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Getreideernte und Preise

Getreidepreise: Markt könnte sehr schnell drehen

Getreidepreise
am
06.08.2019
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Die Getreidepreise geben erneut nach. Doch Analysten halten eine schnelle Trendumkehr für möglich.

Die Getreidepreise geben zum Beginn der Woche erneut nach. Am vorigen Freitag sah es noch nach einer Konsolidierung des Marktes aus. Nun schlug die Stimmung jedoch erneut um. Ausgegangen war der erneute Preisrutsch von den USA. Dort hatten sich die Kurse vor dem Hintergrund der Spekulationen, um die möglicherweise als deutlich zu groß eingeschätzten Ausaatflächen von Mais und Sojabohnen zunächst wieder erholt.

In der neuen Woche grieten die Getreidepreise dann jedoch in den Sog der weltweit fallenden Aktien- und Rohstoffmärkte. Vor allem die neuen Turbulenzen aus dem Handelskrieg der USA mit China drücken auf die Märkte. Dabei hatten chinesische Importeure bereits umfangreiche Einkäufe von Mais und Soja in ihren Büchern stehen. Nun wollen sie deren Abwicklung und den Kauf neuer US-Agrarprodukte als Antwort auf Präsident Trumps neue Zollandrohungen jedoch stoppen.

Für Europa und Deutschland kommen noch die sich spürbar verschlechternden Konjunktur- und Handelsdaten hinzu. Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist im Juli auf den tiefsten Stand seit gut sechseinhalb Jahren gefallen. Das drückte mächtig auf die Akienkurse.

Ein riesiger Elefant steht im Raum

Getreidepreise

Damit überlagern die politischen und ökonomischen Nachrichten das eigentlich wichtigste Getreide-Thema der Woche: Nämlich die neuen Diskussionen und Prognosen vor dem USDA-Report am kommenden Montag den 12. August. Eine Umfrage des US-Analysten FarmFutures unter mehr als 1.150 Landwirten hat nämlich ergeben, dass die Farmer, nach den sintflutartigen Regenfällen in diesem Frühjahr, nur auf 83,5 Millionen Acres (33,8 Mio. ha) Mais gepflanzt haben. Das wären immerhin 8,2 Millionen Acres (3,3 Mio. ha) weniger als die letzte Schätzung von USDA vom Juni ergab.

Die Börsen würden auf diese Veränderungen wohl mit einem Feuerwerk bei Mais und Weizen reagieren. Auch die Anbau-Schätzung für Sojabohnen war mit 79,6 Millionen Acres (32,2 Mio. ha) niedriger als USDA im Juni erwarte hat. Diese Prognosen könnten sich aber noch deutlich ändern, bis die Mähdrescher im Herbst mit der Ernte beginnen. "Wir sind der Meinung, dass wir uns jetzt wieder die Fundamentaldaten ansehen müssen, die vor uns liegen", sagte dazu Don Roose von U.S. Commodities, aus Iowa.

Ein Teil von Iowa, Illinois und Indiana ist auf der neuesten Karte des US-Dürrenmonitors zudem „ungewöhnlich trocken“. Und die Aussichten für die nächsten Wochen sind, dass diese Regionen weiter trocken bleiben. Der betroffene Bereich umfasst immerhin 20 Prozent des Maisgürtels, sagte Roose. Die Märkte erwarten nun den USDA-Getreidereport vom 12. August. "Es steht ein riesiger Elefant im Raum"*, sagte Roose dazu und bezieht sich damit auf das  mögliche Potential der Preissausschläge. (*Die Aussage bezeichnet ein offensichtliches Problem, dass zwar im Raum steht, aber nicht angesprochen wird).

Weizenpreise geben nochmals nach

Getreidepreise

Am Montag geben die Weizenpreise im laufenden Handel zunächst erneut nach. Der Weizen in Chicago hatte in der vorigen Woche knapp 6 Prozent an Wert verloren, sich dann am Freitag jedoch wieder erholt. Am vorigen Freitag stieg der vordere September-Weizen immerhin wieder um 15 Cent auf 490 Cent je Buschel. Am Montag Nachmittag lagen die US-Weizenpreise im laufenden Handel 5 Cent im Minus bei 485 Cent.

Am europäischen Terminmarkt hatte der September-Weizen am Freitag um 0,25 Euro auf gut 173 Euro/t zugelegt. Am Montag fielen die Kurse am Nachmittag unter dem Druck aus Chicago jedoch wieder um 1,0 Euro auf nur noch 172 Euro/t.

Auch die Kassapreise gerieten mit den nachgebenden Terminmärkten unter Druck. Für die Anlieferung im August wurden am Großmarkt und Exporthafen Hamburg am Montag nur noch 170 Euro geboten. Das waren 3 Euro weniger als eine Woche zuvor. Außerdem lagen die Kassapreise damit unter den Terminmarktpreisen. Im Osten Deutschland bewegten sich die nominellen Angebotspreise für Brotweizen am Montag bei 154 Euro/t. Das waren ebenfalls 3 Euro weniger als vor einer Woche.

Mais, Soja und Raps schwächer

Maispreise

Die US-Maispreise verloren in der vorigen Woche mehr als 3 Prozent und sind unter die 400-Cent-Marke gefallen. Am vorigen Freitag ging es jedoch auch für den US-Mais nach oben. Der vordere Septembertermin wurde 7 Cent höher mit 399 Cent je Buschel notiert. Im laufenden Handel am Montag gaben die September-Preise wieder auf 397 Cent nach. Gleichzeitig wurde die neue Mais-Ernte in Chicago mit 407 Cent notiert.

Am europäischen Terminmarkt kostete der November-Mais am Freitag 172 Euro (neue Ernte). Das waren 6 Euro weniger als eine Woche zuvor. Am Montag gaben die Kurse im laufenden Handel auf 171 Euro/t nach. Auch die Kassapreise rutschen weiter nach unten. Am Großmarkt in Mannheim kostete inländischer Futtermais am Montag noch 173 bis 176 Euro/t. Fob-Oberrhein werden 175 bis 176 Euro verlangt.

Die US-Sojapreise gaben in der vorigen Woche um gut 2 Prozent nach und rutschen unter die Marke von 860 Cent je Buschel. Am vorigen Freitag legte der vordere Septembertermin in Chicago wieder leicht  um 3 Cent auf 856 Cent zu. Am Montag ging es im laufenden Handel jedoch  wieder um 6 Cent auf 850 Cent nach unten.

Die Rapspreise hatten am europäischen Terminmarkt schon am Freitag nachgegeben. Der neue Frontmonat November beschloss den Handel bei knapp 375 Euro. Am Montag ging es zunächst es um weitere 2 Euro auf 373 Euro nach unten. Am Kassamarkt in Hamburg hatte man den vorderen Raps am Montag nur noch mit 373 Euro/t gehandelt. In Mannheim wurden für den August 375 Euro geboten und am Mittelandkanal waren es 372 Euro.

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