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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Getreidepreise: Bauern bekommen die nächsten Monate hohe Weizenpreise

Getreide verladen.
am Montag, 30.08.2021 - 11:08 (Jetzt kommentieren)

Am Kassamarkt steigen die Weizenpreise, obwohl es am Terminmarkt nach unten ging. Allerdings gibt es hohe Qualitätsabschläge.

Weizenpreise.

Die Weizenpreise sind am Terminmarkt zuletzt zurückgegangen. Gleichzeitig sind Preise am Kassamarkt gestiegen. Das heißt: Die Schwere zwischen Terminmarkt und Kassamarkt geht auseinander – oder anders gesagt: Die Getreidehändler rechnen ganz offensichtlich mit zunehmenden Qualitäts- und Beschaffungsproblemen (siehe weiter unten).

Am Freitag wurde der September-Weizen am Terminmarkt mit 250 Euro je Tonne gehandelt und der Dezembertermin notierte bei 246,75 Euro – das ist ein leichtes Minus zum Vortag. Für die Ernte 2022 wurden am Terminmarkt immerhin Preise von 218 Euro angezeigt – das heißt: Der Markt erwartet weiterhin keine wirkliche Entspannung der Lage.

Das bestätigen auch die Kassapreise – die im Unterschied zum Terminmarkt zuletzt weiter gestiegen sind: So wurde der Weizen am Großmarkt und Exporthafen Hamburg am vorigen Freitag mit 251 Euro je Tonne notiert – das sind gut 4 Euro mehr als eine Woche zuvor. Für den Dezember-Weizen wurden in Hamburg am Freitag sogar 255 Euro je Tonne geboten. Das sind fast 10 Euro mehr als für den gleichen Termin an der MATIF.

Die Preise für Futtergerste am Großmarkt und Exporthafen Hamburg bewegten sich am Freitag bei 223 Euro je Tonne – das waren 5 Euro weniger als in der vorigen Woche. Für Roggen der neuen Ernte boten die Händler in Hamburg am Freitag 220 Euro Tonne – rund 7 Euro mehr als in der Woche zuvor.

Am wichtigsten französischen Großmarkt und Exporthafen Rouen wurde Brotweizen am Freitag mit 248 Euro je Tonne notiert (plus 2 Euro zur Vorwoche) – die fob-Preise für den Export lagen in Rouen bei 299 Euro je Tonne (plus 5 Euro). Futtergerste wurde in Rouen für 231 Euro je Tonne angeliefert (plus 1 Euro).

Am heutigen Montag beginnt der vorbörsliche Handel in Chicago für Weizen mit steigenden Preisen – das dürfte für die neue Woche auch in Europa steigende Getreidepreise bedeuten.

Export läuft auf Hochtouren und zieht die Preise

weizenpreise.

Die Erntedaten aus Frankreich und Deutschland zeigen eine sehr angespannte Marktversorgung in Europa. In Frankreich hatten sich die Erntearbeiten in den letzten 14 Tagen zwar beschleunigt, doch Ende August war die Weizenernte noch immer nicht vollständig abgeschlossen. Französische Analysten berichten zudem über sehr schlechte Qualitäten und eine dementsprechend geringe Verfügbarkeit von Mahlweizen in Frankreich.

Gleichzeitig kam es für den verkauften Weizen zum Teil zu erheblichen Preisabschlägen –  wegen der Qualität. Das gleiche Problem dürfte die weitere Markt- und Preisentwicklung in den nächsten Monaten auch in Deutschland  bestimmen. Das heißt: Während Brotweizen qualitätsbedingt sehr knapp sein wird, könnte das Angebot an Futterweizen deutlich größer ausfallen als erwartet.

Hinzu kommt: Die Nachfrage nach Weizen und Gerste ist an den Exporthäfen in Deutschland und Frankreich sehr hoch. So hat Algerien Ende August mehr als 250.000 Tonnen Mahlweizen in Frankreich gekauft, zu einem cif-Preis (einschließlich Fracht) von rund 350 USD je Tonne. Analysen berichten außerdem, dass Algerien seine Spezifikationen für den Weizenimport gelockert haben soll, um trotz der enttäuschenden Qualitäten des französischen Weizens ausreichend Ware zu bekommen.

Die staatliche Importagentur des weltweit größten Weizenimporteurs Ägypten (GASC), kaufte ebenfalls 180.000 Tonnen Schwarzmeerweizen zu einem durchschnittlichen fob-Preis von 296,65 USD je Tonne. Da sind fast 40 USD je Tonne mehr als bei der vorherigen Ausschreibung. Offenbar haben die Importeure großen Sorgen wegen der schlechten (kleinen) russischen und nordamerikanischen (Kanada und USA) Ernten.

Auch die Wachstumsbedingungen für die nächste Weizen-Ernte in Argentinien verschlechtern sich derzeit rapide, aufgrund einer trockenen und kalten Witterung. Die Börse von Buenos Aires senkte ihr Crop-Rating vorieg Woche um 9 Prozentpunkte.

Bauern berichten über hohe Preisabschläge – wegen Qualität

Getreideexport.

Es bestehen nach Einschätzung der meisten Analysten eine große Kluft zwischen Angebot und Nachfrage, wobei weitere Abwärtskorrekturen für die russische und argentinische Weizenernte erwartet werden. In diesem Zusammenhang bleiben die globalen Bilanzen bei Mahlweizen einerseits und Mais andererseits sehr angespannt, mit großer Unsicherheit, wie hoch die chinesischen Importe weiterhin sein werden, sagten die Analysten von Agritel in einer Notiz.

In Deutschland hat das Landwirtschaftsministerium die Weizenproduktion vorige Woche nur noch auf 21,37 Millionen Tonnen geschätzt, im Vergleich zu 22,71 Millionen Tonnen bei der ersten Prognose und 23,5 Millionen Tonnen im langjährigen Mittel. „Wie in Frankreich haben die unaufhörlichen Regenfälle in Deutschland zu einer schwer einzuschätzenden Qualität geführt, aber auch die Quantität verschlechtert", schätzen europäische Analysten die Lage ein. In Frankreich lagen die Ernteschätzungen Anfang Juli noch bei 37,1 Millionen Tonnen. Nach einer Umfrage des Analystenhauses Agritel dürften es aber am Ende aber höchstens noch 35,0 Millionen Tonnen Weizen sein – und das in schlechter Qualität.

„Das anhaltend schlechte Wetter im Sommer 2021 hat die Füllung der Körner erheblich beeinträchtigt und die Qualität deutlich verschlechtert“, sagte Michel Portier, Geschäftsführer von Agritel, und sprach von „einer echten Enttäuschung“. Das gleiche dürfte auch für Deutschland gelten.

Der französische Getreidebauer Christophe Hillairet, berichtete gegenüber einem französischen Agraronline-Dienst: „Ein LKW, der meinen Hof verließ, wurde von mir für 235 Euro pro Tonne (Weizen) verkauft. Der Abschlag betrug am Ende jedoch 30 Euro pro Tonne“, als der Weizen im Hafen von Rouen ankam, erklärt der Landwirt. Der Grund: Sein ursprünglich als Brotweizen verkaufter Weizen wurde am Exporthafen Rouen zu Futterweizen herabgestuft.

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