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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Neue Rekordpreise möglich – Wetter als Treibstoff

Maiskörner werden verladen
am Dienstag, 24.11.2020 - 09:14 (Jetzt kommentieren)

Die Preisrallye bei Soja, Mais und Weizen in den USA treibt die Getreidepreise auch in Europa weit nach oben.

Steigende MATIF-Weizenpreise am europäischen Terminmarkt im November 2020

Hauptursache für die Rallye beim Getreidepreis ist die durch La Niña ausgelöste Dürre in Südamerika – in Verbindung mit einer trockenheitsbedingten relativ mickrigen Mais- und Sojaernte in den USA. Das insgesamt schwache Angebot trifft nun auf eine außergewöhnlich stark zunehmende globale Import-Nachfrage – insbesondere aus China – von Futtergetreide, Sojabohnen und auch Weizen.

Ohnehin profitiert der Weizen sehr stark von der extrem knappen Versorgung mit Futtergetreide – aber auch von den hohen Preisen und den sehr starken Exporten Russlands. Einige eher bärische Faktoren – wie die große australische Ernte – werden vom Markt bislang ignoriert – oder sie sind möglicherweise schon eingepreist.

„Die chinesischen Einkäufe sind sowohl bei Soja als auch bei Mais und Weizen weiterhin sehr stark. Und wir haben weiter Probleme mit dem sehr trockenen Wetter in Südamerika", begründet der australische Analyst Phin Ziebell die Rallye. „Wenn das schlechte südamerikanische Erntewetter anhält, muss möglicherweise die Frage der stärkeren "Rationierung" der Sojabohnenexporte (und Maisexporte) aufgeworfen werden“, diskutieren einige Analysten.

Entscheidend dabei ist: Der signifikante Rückgang der Maisproduktion auf der Nordhalbkugel zwingt den Markt, sich stark auf die Ernten der Südhalbkugel zu verlassen, um die globale Versorgung abzusichern. Ähnlich verhält es sich mit Sojabohnen. Das Wetter in den Hauptanbaugebieten Brasiliens und Argentiniens war jedoch seit Beginn der Pflanzung vor etwa einem Monat schlecht und hat sich seitdem kaum verbessert.

Der zweitstärkste La Niña, der jemals verzeichnet wurde, wirkt sich auf Südamerika aus und hat bisher den typischen Effekt heißer und trockener Bedingungen.

Wetter drückt die Ernten bei Mais und Soja – Risikofaktor Australien

Steigende Exportpreise für Mais in Europa und der Ukraine im November 2020

Die Chicago Sojabohnen-Futures-Forward-Kurve zeigt, dass die Preise für alle Kontrakte bis Mitte nächsten Jahres kräftig gestiegen sind. Der Markt erwartet also eine anhaltend knappe Versorgung. Der Anbaufortschritt von argentinischem Soja hat in der vergangenen Woche nach einigen Regenfällen zugenommen, teilte die Getreidebörse von Buenos Aires am Donnerstag mit, doch ein Großteil des Landes bleibt weiter trocken.

„Die südamerikanische Prognose sieht für den größten Teil Argentiniens deutlich trockener und wärmer aus. Das ist eine sehr besorgniserregende Wettervorhersage", sagte der US Analyst Brian Hoops. „Weizen folgt derzeit den steigenden Preisen von Sojabohnen und Mais mit wenig zusätzlichen Impulsen, abgesehen von der anhaltend starken Nachfrage der großen Importeure."

Händler berichten beispielsweise, dass Pakistan diese Woche seine jüngste Einkaufstour fortsetzte und am Montag in einer Ausschreibung rund 340.000 Tonnen Weizen kaufte. Allerdings stoßen die Weizenpreise nach oben zunehmend auf Widerstand.

Der Grund: Die riesengroß erwartete australische Weizenernte, die die Märkte auf der Südhalbkugel ab dem Jahreswechsel fluten könnte. Analysten gehen derzeit davon aus, dass es (mindestens) die drittgrößte australische Weizenernte überhaupt wird, die auf die wichtigsten südostasiatischen Märkte drängen wird (auch nach China) und die Weizenpreise in Schach halten könnte.

