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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Getreidepreise auf Rekordjagd: Klettert der Weizen auf 300 Euro?

Getreide.
am Montag, 18.10.2021 - 12:32 (Jetzt kommentieren)

In der vorigen Woche sind die Weizenpreise auf neue Rekordmarken gestiegen. Auch für Gerste wurde deutlich mehr bezahlt.

weizenpreise.

Auslöser für den Preisanstieg war der letzte USDA-Report mit weiteren Abwärtskorrekturen an den Erntemengen und Lagerbeständen bei den beiden TOP-Exporteuren USA und Kanada. Damit ist die globale Versorgung noch angespannter und Weizen aus Europa ist am Weltmarkt noch gefragter. Gleichzeitig hat das französische Landwirtschaftsministerium Agreste die  französische Weizen- und Gerstenernte noch weiter nach unten korrigiert.

Der vordere Dezember-Weizen wurde am europäischen Terminmarkt am vorigen Freitag auf einem neuen Höchststand von 276 Euro je Tonne gehandelt – rund 7 Euro höher als eine Woche zuvor und rund 37 Euro höher als vor vier Wochen. Der nachfolgende März-Termin 2022 notierte bei 270,25 Euro – das ist ebenfalls ein Plus von 7 Euro. Die Weizenernte 2022 wurden am Terminmarkt mit 240,25 Euro notiert.

Am Großmarkt und Exporthafen Hamburg wurde der Brotweizen am Freitag mit 273 Euro je Tonne gehandelt – das waren 5 Euro mehr als in der Woche zuvor. Für die Anlieferung zum Dezembertermin wurden in Hamburg 278 Euro je Tonne geboten. Die Preise für Futtergerste lagen in Hamburg am Freitag zwischen 245 und 247 Euro je Tonne. Für Roggen boten die Händler in Hamburg 240 Euro je Tonne - ein Plus von 5 Euro zur Vorwoche.

Am wichtigsten französischen Großmarkt und Exporthafen Rouen wurde Brotweizen am Freitag mit 273 Euro je Tonne notiert – ebenfalls ein Preisanstieg von 6 Euro. Die fob-Preise für den Export lagen in Rouen bei 326 Euro je Tonne. Futtergerste wurde in Rouen für 246 Euro je Tonne angeliefert.

Am heutigen Montag legen die Preise am europäischen Terminmarkt für Weizen zunächst um 0,50 Euro leicht zu. Grund ist der festere vorbörsliche Handel in den USA.

Weizen-Exporteure: Die kleinesten Bestände seit 2007

An der angespannten globalen Versorgungslage dürft sich in den nächsten Monaten kaum etwas ändern – auch wenn die kommende australische Ernte groß wird. Das bestätigte jetzt noch einmal nachdrücklich das USDA. Die erneut kräftig nach unten korrigierte globale Bilanz sowie eine starke internationale Nachfrage treiben die Getreidepreise immer weiter nach oben.

In seinem Oktober-Bericht hat das USDA die globalen Lagerbestände um 6 Millionen Tonnen auf nur noch 277 Millionen Tonnen gesenkt. Das ist ein Rückgang um 11 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr. Die Reserven der großen Exporteure werden auf 50 Millionen Tonnen geschätzt, die niedrigsten Bestände seit 2007.

Auch die internationale Nachfrage auf sehr hohem Niveau: In der vorigen Woche kaufte der weltweit größte Importeure Ägypten 180.000 Tonnen russischen Weizen und 60.000 Tonnen rumänischen Weizen.

Ägypten startete zudem am vorigen Dienstag eine neue Ausschreibung, sagte die Auktion dann aber ab, weil die gebotenen Preise den Einkäufern zu hoch waren. Angesichts der danach veröffentlichten USDA-Bilanz dürften die ägyptischen Einkäufer jedoch schnell auf den Markt zurückkehren.

Deutscher Weizenexport läuft auf Hochtouren

Futtergerste.

Die Europäische Kommission meldet hat die europäischen Weizen-Exporte für die laufende Saison mit 8,8 Millionen Tonnen angegeben. Das sind 2,4 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr und ein Rekordtempo. Aus Frankreich wurden nach den offiziellen Daten allerdings erst 718.000 Tonnen in Drittländer verschifft.

Aus Deutschland wurden dagegen bereits 966.000 Tonnen in Drittländer verkauft und das Ausfuhrtempo ist weiter sehr hoch. Rumänien exportierte allerdings schon 2,94 Millionen Tonnen auf den Weltmarkt. Hinter Rumänien folgt weiterhin Bulgarien als Exporteur mit 1,27 Millionen Tonnen. Deutschland liegt damit vor Lettland, Litauen und Polen auf Rang drei im europäischen Export-Ranking.

Hauptabnehmer von europäischem Weizen sind bisher Algerien, Südkorea, Ägypten, Nigeria und Südafrika.  Alle Exporteure berichten indessen, dass die sehr hohen Frachtkosten das internationale Geschäft belasten.

Händler aus Europa berichten zudem, dass Getreidemühlen aufgrund der schwachen Qualitäten und der als sehr hoch empfundenen Preise immer vorsichtiger einkaufen. Doch das knappe Angebot in Europa bietet nach wie vor gute Absatzmöglichkeiten, sowohl was die Mahlqualität als auch das Futter angeht.

Auf der Angebotsseite reduzierte Agreste die französische Weizenernte vorigen Woche um 900.000 Tonnen auf nur noch 35,2 Millionen Tonnen gesenkt.

Frankreich korrigiert Gerstenernte weiter nach unten

Frankreich Futtergerste.

Die europäischen Gerstenpreise befinden sich wegen der starken Exportnachfrage ebenfalls auf sehr hohem Niveau. Bei Futtergerste meldet die Europäische Kommission bis zum 10. Oktober europäische Exporte von 2,6 Millionen Tonnen – das sind 200.000 Tonnen mehr als im vorigen Jahr.

Aus Frankreich wurden bis dahin 685.500 Tonnen in Drittländer verkauft, aus Deutschland wurden 420.700 Tonnen und aus Rumänien gingen bereits 1,28 Millionen Tonnen in Drittländer. Hauptabnehmer sind bisher China, Saudi-Arabien, die Türkei, Jordanien und der Irak. Frankreich meldet zuletzt eine gewisse Abschwächung der Nachfrage für den Export. Allerdings wird weiterhin über französische Lieferungen nach China berichtet.

Gleichzeitig geht europäische Braugerste in die Türkei und nach Brasilien, berichten Händler. Am Binnenmarkt im innergemeinschaftlichen Handel sind die Gerstenpreise auf hohem Niveau stabil. In seinem neuesten Monatsbericht hat das französische Landwirtschaftsministerium Agreste seine Ernteschätzung für Wintergerste um weitere 248.000 Tonnen auf 8,1 Millionen Tonnen gesenkt. Für Sommergerste ging es ebenfalls um 93.000 Tonnen auf 3,27 Millionen Tonnen nach unten.

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