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Maispreise und Futterkrise

Getreidepreise: Maismangel in Europa – Futterkrise kostet viel Geld

Mais im Speicher abladen.
am Dienstag, 12.04.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Maispreise steigen – am Weltmarkt und in Europa. Der Grund: Der komplette Ausfall eines der größten Exporteure – der Ukraine. Das heißt für die Europäer: Das wichtigste Futtergetreide ist knapp und wird im nächsten Jahr noch knapper. Man sieht's an den Preisen.

Maispreise Frankreich.

Die Maispreise steigen als Reaktion auf den Ausfall ukrainischer Lieferungen. Dabei reagierte der Markt auch auf die erneute Zunahmen der Spannungen am Schwarzen Meer. Der Westen kündigte zudem neue Sanktionen gegen Russland an, die Folgen für die Energieversorgung und die Energiepreise haben. Die Aussicht auf einen Ausweg aus der Krise rücken in weite Ferne. Der Markt integriert die Folgen des Konflikts auf Aussaat und Produktion im Jahr 2022 in die Maispreise.

Zudem wird die Ukraine voraussichtlich lange Zeit von den Handelsströmen auf dem Seeweg abgeschnitten sein. Deshalb sind auch die Bezugsmöglichkeiten europäischer Importeure stark eingeschränkt. Die ukrainischen Getreideexporte sind laut Landwirtschaftsministerium im März dramatisch eingebrochen, wobei auch die Maislieferungen drastisch schrumpften. Die Europäische Kommission erwartet einen Rückgang der europäischen Maisimporte für die nächste Saison auf nur noch 9 Millionen Tonnen, von 14 Millionen Tonnen im laufenden Wirtschaftsjahr 2021/21.

Vor diesem Hintergrund ist französischer und rumänischer Mais auf dem innereuropäischen Markt sehr gefragt. Umfangreiche Lieferungen nach Spanien wurden zuletzt aus Frankreich gemeldet. Allerdings trafen auch mehr südamerikanischen Schiffe in Spanien und anderen europäischen Ländern ein, berichten Analysten. Am europäischen Markt ist die Nachfrage der Futterindustrie mit dem sehr kräftigen Preisanstieg und der rasanten Ausbreitung der Vogelgrippe zunächst einmal zurückgegangen. Das könnte sich vor dem Hintergrund eines permanenten Maismangels jedoch rasch ändern. Möglicherweise sind die aktuellen hohen Preise nur ein Vorspiel zu einer weiteren Getreide-Preisrallye.

Mehr als die Hälfte der EU-Mais-Importe fehlt nun

Maispreise in den USA.

Der Krieg in der Ukraine führt dazu, dass die EU-Länder weniger Mais als geplant vom Schwarzen Meer importieren können. Sie müssen sich andere Lieferanten suchen, um ihren Importbedarf zu decken. Nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine importierte die EU deutlich weniger Mais als erwartet aus Drittländern (nicht nur aus der Ukraine), berichtet Benoît Fayaud, Marktanalyst bei Strategie Grains (Tallage). Ein Grund dürft wohl in der sehr knappen globalen Versorgunglage liegen.

Fayaud sagte: „Vor der aktuellen Versorgungskrise gab es in der EU bereits eine enge Versorgung im Wirtschaftsjahr 2020/21. Für die laufende Saison 2021/22 rechneten Analysten hingegen mit einer deutlich besseren Situation. Zum einen wegen der größeren europäischen Produktion. Zum anderen wegen umfangreicher Importe, die durch die Rekordernte der Ukraine möglich waren.

Nach den Daten der EU-Kommission hatten die Europäer bis zum 03. April rund 12,2 Millionen Tonnen Mais importiert – Hauptlieferanten waren: Die Ukraine mit 6,7 Millionen Tonnen (55 %), Brasilien mit 3,3 Millionen Tonnen (14 %), Kanada und Serbien mit jeweils deutlich mehr als 600.000 Tonnen – und Russland mit 370.000 Tonnen. Die größten Abnehmer waren: Spanien mit 4,9 Millionen Tonnen, die Niederlande mit 2,2 Millionen Tonnen, Portugal mit 1,2 Millionen, Italien mit 1,1 Millionen Tonnen und Irland mit 690.000 Tonnen.

Große Lücke in der Versorgung

Deutschland hat – trotz eines insgesamt hohen Importbedarfs - aus Drittländern und der Ukraine nur 40.000 Tonnen gekauft – sagt jedenfalls die Kommission. Danach dürfte der größte Teil der deutschen Maiseinfuhren aus Rumänien und Frankreich kommen. Fakt ist jedenfalls: Seit Ende Februar ist das ukrainische Getreide fast komplett blockiert, und die Bemühungen, es teilweise über die Straße oder über die Schiene herauszuholen, werden wahrscheinlich sehr unzureichend sein.

Diese hat jedoch mehrere Schwachstellen am Gemeinschaftsmarkt aufgezeigt, sagt Benoît Fayaud, insbesondere ein erhebliches strukturelles Defizit zwischen Inlandsangebot und Nachfrage, von rund 13,5 Millionen Tonnen im Durchschnitt in den letzten Jahre. "Der Krieg unterstreicht auch die Anfälligkeit der EU gegenüber Importen aus der Ukraine.

Die Frage der Futterhersteller lautet deshalb: „Wie kann man angesichts des Mangels an ukrainischem Mais die Versorgung sicherstellen, bis brasilianischer Mais (der zweiten Ernte) ab Juli auf den Märkten eintrifft?

Ukraine kriegt den Mais nicht los – Häfen sind blockiert

Exportpreise Mais der Ukraine.

Die Exportpreise für ukrainischen Mais sind aufgrund der anwachsenden Lagerbestände und der begrenzten Absatzmöglichkeiten gefallen. Grund ist, dass Mais und anderes Getreide derzeit nur mit der Bahn über die Westgrenze der Ukraine exportiert werden kann, berichten die Analysten von APK-Inform.

Die Ukraine, einer der weltweit führenden Getreideexporteure, verschiffte sonst den Großteil seiner landwirtschaftlichen Güter über die Häfen am Schwarzen Meer. Da aber da der Krieg die Häfen blockiert, versuchen die Händler nun, mehr Getreide über die Schiene zu transportieren.

„Große Maisüberschüsse und das im Vergleich zur Nachfrage große Angebot üben jedoch Druck auf die ukrainischen Maispreise aus“, sagte das Beratungsunternehmen. Laut APK-Inform lagen die Maispreise für die Lieferung von April bis Mai an der polnischen Grenze bei 240 bis 250 US-Dollar pro Tonne. Die Preise für Mais an der Grenze zur Slowakei fielen auf 245 bis 260 US-Dollar pro Tonne, während der Preis für die Lieferung über den rumänischen Hafen Constanta bei 300 bis 315 US-Dollar pro Tonne lagen.

Nach Auskunft ukrainischer staatlichen Stellen beliefen sich die Maisvorräte des Landes Ende März auf etwa 13 Millionen Tonnen.

An den Exporthäfen am US-Golf wurde der Mais Ende der vorigen Woche für 360 USD je Tonnen verladen und in Frankreich mussten Einkäufer sogar 415 bis 425 USD je Tonne auf den Tisch blättern, meldete die Kommission.

Erzeugerpreise für Marktfrüchte - und Mais

Maispreise auf agrarheute.

Auf den Marktseiten von agrarheute finden Sie: Aktuelle Erzeugerpreise für Marktfrüchte: Weizenpreis, Rapspreis, Gerstenpreis, Roggenpreis und aktueller Maispreis. Großhandelspreise und regionale Erzeugerpreise für Bundesländer.

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