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Getreideernte und Getreidepreise

Getreidepreise: Letzte Chance für eine Preisrallye

am Montag, 29.06.2020 - 18:26 (Jetzt kommentieren)

Der USDA-Bericht am Dienstag könnte die letzte Chance für die Bullen sein, einen Katalysator für eine Getreidepreis-Rallye zu finden, sagt der US-Analyst Al Kluis.

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Viele Analysten und Händler in den USA sind jedoch überzeugt: „Wenn die Wettervorhersage für die nächsten Wochen stimmt, wird es für die Bullen sehr schwer, die Getreidepreise nach oben zu bekommen.“

Ein Indiz ist, dass es vor dem USDA-Bericht sowohl am Terminmarkt in Chicago als auch in Paris offenbar sehr viele Short-Positionen gibt“. Das heißt übersetzt: Viele große institutionelle Anleger erwarten (befürchten) am Dienstag offenbar fallende Preise. Immerhin sind es zwei große Berichte, die das USDA am Dienstagabend veröffentlicht: Einmal seinen jährlichen Bericht über die Entwicklung der Anbauflächen (Acreage-Report) in den USA und außerdem den Quartals-Bericht über die Getreidebestände (Stocks).

An den Getreidemärkten standen die Zeichen für die Preise zuletzt jedenfalls auf rot. Das galt sowohl für die USA als auch für den Weltmarkt. Eine Ursache war, dass sehr groß erwartete Getreide- und Ölsaatenangebot am Weltmarkt. Ein Teil der erwarteten globalen Megaernte stammt jedoch aus den rekordhohen Ernte-Prognosen für Mais und Sojabohnen in den USA.

Auf die möglichen Anbau-Verschiebungen zwischen diesen beiden Kulturen und die abgeleiteten Effekte auf andere Getreidearten, wird es am Dienstag ankommen. Ebenso auf die Lagerbestände bei Weizen, Mais und Soja – denn diese zeigen die Entwicklung im Export und auch den Verbrauch am US-Binnenmarkt an.

Prognose: Weniger Mais – dafür mehr Soja

Maisfeld

"Die Anbauflächen sind in der Regel die wichtigste Schlagzeile im Bericht vom 30. Juni", sagte Joe Vaclavik von Standard Grain. Trotzdem haben wir schon gesehen, dass die vierteljährlichen Bestandszahlen den Handel überraschen und zu heftigen Preisausschlägen führten. Beide Berichte haben durchaus das Potenzial, ein Markttreiber zu sein.“  Allerdings in beide Richtungen.

Ausgangspunkt und Vergleichsgröße sind die USDA-Zahlen über die im März geschätzten Aussaatflächen für Weizen, Mais und Sojabohnen (Prospektive Planting): Diese Anbau-Flächen bilden neben den  derzeitigen Ertragserwartungen die Grund lagen für die riesigen Ernteschätzungen bei Mais und Sojabohnen in den USA.

Damals unterstellte das USDA beim Mais: 97 Millionen Acres (39,3 Millionen Hektar), bei Sojabohnen: 83,5 Millionen Acres (38,9 Millionen Hektar) und bei Weizen insgesamt: 44,7 Millionen Acres (18,1 Millionen Hektar). Ted Seifried, Chef-Analyst bei Zaner Ag geht davon aus, dass die Maisfläche um mehr als 1 Millionen Hektar auf 94,5 Millionen(38,3 Mio. ha) schrumpfen könnte und die Sojabohnenfläche auf etwa 84,5 Millionen Acres (34,2 Millionen Hektar) steigen wird.

Ein deutlicher Rückgang der Maisfläche wäre ein sehr positives Signal für die Märkte und natürlich für die Preise, sagt Seifried. Jo Vaclavik sieht das etwas anders: „Obwohl ich nicht glaube, dass ein Anstieg bevorsteht, könnte die Maisanbaufläche größer sein als viele Händler und Analysten derzeit glauben", sagt er. Das hätte dann negativ Folgen für die Preise bei Mais – aber auch bei Weizen.

