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Getreidemarkt und Getreidepreise 2021

Getreidepreise: Nichts scheint unmöglich – jeden Tag ein neuer Rekord?

winterweizen.
am Dienstag, 27.04.2021 - 11:12 (Jetzt kommentieren)

Fast jeden Tag ein neuer Preisrekord. Die Getreidepreise steigen höher und höher. Dabei hat sich an den fundamentalen Daten nur wenig verändert.

Aktuelle Weizenpreise Anfang April 2021 am europäischen Terminmarkt

Doch die Marktstimmung am Getreidemarkt ist geradezu euphorisch – sowohl bei Landwirten als auch bei Händlern und Analysten.

  • Doch was sind die Treiber dieser nicht enden wollenden Rallye?
  • Und wie könnte es die nächsten Wochen weitergehen?

Mittlerweile sind jedenfalls auch die Preise für die neue Ernte weit nach oben geschossen – ein untrügliches Zeichen für eine erwartete lang anhaltende Knappheit.

Aber zurück zu den aktuellen Preistreibern: Natürlich wissen auch die Analysten niemals ganz genau, was wirklich die Ursachen für eine solch außergewöhnliche Rallye sind und vor allem wann die Preise und die Stimmung kippen können. Einer der Haupttreiber der Preise dürfte jedenfalls die Überzeugung der Markteuere sein, dass der globale Markt im Verhältnis zur vorhandenen Nachfrage extrem knapp versorgt ist – und wohl auch bleibt.

Das zeigen zumindest auch die hohen Preise bei Getreide, die meisten Importeure – allen voran China – bereit sind zu zahlen. Dazu kommen eine ganze Reihe anderer Aspekte, wie etwa das Wetter in Nordamerika – Dort geht die Aussaat von Mais nur langsam voran und die jungen Pflanzen sind sehr niedrigen Temperaturen ausgesetzt.

Gleichzeitig ist es in den südlichen US-Anbaugebieten von Winterweizen sehr kalt und es werden Auswinterungsschäden befürchtet. Im Norden der USA und in Kanada ist es in den wichtigen Sommerweizenregionen hingegen deutlich zu trocken und das relativ flott ausgesäten Getreide läuft wegen Feuchtigkeitsmangel und Kälte einfach nicht oder nur schlecht auf.

Hinzu kommen als enorm wichtige Einflussgrößen die Entwicklung der zweiten Maisernte (Safrina) in Brasilien und die befürchtete Verschärfung der globalen Versorgungsprobleme. Top-Treiber bleibt dabei natürlich das Einkaufsverhalten Chinas – So hat Peking nach Schätzungen von Analysten bereits eine halbe Millionen Tonnen Weizen der nächsten Ernte in Frankreich gekauft und damit ebenfalls für Euphorie gesorgt.

USA: Kein Ende der Rallye in Sicht - 8-Jahreshochs bei Getreidepreisen

weizenpreise.

Die Getreidepreise regieren jedenfalls ausgesprochen bullisch auf die aktuelle Marktlage und sind am Montag sehr kräftig gestiegen. Für alle Getreidearten und auch für Sojabohnen ging es in die Nähe der letzten 8-Jahreshochs nach oben. Der Chicago-Mais sprang am Montag erneut um sein Tages-Limit nach oben und führte die Rallye an.

Doch damit ist die wilde Preisjagd offenbar noch lange nicht vorbei: Im vorbörslichen Handel notiert der US-Weizen am heutigen Dienstag, dem 27. April 2021, nur noch knapp unterhalb der magischen 700-Cent je Buschel-Grenze. Die neue US-Ernte wird allerdings noch deutlich günstiger mit 573 Cent je Buschel gehandelt. Für den Chicago-Weizen stiegen die Preise im vorbörslichen Handel bis auf 745 Cent je Buschel und die neue US-Ernte kostet genauso viel.

