Zum Adventsgewinnspiel

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Nichts scheint unmöglich – Weizen 245, Raps 485 Euro

Getreidekörner
am Donnerstag, 25.02.2021 - 13:02 (Jetzt kommentieren)

Da reibt sich mancher Landwirt verwundert die Augen: Die Getreidepreise durchbrechen immer neue Höchstmarken.

Weizenpreis an der Matif

Und jedes Mal, wenn Analysten eine Korrektur nach unten erwarten, steigen die Preise aufs Neue. Manch einem Beobachter fehlen mittlerweile die Erklärungen für diese längste Kursrallye aller Zeiten.

Vielleicht auch deshalb, weil es ein ganzer Komplex von Ursachen und Wirkungen ist, der die Notierungen immer weiter nach oben treibt: Chinas Getreidehunger, Russlands Zölle, Südamerikas La Nina, massive Ernteausfälle in den USA, unterbrochene Lieferketten, Hamsterkäufe und neue Vorratshaltung aufgrund galoppierender Lebensmittelinflation in vielen Ländern sowie noch einiges mehr.

Möglicherweise steht uns sogar ein neuer Superzyklus der Agrarpreise bevor – wie die Rohstoffanalysten der Großbank Goldman Sachs und auch andere Analysten prognostizieren. Den Bauern kann es recht sein.

Am Mittwoch stiegen die Getreidepreise am Terminmarkt in Paris jedenfalls auf schon lange nicht mehr erreichte Höchstmarken. Der europäische Weizen wurde zum ersten Mal seit Mai 2013 wieder mit 245 Euro je Tonne gehandelt, die neue Ernte stieg bis auf 203 Euro je Tonne.

Die Rapspreise machten einen noch größeren Sprung auf 485 Euro Tonne und damit auf ein Niveau, das es zuletzt im Oktober 2012 gegeben hat. In Kanada haben die Rapsreise diese Woche sogar ein neues Allzeithoch erreicht – weil 6 Monate vor der neuen Ernte fast keine Ware mehr am Markt ist.

Die europäischen Maispreise kletterten auf 230 Euro je Tonne und damit auf einen Stand wie zuletzt im Februar 2013. Ähnlich war die Entwicklung in den USA – wo die Sojapreise die Rallye anführten und zweistellig bis auf 1440 Cent je Buschel nach oben schossen – den höchsten Preis seit Mai 2014. Ähnlich steil sind in Chicago die Weizen- und Maispreise geklettert.

Auswinterung und Kälteschäden in den USA

Weizenpreis in Chicago

Die Weizenpreise haben zuletzt massive Unterstützung durch die Kältewelle in den USA bekommen. Analysten befürchten beträchtliche Auswinterungsschäden – und auch das aktuelle Crop-Monitoring des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zeigt einen deutlichen Rückgang der in gutem Zustand befindlichen Bestände.

Die Zustandsbewertungen für Winterweizen gingen im Februar in Kansas, dem Top-Anbaustaat, aber auch in anderen von der arktischen Kältewelle betroffen Weizen-Staaten zurück, meldete das USDA am Montag. Die Vereinigten Staaten sind nach Russland und neben der EU der zweitgrößte Weizenexporteur der Welt.

Das USDA hatte im November sein letztes nationalen Winterweizen-Rating für 2020 veröffentlicht. Damals waren 46 Prozent der Kulturen in gutem bis sehr gutem Zustand. Über den Winter veröffentlicht das USDA nur monatliche Berichte für ausgewählte Staaten. Monatliche Erntefortschrittsberichte gibt es erst wieder ab April.

Das USDA bewertet aktuell 40 % der Winterweizenernte im mit Abstand größten Anbaustaat Kansas in gutem bis sehr gutem Zustand, nach 43 Prozent im Vormonat. Vor einem Jahr wurden allerdings nur 35 Prozent der Ernte in Kansas als gut bis sehr gut bewertet.

