Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Die längste Preisrallye aller Zeiten – geht weiter

Sojaernte mit mehreren Geräte auf einem Feld
am Mittwoch, 06.01.2021 - 11:45 (Jetzt kommentieren)

"Diese Rallye ist eine der längsten und größten Rallyes, die es am Getreidemarkt seit langem gegeben hat", sagt ein US-Analyst am Dienstag.

Anstieg bei den Weizenpreise am europäischen Terminmarkt auf 219 Euro pro Tonne im Januar 2021

Die US-amerikanischen Sojabohnen-Futures stiegen am Dienstag um fast 4 Prozent und steigen am Mittwoch weiter massiv an. Grund ist nach Meinung von Analysten eine Mischung aus fondsgetriebenen technischen Käufen und massiven Sorgen wegen der schrumpfenden südamerikanischen Ernte und Exporte.

Die Sojapreise kletterten am Dienstag auf ein neues sechs-einhalb-Jahreshoch. Die US-Maispreise folgten den Sojabohnen steil nach oben und überwanden in den USA die magische Grenze von 500 Cent je Buschel – ebenfalls ein 6-Jahreshoch. Die Weizenpreise  stieg um mehr als 2 Prozent – ebenfalls auf ein neues Sechsjahreshoch.

„Neues Jahr, und die gleichen Probleme", schrieben Analysten der Commerzbank in einer Beurteilung der Marktentwicklung. „Zu Beginn des Jahres 2021 sind es dieselben Sorgen hinsichtlich des schrumpfenden Angebots aus Südamerika und der sehr starken chinesischen Nachfrage, die die Preise für Sojabohnen, Mais und Weizen in die Höhe treiben,“ heißt es weiter.

Am europäischen Terminmarkt kletterten die Weizenpreise am Dienstag bis auf 218 Euro – ein Plus von 4 Euro zum Vortag. Damit blieben die Kurse nur ganz knapp unter den Rekordpreisen aus damit Dürrejahr 2018. Die neue Weizenernte 2021 wurde immerhin mit 196 Euro je Tonne gehandelt und damit 3 Euro höher als am Vortag.

Der auslaufende Januar-Kontrakt für Körnermais schwankte sehr stark und beendete den Handel bei 211 Euro je Tonne. Der neue Frontmonat März wurde am Dienstag mit 200 Euro gehandelt – dürfte aber heute ebenfalls weiter zulegen.

Ein sattes Plus von 9 Euro und Kurse von 430 Euro je Tonne verzeichneten auch die Rapspreise am europäischen Terminmarkt.  Das sind die höchsten Preise seit 4 Jahren. Dier neue Ernte wurde mit 401 Euro gehandelt. Auch hier dürfte es heute weiter steil nach oben gehen.

Exportstopp, Hafenarbeiter streiken, Neue Ernte schon verkauft

Sojabohnenpreise in Chicago mit deutlichem Preisanstieg im Januar 2021

Ein Grund für die aktuelle Beschleunigung der Rallye war die Ankündigung Argentiniens in der vergangenen Woche, die Maisexporte bis März auszusetzen, um eine ausreichende Versorgung mit heimischen Nahrungsmitteln sicherzustellen. Hintergrund ist offenbar die Unsicherheit über die Größe der neuen südamerikanischen Ernten, da das anhaltend trockene Wetter die Zweifel an den bevorstehenden Ernten immer weiter verstärkt.

Verschärft wurden die Probleme durch einen fast dreiwöchigen Streik der argentinischen Ölmühlen und Hafenarbeiter, der die Ausfuhren des weltweit größten Exporteurs von Sojafuttermitteln empfindlich störte.

Die erneute Rückkehr des trockenen Wetters in Argentinien und Südbrasilien hat die Besorgnis über den Stress für das Ertragspotential bei Mais und Sojabohnen wiederbelebt, obwohl einige Prognosen auf stärkere Regen-Schauer in der nächsten Woche hindeuteten. Die Getreidemärkte regieren jedoch sehr empfindlich gegenüber Risiken in Bezug auf das südamerikanische Angebot, da die anhaltend starke chinesische Importnachfrage bereits sehr viel verfügbares Soja und Mais auf dem Weltmarkt absorbiert hat (auch von der neuen Ernte).

Diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass die Preise für Mais, Sojabohnen und Weizen bereits im Jahr 2020 zweistellige prozentuale Zuwächse verzeichneten. „Was jetzt entscheidet, ist das südamerikanische Wetter und das Wetter in den USA, als die beiden dominierenden Märkte, an denen China einkauft.

Wir haben weiterhin sehr trockenen Bedingungen in Argentinien, Südbrasilien und Uruguay, wie schon in den letzten 60 Tagen", sagt ein US-Meteorologe. Es hat nur sehr wenig geregnet und es war wärmer als normal. Hinzu kommt, dass die brasilianische Landwirt bereits sehr viel von der neuen Ernte verkauft haben, die in den nächsten 6 bis 8 Wochen erst geerntet werden soll“, berichten Analysten.

Trockenheit geht weiter – Soja-Ernte beginnt sehr langsam

Sojabohnen auf einem Feld

Die brasilianische Sojabohnenernte hat in einigen Gebieten des Bundesstaates Mato Grosso bei sehr früh gepflanzten Sojabohnen bereits begonnen. Nach Berichten der örtlichen Landwirte liegt die Erntefortschritt aufgrund der geringen Niederschläge zu Beginn der Saison aber hinter dem Tempo des letzten Jahres zurück.

Die Produzenten die jetzt ernten haben ihre Bohnen Mitte September im Staub gesät", berichtet ein brasilianischer Sojabauer. Unregelmäßige Regenfälle stellen eine erhebliche Bedrohung für die brasilianischen Sojaerträge und -produktionen in dieser Saison dar, aber für Landwirte, die später in der Saison gesät haben, ist es noch nicht zu spät.

„Regen ist jedoch im Januar und Februar unerlässlich, um noch eine einigermaßen passable Ernte einzubringen", heißt es weiter. Im Staat Mato Grosso hatten die Bauern bis Ende Januar des letzten Jahres 25 Prozent der gepflanzten Sojabohnenfläche abgeerntet, aber das ist in dieser Saison nicht mehr möglich. Derzeit wird erwartet, dass die Trockenheit in Südbrasilien und insbesondere in den Hauptproduktionsstaaten Argentiniens anhält.

In Brasilien könnte es zu einer gewissen Erholung der Niederschläge kommen, wenn wir uns Ende Januar und Februar nähern. Dies wäre jedoch eine zeitlich unpassende Feuchtigkeit, wenn die Ernteaktivitäten beginnen und die zweite Maisernte (Safrinha) gepflanzt werden soll. Bis Mitte Januar wird erwartet, dass der Niederschlag in Südbrasilien und den Anbaugebieten Argentiniens weiterhin ein Defizit aufweist.

Nach Angaben des Wetterdienstes Weathertrends360 ist dies die vierttrockenste erste Januarwoche seit 30 Jahren für Rio Grande do Sul, in Brasilien, und die dritttrockenste Woche seit 30 Jahren für Santa Fe, in Argentinien. Für Ende Januar und Februar erwartet  auch Weathertrends360, dass das feuchteres Wetter in Teile Südbrasiliens zurückkehren könnte. In Ostargentinien hält das trockenere Wetter aber weiter an.

Die aktuellen Marktpreise für Mais und auch Weizen können Sie im Marktbereich von agrarheute einsehen.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...