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Getreidemarkt und USDA-Report

Getreidepreise: Neue Rallye oder Marktschock?

Getreide verladen
am Mittwoch, 08.01.2020 - 12:57 (Jetzt kommentieren)

Nach kurzer Schwäche steigen die Getreidepreise wieder. Der Grund: Ein bullisch erwarteter USDA-Report und der China-Deal.

CBOT weizen

Nach einem rasanten Preisanstieg gerieten die Getreidepreise kurz nach dem Jahreswechsel etwas unter Druck. Die Gründe sind vor allem geopolitisch. Hinzu kommt die neu aufkommende Verunsicherung über die rasche Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China. Der am Freitag anstehende USDA-Report dürfte nach Einschätzung der meisten Analysten jedoch eher bullische Akzente setzen und Markt stützen.

Das glaubt auch der US-Analyst Ray Grabanski. Er sagt: „Es wird schwer für diesen Bericht, nicht bullisch zu sein. Die Frage ist nur, wie bullisch?“ Die meisten Analysten sind jedenfalls der Ansicht, dass die US-Erträge für Mais und Sojabohnen in diesem Bericht gesenkt werden müssen und auch die Erntefläche müsste eigentlich nach unten. Das würde die Preise für Getreide und Ölsaaten in den USA und auch weltweit nach oben treiben.

Werden die Erwartungen des Marktes vom USDA jedoch nicht oder nur unzureichend erfüllt – und gibt es außerdem noch Probleme im Handel mit China - könnten die Getreidepreise aber genau so deutlich abstürzen. China will nämlich seine jährlichen Niedrigzoll-Importquoten für Mais, Weizen und Reis nicht erhöhen, so dass die Getreide-Einfuhren ins Reich der Mitte nicht zusätzlch erleichtert würden, befürchteten US-Analysten am Dienstag.

USDA-Bericht als Marktreiber gesehen

Getreidelager

In den letzten Tagen drückten die Spannungen im Nahen Osten auf die Getreidepreise. Negativ wirkt auch die Ankündigung Chinas, die jährlichen Importquoten für Mais, Weizen und Reis nicht erhöhen, da dies die angekündigten Einkäufe in den USA Höhe von 40 bis 50 Milliarden US-Dollar erschwert “, sagt Greg Lumsden von Cargill. (Das ist der Wert der gesamten US-Sojabohnenernte).

Der Analyst fügte hinzu: "In den nächsten Tagen wird der Markt auf zusätzliche Einzelheiten des USA-China-Deals warten. Wenn wir Einzelheiten zu den Quoten pro Ware sehen, könnte der Markt dies als positiv bewerten. Wenn es nur wenige Details gibt, werden wir auf den Getreidemärkten Enttäuschungen erleben“.

Weiter sagte der Analyst: „Der USDA-Bericht am Freitag ist historisch gesehen ein Markttreiber, aber die Fonds haben noch eine beträchtliche Anzahl an Short-Position. Wir konnten also einige Feuerwerke an Überraschungen sehen." Der Händler und Analyst Al Kluis bestätigt das. Er sagt "Der letzte Börsen-Bericht zeigt, dass die Fonds noch einen bedeutenden Anteil an Short-Positionen bei Mais halten".

Alle Augen auf den China-Deal

Getreidelager

Die Erwartung, dass China den Kauf von US-amerikanischen Agrarprodukten beschleunigen wird, hat die Märkte in Chicago – aber auch weltweit - gestützt. Beamte aus Peking werden voraussichtlich nächste Woche in die USA reisen, um ein Phase-1-Handelsabkommen zu unterzeichnen. "Das Phase-1-Handelsabkommen zwischen den USA und China dürfte die US-Verkäufe von Sojabohnen, Mais und möglicherweise auch Weizen nach China ankurbeln, aber wir haben noch keine Einzelheiten darüber, was unterzeichnet werden soll", sagte der Analyst Matt Ammermann von INTL FCStone.

"Wir haben noch nicht einmal die offizielle Bestätigung, dass die Unterzeichnung des Phase 1-Vertrags definitiv für nächste Woche geplant ist. Die Märkte sind nach einem so langen Handelsstreit skeptisch und warten, dass China tatsächlich US-amerikanische Sojabohnen und Getreide aus den USA verschifft, sagt der Analyst weiter,

Neue Berichte aus China wirkten sich zudem negativ auf die US-Märkte aus. China will seine jährlichen Niedrigzoll-Importquoten für Mais, Weizen und Reis nicht erhöhen, berichteten die Medien am Dienstag. Analysten glauben, die unveränderten Quoten könnten den verstärkten Einkauf von US-amerikanischen Agrarprodukten (aber auch europäischen) erschweren.

"Die Quoten sollen chinesische Landwirte vor ausländischer Konkurrenz schützen, wurden aber seit langem von den USA kritisiert", heißt es. Die Märkte beobachten auch die Spannungen im Nahen Osten. Der Irak ist ein großer Kunde für US-Weizen, und politische Spannungen sind ein zusätzliches Hindernis für Exporteure, warnen Analysten.

Kassapreise halten sich

MATIF Weizen

Am europäischen Terminmarkt hatten die Getreidepreise zum Beginn des neuen Jahres nachgegeben – zeigen sich aber am Mittwoch im laufenden Handel wieder fester.  Der vordere Weizenkontrakt notiert schon wieder bei 189,25 Euro je Tonne. Das dürfte auch die  Kassapreis stützten – obwohl Händler und Exporteure sicher abwarten werden, was der neue USDA-Report bringt – bevor es zu neuen Abschlüssen kommt.

Brotweizen wurde am Hamburger Großmarkt und Exporthafen am gestrigen Dienstag mit 190 Euro je Tonne notiert. Das waren die gleichen Preise wie zum Beginn der Woche. Auch an den wichtigsten ostdeutschen Handelsplätzen lagen die Brotweizenpreise unverändert bei 174 Euro je Tonne.

Die Preise für Futterweizen lagen in Südoldenburg zuletzt bei 189 Euro je Tonne. Für Futtergerste wurden in Hamburg am Dienstag unverändert 170 Euro geboten. An den ostdeutschen Großhandelsplätzen wurde Futtergerste ebenfalls zu stabilen Preisen von 154 Euro je Tonne gehandelt.

Importmais wurde am Hamburger Hafen (fot Brake) für 177 Euro je Tonne verladen. Für die Termine Februar bis April lagen die Preisforderungen bei 179 Euro je Tonne.  

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