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Getreideernte und Preise

Getreidepreise: Die Ruhe vor dem Sturm

am
27.06.2019
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Die Getreidemärkte sind nervös wie lange nicht mehr. Am Freitag werden die Eckdaten des Marktes neu vermessen und austariert

Das USDA wird in seinem Anbaureport erstmals die Folgen der extremen Niederschläge auf den Anbau von Weizen, Mais und Soja beziffern. Der Markt könnte je nach Ergebnis eine völlig neue Richtung nehmen. Entweder steil nach oben oder eben so steil nach unten. Je nachdem wie die Erwartungen von Analysten, Getreidehändlern und Hedgefonds erfüllt werden.

Im Vorfeld des morgigen USDA-Anbaureports haben Analysten in den USA deshalb eine Schätzung zu den morgen erwarteten Daten abgegeben. Diese Schätzungen bilden die Benchmark für alles Weitere.

Natürlich hat sich zuletzt auch die extreme Hitzewelle in Europa und die Trockenheit in Kanada sowie in Teilen des Schwarzmeergebietes positiv auf die Getreidepreise ausgewirkt.

Am Mittwoch haben außerdem die unter den Erwartungen bleibenden Anbauflächen von Sommerweizen in Kanada den Weizenpreisen in den USA und in Europa einen kräftigen Impuls nach oben gegeben.

Daran konnte auch die hohe und von russischen Analysten sogar weiter nach oben korrigierte Weizenernte in Russland nichts ändern.

Weizenpreise im Höhenflug

Weizenpreise

Die Weizenpreise sind in den USA und in Europa zwei Tage hintereinander gestiegen. Am heutigen Donnerstag Nachmittag (MEZ) notiert der vordere Chicago-Weizen 7 Cent höher bei 551 Cent je Buschel. Das ist der höchste Stand seit sieben Monaten. Der nachfolgende Septemberkontrakt wird mit einem Plus von 6 Cent bei 552 Cent je Buschel notiert. 

An der MATIF in Paris handelte man die neue Ernte am Donnerstag Nachmittag mit einem Aufschlag von 1,25 Euro bei 184 Euro/t und den Dezember mit 188,50 Euro. Am Großmarkt in Hamburg steigt der vordere Brotweizen am Donnerstag auf 192 Euro und die neue Ernte wird mit  185 Euro/t notiert. An den ostdeutschen Handelsplätzen werden für  den aktuellen Brotweizen am Donnerstag 176 Euro geboten und für die neue Ernte 169 Euro.

Im Vorfeld des morgigen Acreage-Reports schätzten die wichtigsten US-Analysten die US-Weizenfläche für die Ernte 2019 auf 18,48 Mio. Hektar. Das Spektrum der Analystenschätzungen bewegt sich zwischen 18,01 und 18,66 Millionen Hektar. Im vorigen Jahr lag die Anbaufläche bei knapp 19,4 Mio. ha und die bisherige USDA-Flächen-Schätzung für die neue Weizenernte lag bei 18,52 Mio. ha.  

Kanadas Weizenfläche kleiner als erwartet

Weizenpreis

Kanadas Statistikamt hat die Weizenfläche für die Ernte 2019 nur auf 9,96 Millionen Hektar geschätzt und damit deutlich kleiner als bei der vorigen Prognose mit 10,4 Mio. Hektar. Gegenüber der Fläche aus dem Vorjahr von 10,0 Millionen Hektar ist der Rückgang etwas moderater.

Der Weizenmarkt wird außerdem durch die Hitze in Teilen Europas und der Schwarzmeerregion gestützt. "Die Situation in Europa ist nicht besonders gut, sie müssen die Produktionsschätzung sicherlich senken", sagte ein Getreidehändler aus Hamburg. "In Kanada ist es die Trockenheit hingegen nicht mehr so schlimm."

Die Bedingungen für Russlands Sommerweizenernte sind gut oder zufriedenstellend, da diese Gebiete nicht von der Hitzewelle im Süden betroffen sind, teilte das staatliche Wetterzentrum am Dienstag mit. Das französische Analystenhaus Agritel schätzt die neue Weizenernte Russlands auf 81,7 Mio. t Tonnen. Das ist ein Anstieg von 1,9 Mio. t gegenüber der vorherigen Schätzung.

Maisanfläche könnte noch weiter schrumpfen

Maispreis

Die Maispreise bewegen sich in Chicago am Donnerstag Nachmittag seitwärts. Der vordere Chicago-Juli-Mais notiert bei 443 Cent je Buschel. Die neue Ernte wird mit 455 Cent je Buschel notiert. 

An der MATIF in Paris handelte man die den vorderen Juli-Mais am Donnerstag mit einem Aufschlag von 1,0 Euro bei 178,50 Euro/t und den November ebenfalls mit 178,50 Euro. In Südoldenburg wird für Mais zur Anlieferung im Juni 192 Euro geboten.

Die wichtigsten US-Analysten erwarten, dass die Maisfläche in den USA am Freitag bei 35,07 Millionen Hektar liegen dürfte. Die Spanne der Analystenschätzungen bewegt sich dabei ziemlich weit zwischen 33,2 Millionen ha und 36,4 Millionen Hektar.

Das USDA hatte die Maisfläche überraschend bereits im Juni von 37,6 Mio. ha auf 36,4 Mio. ha nach unten geschraubt. Die Analystenerwartung ist damit nochmals 1,3 Mio. Hektar niedriger.

Sojafläche fast unverändert erwartet

Sojaernte Preise

Die Sojapreise bewegen sich in Chicago am Donnerstag Nachmittag leicht im Plus. Der vordere Juli-Kontrakt notiert bei 896 Cent je Buschel. Die neue Ernte wird mit 921 Cent je Buschel notiert. 

An der MATIF in Paris handelte man den August-Raps der neuen Ernte am Donnerstag Nachmittag mit einem leichten Aufschlag von 0,75 Euro bei 366,25 Euro/t und den November mit 369,52 Euro. In Hamburg werden für den vorderen Raps zur Anlieferung im Juni aktuell  nur 360 Euro geboten. Die neue Ernte wird mit 363 Euro notiert. In Mannheim handelt man den Juni-Raps mit 365 Euro und die neue Ernte mit 368 Euro.

Die wichtigsten US-Analysten erwarten, dass die Sojafläche in den USA am Freitag bei 34,15 Millionen Hektar liegen dürfte. Die Spanne der Analystenschätzungen bewegt sich dabei  zwischen 32,8 Millionen Hektar und 35,0 Millionen Hektar.

Das USDA hatte die Sojafläche im Juni unverändert auf 34,3 Mio. ha geschätzt. Die Analystenerwartung ist damit nur 0,15 Mio. Hektar niedriger. Offenbar gehen die Analysten davon aus, dass noch relativ viel Maisfläche zum Soja gewandert ist.

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