Das Wetter macht derzeit 75 Prozent der Preise

Unwetter Oklahoma

Die meisten Vorhersagen von Analysten deuten jedenfalls auf eine Zunahme der Sojabohnen-Fläche im USDA-Report am Dienstag hin, während die Mais-Fläche abnehmen könnte. Viele Analysten und Farmer schauen außerdem jedoch besonders genau auf die Wetterprognosen und damit auf die erwarteten Erträge.

Derzeit deutet alles darauf hin, dass die zuletzt sehr trockenen Gebiete im Maisgürtel der USA in den nächsten Tagen den dringend benötigten Regen bekommen“, sagte ein Analyst.  Und der fügte hinzu: „Dies ist die Jahreszeit, in der die Getreidepreise sehr schnell auf einen Fehlschlag der Wettermodelle reagieren. Wenn sich die für die nächste Wochen prognostizierten Regenereignisse nicht einstellen, könnten die Bullen schnell den Funken bekommen, auf den sie schon lange gewartet haben“.

"Das Wetter macht derzeit wahrscheinlich 75 Prozent der Preise", glaubt der Analyst Jerry Gulke. Nach den Erhebungen des USDA befanden sich in der vorigen Woche 73 Prozent der Maisbestände in gutem bis ausgezeichneten Zustand, im Vergleich zu 72 Prozent in der Vorwoche und gerade einmal 56 Prozent im vorigen Jahr.  Bei Sojabohnen stuft das USDA 70 Prozent Bestände als gut bzw. sehr gut ein Zustand, gegenüber 72 Prozent in der Woche davor und 58 Prozent im vorigen Jahr.

Beim Winter-Weizen hatten die US-Farmer bis zum 21. Juni rund 29 Prozent der Flächen abgeerntet, gegenüber 15 Prozent in der Woche davor. Die laufende Ernte erhöhte den Druck auf die ohnehin kräftig gefallenen Weizenpreise in den USA zusätzlich.

Maispreise halten auch den Weizen unten

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In Europa sind die Weizenpreise den negativen Vorgaben vom Schwarzen Meer und aus den USA gefolgt – obwohl die Weizen-Ernte in Europa sehr schwach ausfällt und die EU-Kommission Ende der der vorigen Woche eine weitere deutliche Korrektur der Weizen-Ernte nach unten gemeldet hat.

Am europäischen Terminmarkt rutschten die Weizenpreise für die neue Ernte am vorigen Freitag trotzdem bis auf 176 Euro je Tonne nach unten. Am heutigen Montag erholten sich die Kurse im laufenden Handel aber wieder etwas. Doch im Vergleich zum April sind die europäischen Weizenpreise derzeit rund 30 Euro je Tonne niedriger.  

Körnermais – für den Augusttermin – wurde am europäischen Terminmarkt am Montag mit knapp 166 Euro je Tonne notiert. Das waren 5 Euro weniger als Ende Mai. Die neue Maisernte (November) wurde an der MATIF nur noch mit 160 Euro gehandelt. In den USA waren die Maispreise zeitweise sogar auf ein 12-Jahrestief gefallen, konnten sich zuletzt aber – mit den wieder steigenden Ethanol- und Energiepreise – wieder leicht erholen.

Während die US-Maispreise im April gerade noch die 300-Cent-je-Buschel-Marke verteidigen konnten, notiert der US-Mais für den Julitermin aktuell wieder bei 324 Cent je Buschel und die neue US-Ernte wird mit 333 Cent gehandelt.

"Der Verlust der Nachfrage nach Mais durch die Ethanolindustrie ist „die größte Geschichte in diesem Jahr", sagt der Analyst Ted Seifried. "Ich glaube nicht, dass irgendetwas den Einfluss der Ethanol-Nachfrage auf die Maispreise übertreffen könnte."

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