report drückte die Kurse dann sogar unter die Marke von 170 Euro – wo die Preise weiter verharren.

Am deutschen Kassamarkt sind die Preise den Börsenvorgaben gefolgt. Aber nicht so kräftig und so tief wie an der MATIF. Am Hamburger Großmarkt wurde Importmais in dieser Woche für 183 Euro verladen. Für den Herbst liegen die Angebotspreise vom Schwarzen Meer nur noch bei 177 Euro/t und damit 5 Euro niedriger. In der Veredlungshochburg Südoldenburg notiert der Mais aktuell bei 177 Euro/t. Das waren 5 Euro weiniger als Anfang August und 10 Euro weniger als Mitte Juli.

Raps bewegt sich nach oben

Rapspreise

Leicht nach oben ging es zuletzt hingegen mit den Rapspreisen. Hier hat unter anderem die deutliche Reduzierung der Sojafläche in den USA den Markt gestützt. Auch wenn die Bohne unter dem Druck der abstürzenden Maispreise wenig Luft nach oben hatte.

Am Terminmarkt in Paris sind die vorderen Rapspreise seit Montag um 4 Euro auf 378 Euro  gestiegen. Das ist fast ein ähnliches Niveau wie die Preise Ende Juli schon einmal erreicht hatten. Gestützt wird der Markt zudem durch die extrem kleine deutsche und europäische Ernte.

Der Deutsche Raiffeisenverband hatte die deutsche Raps-Ernte nur noch auf 2,8 Millionen Tonnen geschätzt. Das ist der kleinste Wert seit 22 Jahren. Am Hamburger Großmarkt wurde Raps am Donnerstag mit 378 Euro notiert. In Mannheim lagen die Angebotspreise bei 381 Euro und am Mittellandkanal bei 377 Euro/t.

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