Russland weiter mit hohen Weizenpreisen – Frankreich noch teurer

Anstieg der Exportpreise für Weizen mit Anstieg im November 2020

Weizen findet außerdem auch Unterstützung durch rekordhohe russische Inlandspreise und hohe Exportpreise. Auch am russischen Binnenmarkt sind die Preise für Mehl, Brotgetreide und Futtergetreide auf Rekordniveau. Das Landwirtschaftsministerium kündigte vorige Woche an, dass die Beschränkung des Getreideexports erst ab Mitte Februar gelten würden.

Russische Tierhalter und Mühlen protestieren jedoch gegen die Verzögerung bei der Begrenzung der Exporte und weisen auf die Rekordpreise im Inland hin. Das russische Landwirtschaftsministerium kündigte diese Woche an, dass die Regierung inländische Mahlbetriebe für Weizen und Roggen subventionieren wolle, sagte jedoch nichts über hohe Getreidepreise für Futtermittel. Dies würde darauf hindeuten, dass man die Weizenexporte nicht abbremsen möchte.

Die Europäische Kommission meldet, dass russischer Weizen mit einem Proteingehalt von 12,5 Prozent am Schwarzmeerhafen Novorossiisk Ende letzter Woche mit 254 USD pro Tonne frei an Bord (FOB) verladen wurde, was einem leichten Rückgang von 2 USD gegenüber den rekordhohen Preisen der Vorwoche entspricht.

Gleichzeitig wurde französischer Weizen am wichtigsten Exporthafen Rouen für 259 USD verladen – und damit 4 USD teurer als in Vorwoche und zudem teurer als die russische Ware. Die russischen Gerstenpreise lagen stabil bei 212 USD pro Tonne.

Französische Gerste kostete am Hafen Rouen 245 USD je Tonne und 5 USD mehr als in der vorigen Woche. Für Körnermais wurden am französischen Exporthafen Rouen 239 USD je Tonne verlangt und an den Schwarzmeerhäfen der Ukraine 237 USD je Tonne und damit fast ebenso viel.

Deutsche Kassapreise folgen Vorgaben des Terminmarktes

Verlauf der Maispreise am europäischen Terminmarkt mit Anstieg im Herbst 2020

Am europäischen Terminmarkt hatten die Weizenpreise Montag gestiegen und notierten bei 212 Euro je Tonne. Das ist im Vergleich zur Vorwoche ein Plus von 3 Euro.

Am Hamburger Exporthafen sind die Weizenpreise für die Anlieferung im November weiter gestiegen und notierten am Montag bei 213 Euro je Tonne. Gegenüber der Vorwoche ist das ein Plus von 3 Euro. Für Futtergerste lagen die Preisangebote am Hamburger Hafen am Montag bei 184 Euro je Tonne und damit rund 1 Euro höher als vor einer Woche.

Für Brotroggen wurden in Hamburg am Montag 170 Euro geboten und damit ein Plus von 1 Euro zur Vorwoche. Die Maipreise sind am europäischen Terminmarkt wieder auf 196 Euro gestiegen. Ein Plus von rund 6 Euro zur Vorwoche. In Südoldenburg wurden für den dort angelieferten Mais 218 Euro geboten – nochmals 4 Euro mehr als in der Vorwoche.

Nach den Daten der EU-Kommission haben die Europäer bis zum 22. November etwa 9,5 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verschifft – das sind 21 Prozent weniger als im vorigen Jahr. Bei Gerste wird eine Ausfuhrmenge von 3,0 Millionen Tonnen gemeldet. Ein Minus von 11 Prozent zum Vorjahr. Frankreich hat bisher 2,4 Millionen Tonnen Weizen und 1,4 Millionen Tonnen Gerste exportiert.

Deutschland kommt auf 795.000 Tonne Weizen und 381.000 Tonnen Gerste und am rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta wurden 1,1 Millionen Tonnen Weizen und 670.000 Tonnen Gerste verladen. Lettland, Litauen und auch Polen haben bislang mehr Weizen in Drittländer verkauft als Deutschland. Bei Gerste rangieren die Deutschen hinter Frankreich und Rumänien auf Position drei.

Die Hauptabnehmer von europäischen Weizen sind bisher Algerien, China, Saudi-Arabien, Nigeria, und Marokko. Die wichtigsten Zielländer für Gerste sind Saudi-Arabien und China und – mit großem Abstand vor Algerien, Marokko und Tunesien.

Auf der Marktseite von agrarheute erhalten Sie einen Überblick über die aktuellen Weizenpreise am Terminmarkt.

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