Die Winterweizenbewertungen im wichtigen Anbaustaat Oklahoma gingen ebenfalls zurück, verbesserten sich jedoch in South Dakota, Colorado und Montana. Landwirte in Kansas, Oklahoma und Texas bauen hauptsächlich Winterweizen der Sorte Hard Red Winter an, den wichtigsten US-amerikanischen Weizen – auch für den Export.

In Texas und anderen Bundestaaten brachten Winterstürme in der vorigen Woche für den Weizen extreme Kälte, aber die Erzeuger bewerteten noch ihre Schäden, heißt es im Bericht des USDA.

Rallye bei Rohöl treibt auch die Preise bei Ölsaaten

Sojakurse in Chicago

Die Rallye auf den Ölsaatenmärkten heizt die Nachfrage sogar weiter an, berichten Analysten, denn jeder will sich noch Ware sichern, bevor die Preise weiter steigen. Das gilt offenbar für Sojabohnen ebenso wie für Raps.

Die Maispreise stiegen ebenfalls weiter, da Regenfälle die brasilianische Sojabohnenernte verzögern und damit auch die Anpflanzung der wichtigsten zweiten Maisernte des Landes (Wintermais/Safrina) hinausschieben. „Offenbar gibt es mittlerweile einige Versorgungsengpässe“, sagte ein Analyst am Mittwoch.  

Der Markt schaut zudem auch auf andere Rohstoffe wie Rohöl. Wenn die Ölpreise weiter steigen, unterstützt dies den Getreide- und Ölsaatenkomplex. Die Sojabohnenpreise kletterten auf den höchsten Stand seit 6,5 Jahren. Die kanadischen Raps-Futures hatten am Montag ein neues Rekordhoch erreicht, während der Matif-Raps den höchsten Stand seit fast acht Jahren erreichte.

Steigende Rohölpreise, die auch die Margen für mit Pflanzenöl hergestellte Biokraftstoffe deutlich verbessern und die Versorgung verknappen, haben den Anstieg bei Ölsaaten und Ölen von Sojabohnen bis Palmöl massiv unterstützt, sagen Analysten. Händler berichten außerdem über mögliche Kälteschäden in Teilen Russlands.

Ukraine importiert Soja – Brasilien auch bei Mais mit Problemen

Maispreise an der Matif

Die Ukraine  - eigentlich selbst Sojaexporteur - importiert zum ersten Mal in diesem Jahr Soja. Brasilien wird der Ukraine 51.600 Tonnen Soja brasilianischen Ursprungs liefern. Dies berichten Händler. Die Sojabohnenernte 2020 in der Ukraine ging um rund 25 Prozent auf 3,4 Millionen Tonnen zurück, und das Beratungsunternehmen APK-Inform gab bekannt, dass die Exporte von 2,63 Millionen im Jahr 2019/20 auf 2 Millionen Tonnen in der Saison 2020/21 sinken dürften.

Derzeit behindern allerdings schwere Regenfälle die Ernte im Sojabohnengürtel Brasiliens. Sie erschweren zudem die Aussaat für die enorm wichtige (zweite) Maisernte. Nach Analystenmeinung könnte Brasilien in dieser Saison eine Rekordernte von 108,2 Millionen Tonnen Mais produzieren, da die Landwirte die Anpflanzungen wegen der hohen Getreidepreise massiv ausweiten. Die Maisfläche könnte laut einer Umfrage um rund 1 Million Hektar auf 19,4 Millionen Hektar wachsen.

Allerdings dürfte ein großer Teil der zweiten Maisernte Brasiliens nun außerhalb des idealen Zeitfensters gesät werden. Das könnte die Gesamtproduktion drücken. Die zweite Maisernte wird in diesem Jahr immerhin 80 Prozent der gesamten brasilianischen Maisproduktion ausmachen. Dies würde die Produktion stark ankurbeln und Brasilien auf den Exportmärkten gegenüber den USA wettbewerbsfähiger machen.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...