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USDA-Report Januar 2023

Getreidepreise: Preisrallye in den USA – Miese Stimmung in Europa

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am Donnerstag, 12.01.2023 - 20:35 (Jetzt kommentieren)

Das USDA sorgte mit seinem Januarreport für eine Preisrallye Weizen, Mais und vor allem Soja in den USA. In Europa reagierten die Getreidepreise hingegen sehr verhalten und rutschten bei Weizen sogar ins Minus. Das kann sich aber wie so oft im Laufe des Handels oder morgen noch ändern- denn die Daten des USDA sind komplex und bieten viele Interpretationen.

Weizenpreise in Europa.

Am Donnerstagabend (19:30 Uhr MEZ) notierte der vordere Weizenkontrakt (März 2023) in Chicago mit einem Plus von 7 Cent bei 747 Cent je Bushel. Der im Norden der USA und in Kanada angebaute proteinreiche Sommerweizen steigt um 16 Cent – auf 915 Cent je Bushel. Die US-Mais-Preise steigen ebenfalls kräftig. Der vordere US-Mais (März) notierte an der CBOT bei 672 Cent je Bushel – 16 Cent im Plus.

Die Sojabohnen-Preise des Chicago Board of Trade steigen nach der Veröffentlichung des Berichts steil an. Sojabohnen klettern um 31 Cent auf 1524 Cent je Bushel nach oben. Die vorderen Canolapreise in Kanada legten um 12 CAD zu - auf 844 CAD je Tonne.

Die Vorgaben aus Übersee hatten auf die europäischen Getreidepreise überraschend andere Auswirkungen. An der MATIF in Paris gab der vordere Weizenkontrakt (März) um 2 Euro - auf 291 Euro je Tonne nach und die neue Ernte (September) wurde mit 276 Euro gehandelt. Beim vorderen Maiskontrakt (März 2023) blieben die Preise (anders als in den USA) unverändert - bei 284 Euro je Tonne. Die Rapspreise stiegen hingegen. Der Frontmonat Februar legte um 4,75 Euro auf 569 Euro je Tonne zu.

(Noch) keine Änderungen für Russland und Australien - Ukraine exportiert mehr

weizenproduktion.

Das US-Landwirtschaftsministerium meldet in seinem Januarreport eine moderate Zunahme der globalen Weizenproduktion, größere Exporte, mehr Verbrauch und einen Zuwachs der Lagerbestände. Allerdings lässt das USDA die Ernten in Russland und Australien unverändert, obwohl aus beiden Ländern deutlich höhere Prognosen bekannt sind. Den Weltverbrauch für 2022/23 korrigiert das USDA ganz leicht um 0,2 Millionen Tonnen auf 789,7 Millionen Tonnen nach oben.

Außerdem soll der Welthandel um 0,8 Millionen Tonnen auf 211,6 Millionen Tonnen zunehmen. Die Ursache sind höhere Weizenexporte der EU und für die Ukraine. Sowohl die EU als auch die Ukraine exportieren jeweils 0,5 Millionen Tonnen Weizen mehr und kommen damit auf Ausfuhrmengen von 36,5 Millionen Tonnen bzw. 13,0 Millionen Tonnen. Russlands Exporte bleiben unverändert bei 43 Millionen Tonnen – und die russische Ernte wird mit 91 Millionen Tonnen angegeben, obwohl russische Schätzungen jetzt durchweg deutlich über 100 Millionen Tonnen liegen (auch ohne das gestohlene Getreide aus der Ukraine).

Für die Ukraine wurde die Erntemenge leicht um 0,5 Millionen Tonnen nach oben korrigiert auf 21 Millionen Tonnen und für die EU 27 ging es um die gleiche Menge nach oben auf 134,7 Millionen Tonnen (Hart- und Weichweizen zusammen).

Australiens Weizenexporte ließ das USDA ebenfalls unverändert bei einem Rekordwert von 36,6 Millionen Tonnen, obwohl es schon Prognosen gibt, die zwischen 40 und 42 Millionen Tonnen liegen. Allerdings ist die australische Ernte noch nicht komplett eingebracht. Die Exportmenge von Down Under gibt das USDA unverändert mit 27,5 Millionen Tonnen an – das wäre deutlich mehr als die USA mit 21 Millionen Weizen exportieren können und nach Russland und der EU (und vor Kanada) Platz drei unter den großen Exporteuren.

Weniger Mais in den USA und in Südamerika

Maisproduktion.

Die globale Grobgetreideproduktion (Mais, Gerste, Sorghum) für 2022/23 wurde vom USDA um 7,3 Millionen Tonnen auf 1.446,4 Millionen Tonnen nach unten korrigiert. Das USDA geht in diesem Monat von einer geringeren Produktion, mehr Handel und schrumpfenden Beständen aus. Die globale Maisproduktion schrumpft vor allem wegen erwarteter Produktionsrückgänge in Argentinien und Brasilien. Dagegen wird für China wird eine größere Maisernte gemeldet.

Die Produktion wird für Argentinien von zuvor 55 Millionen Tonnen auf 52 Millionen Tonnen reduziert. Grund ist Hitze und Trockenheit im Dezember und Anfang Januar. Für Brasilien meldet das USDA eine Verringerung der Ertragsaussichten für den früh gepflanzten Mais in wichtigen zentralen Anbaugebieten. Die brasilianische Mais-Produktion für 2022/23 wird deshalb von 126 Millionen auf 125 Millionen Tonnen reduziert.

Die Maisproduktion in China ist mit 277 Millionen Tonnen rund 3 Millionen Tonnen höher, basierend auf den letzten Daten des Nationalen Statistikamtes. Zu den wichtigsten Änderungen im globalen Grobgetreidehandel für 2022/23 gehören mehr Maisexporte für die Ukraine und Reduzierungen für Argentinien und die Vereinigten Staaten. Chinas Maisverbrauch wurde außerdem um 3 Millionen Tonnen auf 297 Millionen Tonnen erhöht.

Die Maisexporte der Ukraine steigen auf 20,5 Millionen Tonnen – und sind damit 3 Millionen Tonnen höher als Vormonat, obgleich die Ernte mit 27 Millionen Tonnen unverändert bleibt. Die europäischen Mais-Importe bleiben mit sehr hohen 21,5 Millionen Tonnen ebenso unverändert wie die extrem schwache europäische Ernte mit 54,2 Millionen Tonnen.

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