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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Getreidepreise: Können die Bauern bald jeden Preis verlangen?

Getreideernte.
am Montag, 23.08.2021 - 12:12 (9 Kommentare)

Am Freitag sind die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt auf ein neues Allzeithoch von 273 Euro je Tonne gestiegen. Das hat es vorher noch nicht gegeben.

weizenpreise.

Offenbar ist die vordere Ware am europäischen Kassamarkt extrem knapp – sowohl für die Futtermittelhersteller als auch für die Getreidemühlen. Und auch für den Export wird  allem Anschein nach geradezu krampfhaft nach Weizen gesucht, nachdem sich die Weizenernte in Frankreich weiter verzögert hat und auch in Russland weniger Getreide geerntet wurde, als Analysten zuvor erwartet hatten.

Auch für die die nachfolgenden Termine bleiben die Weizenpreise an der MATIF hoch – wenn auch nicht ganz so weit oben wie für den Septembertermin – der am 10. September das letzte Mal gehandelt wird. So kostete der Dezember-Weizen am Freitag 244 Euro, und dieses Niveau wird bis zur nächsten Ernte gehalten. Für die Ernte 2022 werden am Terminmarkt derzeit Preise von knapp 220 Euro angezeigt – das heißt: Der Markt erwartet derzeit keine wirkliche Entspannung der Lage.

Das zeigen auch die aktuellen Kassapreise: So wurde der Weizen am Großmarkt und Exporthafen Hamburg am vorigen Freitag mit 247 Euro je Tonne notiert – das sind über 40 Euro mehr als noch Mitte Juli. Für den Dezember-Weizen wurden in Hamburg am Freitag 250 Euro je Tonne geboten.

Die Preise Futtergerste sind in Hamburg ebenfalls kräftig gestiegen – im Vergleich zu den Kursen von Mitte Juli liegt der Preisaufschlag hier bei 47 Euro je Tonne und die aktuellen Preisangebote für die Anlieferung im August bewegten sich zuletzt bei 227 Euro je Tonne. Für Roggen der neuen Ernte bieten die Händler am Großmarkt Hamburg derzeit 213 Euro Tonne – knapp 40 Euro mehr als noch im Juli.

Am heutigen Montag beginnt der vorbörsliche Handel in Chicago erneut mit steigenden Preisen für Weizen, Soja und Mais – das dürfte für die neue Woche auch in Europa steigende Getreidepreise bedeuten.

Schleppende Ernte, schwache Qualität – aber hohe Nachfrage

Futtergerste.

Ähnlich hohe Getreidepreise wie in Deutschland  werden aus Frankreich gemeldet. Dort ist die Ernte – wie hierzulande auch - noch immer nicht abgeschlossen. Brotweizen wurde am wichtigsten französischen Großmarkt und Exporthafen Rouen mit  246 Euro je Tonne notiert – die franzöischen fob-Preise für den Export lagen bei 294 Euro je Tonne.

Futtergerste wird in Rouen aktuell für 230 Euro je Tonne angeliefert. Die Gerstenpreise folgen dabei dem Boom bei Weichweizen, und kehren damit auf ihre Höchststände von 2013 zurück, berichten französische Analysten. Die chinesische Nachfrage hält eine sehr hohe Exportaktivität aufrecht, wobei die Gerstenausfuhren zugunsten der Weizenverladungen zuletzt etwas zurückging. Algerien ist insbesondere für Lieferungen im September wieder im Geschäft. Mit dem Eintreffen der neuen Ernten haben sich die Weizenladungen im Hafen von Rouen vorige Woche fast verdreifacht, berichten Händler.

Dabei bleibt die internationale Nachfrage trotz des jüngsten Preisanstiegs sehr stark. Gleichzeitig bleibt die Aktivität am französischen und europäischen Markt wegen der hohen Volatilität der Preise relativ verhalten. Die Sorgen um die Qualität der französischen Weizenernte sind wegen der anhaltenden Regenfälle groß, denn die Qualität hat seit Beginn des Sommers deutlich nachgelassen, berichten französische Analysten und Händler.

Auch in Deutschland beeinträchtigten die schwierige Wetterverhältnisse die offenbar immer noch nicht vollständig abgeschlossene Weizenernte. Der Deutsche Genossenschaftsbund (DRV) hat seine Ernteschätzung vorige Woche um 420.000 Tonnen auf 22,4 Millionen Tonnen gesenkt, dass sind rund 500.000 Tonnen weniger als im 5-Jahres-Durchschnitt.

Exporteure kriegen kaum Ware – Preise steigen immer weiter

gerstenpreise.

„Es gibt eine Realität von Ernten, die sich hinziehen, gleichzeitig nehmen die Fragen nach deren Qualität zu. Außerdem gibt es eine enorm starke Exportnachfrage, die durch die kleinen und langsamen Ernten mehr als gebremst wird“, sagt Gautier Le Molgat, Analyst beim französischen Analystenhaus Agritel, gegenüber AFP. Der Preisanstieg beschleunigte sich insbesondere nach der Veröffentlichung des letzten Monatsberichts des US-Landwirtschaftsministeriums am 12. August, dass seine Produktionsprognosen für so wichtige Exportländer wie Russland oder Kanada drastisch nach unten revidierte.

Gleichzeitig führt das schlechte Wetter in Frankreich und Deutschland zu „endlosen Ernten“ was die Verlademöglichkeiten deutlich ausbremst. Als Folge der Probleme stieg der September-Kontrakt am Terminmarkt  in Paris am Freitag um von 12,25 Euro auf 273,25 Euro – zeitweise hatte der Weizen sogar bei 276,50 Euro notiert. Der Dezembertermin ging mit  knapp 245 Euro aus dem Handel. Der große Preisunterschied zwischen den beiden Terminen von fast 30 Euro erklärt sich laut Le Molgat durch "den immensen logistischen Stress, der die Absatzlage sehr kompliziert macht". Gemeint sind die sehr langsame Ernte, die schlechte Qualität und die sehr hohe Exportnachfrage.

Außerdem halten sich sowohl Landwirte als auch Händler angesichts der stark schwankenden Preise und der sehr unsicheren Qualitäten offenbar mit dem Verkauf oft zurück. Die Europäische Kommission meldet bis zum 15. August Weizenexporte von 2,33 Millionen Tonnen – davon 531.500 Tonnen aus Frankreich, 968.000 Tonnen aus Rumänien und wegen der sehr langsamen Ernte erst 76.000 Tonnen aus Deutschland. Der Gerstenexport erreicht bis zum 15. August bereits 1,68 Millionen Tonnen – davon 641.500 Tonnen aus Frankreich, 715.500 Tonnen aus Rumänien und immerhin 226.000 Tonnen aus Deutschland.

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