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Aussaat und Ernte 2019

Getreidepreise: Neues Futter für die Rallye

Getreidespeicher überflutet
am
04.06.2019
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Die Dynamik an den Getreidemärkten ist hoch. Die Getreidepreise durchbrechen immer neue Widerstände. Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion und diskutieren Sie mit.

Grund ist die Situation in den USA. Dort bleiben nach den sintflutartigen Regenfällen der letzten Wochen große Flächen an Mais, Sojabohne und Sommerweizen unbestellt. Außerdem schrumpft das Ertragspotential wegen einer sehr späten Aussaat deutlich. Die Qualität des gepflanzten und aufgelaufenen Getreides wird ebenfalls immer schlechter. Krankheiten breiten sich aus. Pflanzenschutz und auch Düngung sind ebenfalls kaum möglich. Der aktuelle Crop-Progress- Report des USDA vom Sonntag, zeigt für Mais und Sojabohnen den historisch schlechtesten Aussaatfortschritt seit Beginn der Messungen in den 80er Jahren.

Darauf reagierte die Börse in Chicago gestern erneut mit steigenden Preisen für Weizen, Mais und Sojabohnen. Im laufenden vorbörslichen Handel am Dienstag steigen die Kurse für Mais und Soja in den USA weiter. Der Chicago-Weizen gibt wegen der etwas verbesserten Wachstumskonditionen für Winterweizen im vorbörslichen Handel am Dienstag etwas nach, nachdem es am Montag jedoch sehr kräftig nach oben ging.

Gleichzeitig ist die Unsicherheit unter Landwirten, Händlern und Analysten hoch. Man fragt sich wie nachhaltig die Rallye wirklich ist. Genaue Daten zur den wirklichen Aussaatflächen wird es nämlich erst in einigen Wochen geben. Zudem könnten die hohen Preise etliche Farmer doch noch animieren – trotz der extrem schlechten Bedingungen - noch Mais oder Sojabohnen zu pflanzen.

Einen ersten sehr vorläufigen Eindruck von den erwarteten Ernte-Verlusten wird der USDA-Report am kommenden Dienstag geben. Auf diese Daten könnten die Märkte und Preise durchaus heftig (entäuscht) regieren. In Europa sind die Ernteaussichten zudem gut und auch in Russland sind die Prognosen im Moment – trotz Trockenheit im Wolgagebiet- relativ hoch.

Die Höhe der Verluste ist noch sehr unsicher

Mais überflutet

In den USA diskutierten Händler und Analysten monatelang darüber, welche Flächen Mais, Soja und Weizen die US-Farmer in diesem Jahr bestellen würden. Diese Diskussion dreht sich nun komplett um. Nur geht es darum, wie viele Hektar Mais- und Sojafläche nicht bepflanzt wurden, weil sintflutartiger Regen den Mittleren Westen überschwemmte.

Eine Bloomberg-Umfrage unter Händlern und Analysten ergab, dass die Farmer Versicherungsansprüche für etwa 6 Millionen Acres (2,4 Mio. ha) nicht gepflanzten Mais einreichen könnten. Das würde den bisherigen Rekord von 2013 fast um das Doppelte übertreffen. Nach den Erkenntnissen von Gro Intelligence, einem in New York ansässigen Analysten-Unternehmen, das auch Satelliten einsetzt, haben sich die Feldbedingungen in den letzten Wochen dramatisch verschlechtert. Die Gebiete mit dem größten Flächenverlustrisiko befanden sich danach in Zentral-Illinois, Indiana und Ohio sowie in South Dakota, Minnesota, Iowa und Nebraska.

Durch die Ernteversicherungen können die Farmer jedoch bis zur Hälfte des Wertes ihrer geschätzten Ernteverluste ausgleichen. In der Bloomberg-Umfrage warnten Analysten jedoch, dass die aktuellen Prognosen zu hoch sein könnten. Steigende Maispreise und die das staatliche Hilfsprogramm könnten die Landwirte dazu veranlassen, Mais auch ohne Versicherung anzupflanzen.  

Karl Setzer, Marktanalyst bei Agrivisor in Illinois schätzte, dass trotz des sehr späten Termins doch noch 4 bis 5 Millionen Acres Mais (1,6 bis 2,02 Mio. ha) gepflanzt werden könnten. "Die jüngste Rallye der Futures wird auch dazu anregen, über die normalen Termine hinaus zu pflanzen", sagte er dazu.

Maisaussaat: Rückstand so groß wie noch nie

Feld überschwemmt

Bis zum vorigen Sonntag waren erst 67 Prozent der US-amerikanischen Maisflächen bestellt. Das sind 29-Prozentpunkte (!!) weniger als im Fünfjahresdurchschnitt mit 96 Prozent, teilte das US-Landwirtschaftsministerium in seinem Crop-Progress-Report mit. Außerdem ist der historisch schlechteste Aussaatfortschritt überhaupt. 

Das Zeitfenster für die Maisaussaat ist eigentlich schon geschlossen. Im vergangenen Jahr war trotz eines ebenfalls sehr späten Frühjahrs zu diesem Termin 96 Prozent des Mais gepflanzt. Aufgelaufen war das Mais auf 46 Prozent der bestellten Fläche, im Vergleich zu 84 Prozent im langjährigen Mittel.

Bei Sojabohnen hatten die US-Farmer bis Ende der vorigen Woche 39 Prozent der geplanten Flächen bestellt. Das entspricht etwa der Hälfte des für diese Jahreszeit üblichen Aussaatfortschritts von 79 Prozent, meldet das USDA.

Im vorigen Jahr, mit einem ebenfalls sehr späten Frühjahr, waren zu diesem Zeitpunkt bereits 86 Prozent der Sojabohnen im Boden. Aufgelaufen waren die Sojabohnen auf 19 Prozent der bestellten Fläche, im Vergleich zu 56 Prozent im langjährigen Mittel.

Zustand beim Winterweizen etwas verbessert

Feld überschwemmt

Für die Entwicklung des US-Winterweizens waren das zuletzt etwas trockenere Wetter in einigen Bundestaaten günstig, wie der aktuelle Bericht des USDA zeigt. Am vorigen Sonntag  befanden immerhin 64 Prozent der gesamten Weizenbestände in gutem oder ausgezeichnetem Zustand, verglichen mit 61 Prozent in der Vorwoche. Im vorigen Jahr stufte das USDA zum gleichen Termin allerdings nur 37 Prozent der Weizenpflanzen in die beiden besten Kategorien ein und damit weitaus weniger. 

Beim Sommerweizen meldet das USDA bis Ende voriger Woche einen Aussaatfortschritt von 93 Prozent, im Vergleich zu 96 Prozent im langjährigen Mittel. Damit hat sich der Rückstand zuletzt weiter verringert. Die Entwicklung des aufgelaufenen Sommerweizens ist allerdings deutlich zurück.

Nur auf 69 Prozent der bestellten Fläche ist der Sommerweizen aufgelaufen, im Vergleich zu 84 Prozent im langjährigen Mittel. Der Wachstumszustand der aufgelaufenen Pflanzen ist jedoch gut. Am vorigen Sonntag  befanden immerhin 83 Prozent der Sommer-Weizenbestände in gutem oder ausgezeichnetem Zustand, verglichen mit 70 Prozent im vorigen Jahr.

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