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Getreidemarkt und Getreidepreise 2021

Getreidepreise: Ein Marktschock folgt dem nächsten - Wo führt das hin?

Feldarbeit
am Montag, 08.11.2021 - 11:52 (Jetzt kommentieren)

Getreide kostet so viel wie noch nie zuvor. Und es wird immer knapper. Weltweit schrillen die Alarmglocken.

Weizenpreise.

In diesem Jahr ist das globale Getreideangebot klein. Und es wird immer kleiner. Gerade hat Russland seine Erntemeldung nach unten korrigiert. Immer mehr Länder regulieren den Export von Getreide – und die Transportlogistik ist entweder massiv gestört oder komplett unterbrochen. Wichtige Vorprodukte – wie etwa Pflanzenschutzmittel oder Chips für Landmaschinen und Traktoren – können oft nicht mehr geliefert werden, denn sie kommen (nicht) aus China.

Hinzu kommt: Die Frachtkosten sind exorbitant hoch, so dass auch der Transport von Getreide und anderen Nahrungsmitteln unwirtschaftlich wird. Außerdem fehlen auch für Agrartransporte LKW-Fahrer. Für Landwirte explodieren die Kosten und fressen die hohen Erlöse für Getreide und Nahrungsmittel wieder auf. Zusätzlich fehlen wegen der Coronakrise fast überall Arbeitskräfte – auch in der Agrarwirtschaft. Die globalen Nahrungsmittelpreise befinden sich auf dem höchsten Stand seit 10 Jahren, berichtet die FAO und sie steigen immer weiter. Die globale Inflation ist so hoch wie seit 40 Jahren nicht.

Doch das ist noch nicht alles. Die schwere Energiekrise verteuert nicht nur die Produktion in allen wichtigen Wirtschaftszweigen. Sie macht auch die Herstellung von Stickstoffdüngern unwirtschaftlich. Die Düngerfabriken drosseln die Produktion oder stellen die Herstellung komplett ein.

Und das hat Folgen für die nächste Ernte: Denn ohne Dünger werden die Erträge bei allen wichtigen Getreidearten deutlich niedriger ausfallen. In Deutschland sind die Erträge bei Biogetreide – wo kein Mineraldünger verwendet wird – nur halb so hoch wie bei den konventionellen Bauern. Die selben Probleme gibt es im übrigen beim immer knapper werdenden Pflanzenschutz. Weltweiter Nahrungs-Mangel und Hungersnöte könnten die Folge sein, befürchten immer mehr Analysten.

Und um das Fass zum Überlaufen zu bringen: Russland und die Ukraine melden aktuell wegen anhaltender Trockenheit deutlich kleinere Aussaatflächen bei Wintergetreide.  

Weizen kaufen – egal zu welchem Preis?- Knappheit bleibt

Weizenpreise.

In der vorigen Woche sind die Getreidepreise auf neue historische Rekorde gestiegen. Die Weizenpreise notierten zeitweise ganz nahe a 300-Euro-Marke. Trotz der extrem hoher Preise zeigt die internationale Nachfrage keine Anzeichen einer Abschwächung. Im Gegenteil: Ägypten kaufte vorige Woche 540.000 Schwarzmeerweizen, der im Dezember geliefert werden soll. Der vereinbarte Preis steigt ebenfalls weiter an auf 364,26 USD je Tonnen einschließlich C&F.

Auch Saudi-Arabien hat vorige Woche auf dem internationalen Markt 1,27 Millionen Tonnen Weizen eingekauft. Der Preis wurde bei 377,54 USD je Tonnen inklusive C&F für die Lieferungen von Februar bis März vereinbart.

Auf dem europäischen Binnenmarkt werden Handel und Transport durch große logistische Probleme bei der Lkw-Fracht erheblich eingeschränkt, berichten immer mehr Händler und Analysten. Die sehr hohen Preise schrecken einen Teil der Müller und Futtermittelhersteller (noch) ab, berichtet ein Händler. Doch besser wird es wohl nicht werden und wer jetzt nicht kauft wird später wohl noch mehr bezahlen müssen.

Aus Frankreich war vorige Woche zu hören, dass die Aussaat von Wintergetreide unter relativ guten Bedingungen verläuft. FranceAgriMer meldete, dass bis zum 25. Oktober dass 61 Prozent  der Bestellarbeiten abgeschlossen waren, im Vergleich zu 63 % im Vorjahr.

Am Schwarzen Meer macht der anhaltende Mangel an Niederschlag Landwirten und internationalen Analysten jedoch immer mehr Sorgen. Betroffen sind sowohl Russland auch die Ukraine.  Beide Länder haben bisher deutlich weniger Flächen mit Winterweizen bestellt als geplant. Das heißt: die nächste Ernte schrumpft.

Getreidepreise vorige Woche auf neuen Höchstständen

Futtergerste.

Der Dezember-Weizen wurde am europäischen Terminmarkt am vorigen Freitag mit 288 Euro je Tonne gehandelt – das sind rund 3 Euro mehr als eine Woche zuvor jedoch etwas weniger als zum bisherigen Preisrekord von 293 Euro am vorigen Dienstag. Der nachfolgende März-Termin 2022 notierte bei 283 Euro – das ist ein Plus von 4 Euro. Für die Weizenernte 2022 werden am Terminmarkt derzeit Preise von 250 Euro notiert. Das ist ein Aufschlag von 4 Euro zur Vorwoche.

Am Großmarkt und Exporthafen Hamburg wurde der Brotweizen am Freitag mit 295 Euro je Tonne gehandelt – das waren 11 Euro mehr als in der Woche zuvor und 7 Euro mehr als am Terminmarkt. Für die Anlieferung zum Dezembertermin wurden in Hamburg 299 Euro je Tonne geboten.

Die Preise für Futtergerste lagen in Hamburg am Freitag bei 266 Euro je Tonne – und damit 11 Euro höher als in der Woche zuvor. Für Roggen boten die Händler in Hamburg 265 Euro je Tonne - ein Aufschlag von 11 Euro zur Vorwoche. Und auch die Haferpreise steigen und steigen: am Freitag auf 250 Euro je Tonne.

Am wichtigsten französischen Großmarkt und Exporthafen Rouen wurde Brotweizen am Freitag mit 282 Euro je Tonne notiert – ein Preisanstieg von 5 Euro zur Vorwoche, jedoch 3 Euro unter der Höchstmarke vom Vortag. Die fob-Preise für den Export in Drittländer lagen in Rouen bei 335 Euro je Tonne.

Futtergerste wurde in Rouen für 256 Euro je Tonne angeliefert – das sind 4 Euro mehr als in der Vorwoche und 3 Euro weniger als am Vortag.

Am heutigen Montag steigen die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt zunächst weiter zu. Grund ist der festere vorbörsliche Handel in den USA. Der vordere Dezember-Weizen wird am Terminmarkt in Paris gegen Mittag mit einem Aufschlag von knapp 0,50 Euro etwas über der Marke von 288 Euro je Tonne gehandelt.

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