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Aussaat und Ernte 2019

Getreidepreise: Korrektur vor der nächsten Rallye?

Getreidepreise
am
18.06.2019
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Die Rallye an den Getreidemärkten wurde kurz unterbrochen. Die Getreidepreise reagierten in Chicago mit einer leichten Korrektur auf den am Montag Abend veröffentlichten Aussaat-Report des USDA. Auch in Europa geben die Preise für Weizen, Mais und Raps am Dienstag nach.

Die Ursachen für dei Korrektur dürften jedoch vor allem technischer Natur sein, denn an den fundamentalen Gründen, die zu der aktuellen Preisrallye geführt haben, ändert sich erst einmal nichts.

Das Hauptproblem für die Markt ist weiterhin, dass trotz der neuen Daten zum Aussaatfortschritt, niemand wirklich weiß, wie viele Millionen Hektar Mais und Sojabohnen nicht gepflanzt wurden bzw. nicht gepflanzt werden konnten.

Der US-Analyst Tedd Hubbs betont in seinem aktuellen Marktüberblick: „Die jüngste Rallye spiegelt die Erwartung wider, dass die bepflanzte Fläche sehr weit hinter den ursprünglichen Absichten der Farmer zurückbleibt.“ Außerdem dürfte es zu massiven Ertragsminderungen wegen der sehr spät gepflanzten von Mais und Sojabohnen kommen, glaubt Hobbs.

Die daraus abgeleitete starke Verknappung des Angebots an Futtergetreide und auch an Eiweiß in den USA und damit auch global, ist der Treibstoff für die aktuelle Preisrallye.

Etwa 3 Mio. ha Mais bleiben unbestellt

Maispreise

Die Frage, die die globalen Getreidemärkte derzeit am stärksten bewegt, ist das Ausmaß der Flächenverluste bei Mais und auch Soja ind en USA. Die Größe der in diesem Jahr verlorenen Maisflächen scheint den bisherigen Rekord von 1,5 Millionen Hektar im Jahr 2013 um ein Vielfaches zu übertreffen.

Das USDA hatte die Maisfläche in seinem Report vom vorigen Dienstag überraschend deutlich von 37,6 Mio. ha auf 36,3 Mio. ha reduziert. Das ist ein Flächenverlust von 1,3 Mio. ha und nach Einschätzung der meisten Analysten deutlich zu wenig. Anderseits hatte das USDA die Ertragserwartung ebenfalls um 6 Prozent kräftig nach unten korrigiert. Damit wurde die erwartete US-Maisernte sehr kräftig um rund 9 Prozent nach unten gesetzt. Verbrauch und Bestände gehen ebenfalls deutlich zurück.

Der Crop-Progress-Report vom Monatg Abend meldete, dass die Aussaat von Mais am 16. Juni auf 92 Prozent der ursprünglich geplanten 37,6 Mio. ha erfolgt ist. Das entspricht einer Aussaatfläche von etwa 34,5 Mio. ha und einer nicht bestellten Fläche von etwa 3,0 Mio. ha. Das wäre etwa doppelt so viel, wie das USDA am vorigen Dienstag geschätzt hatte und zudem ein Rekordwert. Außerdem sind erst 79 Prozent der gepflanzten Maispflanzen aufgelaufen, im Vergleich zu 97 Prozent in normalen Jahren.

Fast 8 Mio. ha Sojafläche nicht bestellt

Felder überschwemmt

Ein Teil der Maisflächen könnte auf den Anbau von Sojabohnen umgestellt worden sein. Aber auch bei Sojabohnen ist der Rückstand der Aussaat extrem hoch. Das anhaltende Regenwetter in weiten Teilen des Mittewestens stellt auch die Bepflanzung von Sojabohnen in Frage. Möglich ist jedoch eine Pflanzung bis in die zweite Junihälfte, wenn das Wetter dies noch zulässt.

Das USDA hatte die Sojafläche in seinem Report vom vorigen Dienstag unverändert bei 34,3 Mio. ha belassen. Der Chefökonom des USDA hatte wegen der unsicheren Datenlage eine Anpassung im USDA-Julireport angekündigt. Dann erwarten die meisten Analysten eine deutliche Korrektur nach unten und auch eine Absenkung der Erträge des sehr spät gepflanzten Sojas.

Der Crop-Progress-Report vom Montag Abend meldete, dass die Aussaat von Sojabohnen am 16. Juni nur auf 77 Prozent der ursprünglich geplanten 34,3 Mio. ha erfolgt ist. Das entspricht einer  Aussaatfläche von 26,4 Mio. ha und einer nicht bestellten Fläche von etwa 7,9 Mio. ha.

Gleichzeitig sind erst 55 Prozent der gepflanzten Sojapflanzen aufgelaufen, im Vergleich zu 84 Prozent in normalen Jahren.

Getreidepreise am Dienstag etwas schwächer

Maispreise Chicago

Die Maispreise waren in den USA am Montag auf den höchsten Stand seit 5 Jahren gestiegen und notierten für den vorderen Julitermin bei etwa 455 Cent je Buschel. Im vorbörslichen Handel am Dienstag geben die Juli-Preise auf 450 Cent nach und die neue Ernte wird mit 463 Cent gehandelt.

Am europäischen Terminmarkt kostete der Juli-Mais am Montag 177 Euro und die neue Ernte 178 Euro.

Der Weizen ist das wichtigste Substitut in den Futterrationen und die Preise folgen den Vorgaben vom Mais. Die Weizenpreise für den Julitermin sind in den USA am Montag auf 539 Cent gestiegen. Das waren die höchsten Kurse seit mehr als einem halben Jahr. Aber auch beim Weizen geben die Preise im vorbörslichen Handel nach. Am heutigen Dienstag notiert der vordere Julitermin im vorbörslichen Handel in Chicago bei 534 Cent und der September bei 537 Cent.

Am europäischen Terminmarkt kostete der September-Weizen am Montag knapp 183 Euro.

Die Sojapreise notierten in den USA am Montag für den vorderen Julitermin bei etwa 912 Cent je Buschel. Im vorbörslichen Handel am Dienstag geben die Juli-Kurse auf 910 Cent nach und die neue Ernte wird mit 937 Cent gehandelt.

Der Raps war am Montag auf 372 Euro gestiegen und dürfte am Dienstag zunächst ebenfalls nachgeben.

Hohe Preise unbedingt absichern

Die Unsicherheit über die Anbauflächen bei Mais und Sojabohnen in den USA dürfte auch über den Sommer bestehen bleiben. Die Volatilität an den Märkten dürfte wegen der zahlreichen unbekannten Größen deshalb auch weiterhin hoch bleiben.

US-Analysten empfehlen den Farmern deshalb unbedingt Preisziele festzulegen, um die aktuelle Dynamik des Getreidemarktes zu nutzen. Das Management des Erntepreisrisikos sollte mit verschiedenen Marketingstrategien erfolgen. Auch für Getreidebauern in Europa ist ist wichtig, eine Marketingstrategie zu haben, da Angebotsschocks nach Einschätzung von Analysten nur einen begrenzten Zeitrahmen bieten, um die bestehenden Preismöglichkeiten zu nutzen.

Die Strategie sollte wegen des guten Preisniveaus zudem auch Überlegungen zur Absicherung für einen Teil der Ernte 2020 enthalten.

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