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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise ohne Kompass: Emotionen siegen über Fakten

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am Montag, 29.08.2022 - 11:04 (4 Kommentare)

Die Getreidepreise schwanken weiter stark. Noch hat der Markt keinen festen Boden gefunden. Beeinflusst werden die Kurse auf der einen Seite durch die Exporte der Ukraine. Auf der anderen Seite stehen witterungsbedingte Ernteausfälle und eine hohe Nachfrage der großen Importeure. Dazwischen geht es ständig hin und her.

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In der vorigen Woche sind die Weizenpreise zunächst um 20 Euro gestiegen – um dann wieder nachzugeben. Am Freitag beendete der vordere Weizenkontrakt (September) den Handel am Terminmarkt bei 330 Euro je Tonne und damit 15 Euro höher als eine Woche zuvor. Der nachfolgende Dezembertermin beendete den Handel – mit 319 Euro je Tonne.

Auch die Maispreise schwankten am Terminmarkt vorige Woche heftig – obwohl die Dürre in Europa zu großen Produktionsausfällen führt – und damit zu einem hohen Importbedarf der Europäer. Die Europäische Kommission hat die europäische Maisernte am Freitag nochmals drastisch um 6,5 Millionen Tonnen auf jetzt nur noch 59,3 Millionen Tonnen nach unten korrigiert und gleichzeitig den Importbedarf auf 20 Millionen Tonnen nach oben geschraubt.

Am europäischen Terminmarkt notieren die Mais-Preise für die neue Ernte (November) am Freitag trotzdem nur noch bei 316 Euro je Tonne. Eine Woche zuvor lagen die Kurse allerdings gerade einmal bei 310 Euro je Tonne.

Am Großmarkt und Exporthafen Hamburg notierte der Weizen am Freitag immerhin bei 330 Euro je Tonne – 16 Euro je Tonne höher als eine Woche zuvor. Für spätere Termine wurden sogar 335 Euro je Tonne geboten.

Für Gerste erhielten die Lieferanten am Hamburger Großmarkt am Freitag 297 Euro je Tonne - 9 Euro je Tonne mehr als eine Woche zuvor. Die Preise für Brotroggen lagen am Freitag bei 305 Euro je Tonne und damit ebenfalls 10 Euro höher als vor Wochenfrist.

Ukraine: 3,4 Millionen Tonnen Getreide auf 34 Schiffen

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Nach Angaben des staatlichen Zolldienstes der Ukraine hat das Land seit Beginn des Wirtschaftsjahres 2022/23 (1. Juli) bis zum 26. August rund 3,4 Mio. Tonnen Getreide und Hülsenfrüchte exportiert, davon 1,70 Mio. Tonnen bisher im August. Das hat das Landwirtschaftsministerium am Samstag mitgeteilt. Zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr belief sich der Export auf 7,0 Mio. Tonnen, davon 3,97 Mio. Tonnen im August.

Die ingesamt exportierte Menge umfasste 937.000 Tonnen Weizen (Vj: 3,4 Mio. Tonnen), 274.000 Tonnen Gerste (Vj.: 2,4 Mio. Tonnen), 2,2 Mio. Tonnen Mais (Vj: 1,2 Mio. Tonnen). Den verfügbaren Daten zufolge verließen vom 1. bis zum 23. August 34 Schiffe die drei ukrainische Häfen Odessa, Pivdennyi und Chornomorsk. Über die Häfen wurden auch Sojabohnen, Sonnenblumenkerne und Öl sowie Mischfutter für den Export verschifft. Die Türkei und Südkorea waren die Hauptziele für den ukrainischen Export. Insgesamt wurden Lieferungen in 12 Länder durchgeführt.

Vom 1. bis 23. August transportierte außerdem das staatliche Eisenbahnunternehmen Ukrzaliznytsia 1,016 Millionen Tonnen Getreide für den Export, gegenüber 917.000 Tonnen im gesamten Juli, berichtet die ukrainische Analystenfirma AKP-Inform. Nach Angaben von Ukrzaliznytsia wurden 549.000 Tonnen Getreide über europäische Grenzübergänge transportiert, weitere 467.000 Tonnen wurden zu Häfen.

Die russische Getreideernte könnte im Jahr 2022 rund 145 Millionen Tonnen erreichen, was einen Export von 55 bis 56 Millionen Tonnen ermöglichen wird, sagte der Chef der Organisation der russischen Getreidehändler ProZerno Vladimir Petrichenko am 26. August. „Der Weizenexport kann 44 Millionen Tonnen erreichen“.

Deutschland exportiert Gerste – aber kaum Weizen

Die Europäische Kommission hat seine europäische Weizen-Exportprognose für die laufende Saison in seiner aktuellen Marktprognosen am vorigen Freitag bei insgesamt 36 Millionen Tonnen belassen. Bei Gerste geht man von Exporten von etwa 9,9 Millionen Tonnen aus. Gleichzeitig wurden die erwarteten Maisimporte von 16,5 Millionen auf 20 Millionen Tonnen erhöht.

Zwischen dem 1. Juli und dem 21. August haben die europäischen Länder rund 3,88 Millionen Tonnen Weizen exportiert. Das sind 287.000 Tonnen weniger als im vorigen Jahr, als zu diesem Termin bereits 4,2 Millionen Tonne Weizen in Drittländer verkauft waren. Größter Einzelexporteur ist weiterhin Frankreich mit Weizenausfuhren von mehr als 1,61 Millionen Tonnen. An zweiter Stelle rangiert der Schwarzmeer-Anrainer Rumänien – mit Ausfuhren von 859.000 Tonne Weizen.

Polnische Exporteure haben immerhin schon 542.000 Tonnen Weizen in Drittländer verkauft und aus Bulgarien flossen 478.000 Tonnen Weizen auf den Weltmarkt. An den deutschen Exporthäfen wurden bislang erst 109.000 Tonnen Weizen verladen.Hauptabnehmer von europäischem Weizen waren bis dahin Marokko und Algerien - sowie mit deutlichem Abstand gefolgt von Ägypten, Pakistan und Nigeria.

Was den europäischen Export von Futtergerste betrifft, so wurden bis zum 21. August erst 1,39 Millionen Tonnen in Drittländer verschifft – im Vergleich zu 2,45 Millionen Tonne im vorigen Jahr. Das ist ein Rückgang der Ausfuhren von mehr als 43 %.

Deutschland kommt bei Gerste auf Ausfuhren von 462.000 Tonnen – gefolgt von Frankreich mit 437.000 Tonnen und Rumänien mit ebenfalls 437.000 Tonnen. Hauptabnehmer waren bisher Saudi-Arabien, China, der Iran und Jordanien.

Die europäischen Maisimporte betragen bislang 3,2 Millionen Tonnen – und gingen hauptsächlich nach Spanien, Portugal und Italien. Hauptlieferanten waren bislang Brasilien und die Ukraine.

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