Ebenfalls steil nach oben gehen auch die Sojapreise: Sie erreichen am Dienstag im vorbörslichen Handel die Marke von 1.575 Euro und sind damit nicht mehr allzu weit von der magischen 1600-Cent-Grenze entfernt.

Händler aus Chicago berichteten am Montag zudem, dass die Sorgen hinsichtlich der Schäden am US-Winterweizen durch das sehr kalte Wetter zunehmen. Es wird angenommen, dass der Frost in den südlichen Weizenanbaugebieten bereits Frostschäden an der Winterweizenernte verursacht hat. Der Umfang der Schäden ist jedoch noch nicht klar. Die Kälte im Mittleren Westen wirkt sich zudem auch auf das Wachstum des dortigen Winterweizens aus.

Beim Mais wachsen die Sorgen wegen der langsamen Pflanzfortschritte im Mittleren Westen in Verbindung mit den sehr trockenen Bedingungen für Brasiliens zweiten Mais-Ernte (Safrina). Die kalten Temperaturen im Mittleren Westen verlangsamen die Keimung von Mais und bremsen die weitere Aussaat, da die Böden in vielen Regionen für die Aussaat zu kalt bleiben.

Bis zum vorigen Sonntag hatten die US-Farmer 17 Prozent der geplanten Maisfläche bepflanzt, was unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 20 Prozent liegt. Die Sojabohnenfläche war zu 8 Prozent bepflanzt, im Vergleich 5 Prozent im langjährigen Mittel.

In seinem Bericht meldete das USDA außerdem, dass die US-Sommerweizenernte zu 28 Prozent ausgesät ist – im Vergleich zu einem Fünfjahresmittel von 19 Prozent. Aufgelaufen sind die Pflanzen jedoch oft noch nicht. Der Zustand der US-Winterweizenernte wurde mit 49 Prozent als gut oder sehr gut bewertet – im Vergleich zu 53 Prozent in der Woche zuvor.

Im Marktbereich von agrarheute können Sie die aktuellen Weizenpreise einsehen.

Europa: Weizen bei 245 Euro – und die Rallye geht weiter

Die aktuellen Rapspreise am europäischen Terminmarkt von 2018 bis 2021

In Europa peilen die Getreidepreise ebenfalls neue Rekordmarken an – lediglich der Raps ist am Montag etwas von seinem letzten Allzeithoch zurückgekommen. Der Matif-Weizen beendet den Handel am Montag bei knapp 245 Euro je Tonne – und damit 10,50 Euro höher als am Freitag! Die neuen Ernte wurde ebenfalls auf einem neuen Höchststand mit gut 226 Euro je Tonne gehandelt.

Am Hamburger Großmarkt und Exporthafen notierte man den Brotweizen am Montag bei 249 Euro je Tonne – das sind 30 Euro mehr als zum Beginn des Monats. Futtergerste wurde in Hamburg mit 218 Euro je Tonne gehandelt – das waren immerhin 24 Euro mehr als Anfang April.

Auch die Maispreise am europäischen Terminmarkt sind mit nach oben schießenden Maispreisen in den USA steil nach oben gegangen. Die alte Ernte (Juni) wurde in Paris mit 233,50 Euro gehandelt und die neue Ernte ging mit 209 Euro aus dem Handel. Am deutschen Kassamarkt – in Südoldenburg – waren für den dort gehandelten Mais deutlich mehr als 250 Euro je Tonne fällig.

Etwas nach unten gerutscht ist am Montag der Raps – doch das dürfte sich am heutigen Dienstag angesichts der weiter steigenden Kurse für Sojabahnen und Pflanzenöle und auch für kanadischen Conala schnell wieder ändern. Am Montag notierte der Raps jedenfalls unter seinem letzten Allzeithoch bei 586 Euro je Tonne und die neue Ernte wurde mit 500,5 Euro je Tonne notiert. Canola klettert im laufenden Handels am Dienstag indessen um weitere 5 CAD auf 900 CAD je Tonne (603 Euro je Tonne)!

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