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Getreidemarkt und Getreidepreise 2021

Getreidepreise: Russland jagt die Weizenpreise auf 300 Euro

Getreide.
am Donnerstag, 11.11.2021 - 14:38 (Jetzt kommentieren)

Die Weizen-Preise steigen am Donnerstag auf knapp 300 Euro. Russland will seine Exporte stärker regulieren.

Getreide.

Die Weizen-Preise steigen am Donnerstag auf knapp 300 Euro, angetrieben von der Sorge, dass die weltweiten Getreideversorgung noch knapper werden könnte. Der Dezember-Weizen an der Pariser Euronext notierte im laufenden Handel bei 297 Euro je Tonne, nachdem er bereits am Vortag mit 295 Euro einen neuen Höchststand erreicht hatte.

Händler sagten, die Aussicht, dass der größte globale Weizenexporteur Russland seine Exporte stärker drosseln könnte, habe dazu geführt, die Preise weiter nach oben zu treiben. Russlands Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew hatte gestern angekündigt, die Berechnung der Getreideexportsteuern zu ändern, wenn die Preise weiter steigen.

Russland plant außerdem, Exportquoten für das erste Halbjahr 2022 festzulegen. „Sollte wirklich eine höhere Exportsteuer eingeführt werden und dann zu einem späteren Zeitpunkt Exportquoten, würde sich die Versorgungslage auf dem Weizenmarkt weiter verschärfen“, hatten Analysten gewarnt.

Russland exportierte in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 etwa 23,9 Millionen Tonnen Weizen, im Vergleich zu 24,7 Millionen im Vorjahreszeitraum, sagen jedenfalls die offiziellen russischen Zolldaten.

Russland reguliert seine Exporte

Russland, dass seinen Weizen hauptsächlich in Türkei, in den Nahen Osten und nach Afrika exportiert, hatte bereits im Juni einen formelbasierten Zoll für Getreideexporte eingeführt: Dieser sollte zur  Bekämpfung der inländischen Inflation beitragen, die derzeit auf einem 5-Jahres-Hoch liegt.

Das russische Landwirtschaftsministerium berechnet die Höhe des Zolls wöchentlicher, basierend auf einer Formel. Der Ausfuhrzoll betrug etwa vom 10. bis 16. November 69,9 USD pro Tonne Weizen.

"Im Falle eines signifikanten Anstiegs der globalen Preise, sagen wir bis zu 400 USD pro Tonne oder mehr, wird die Formel zur Berechnung des variablen Ausfuhrzolls nach oben korrigiert", sagte Agrarminister Patruschew gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Nun plant Russland zusätzlich, für das erste Halbjahr 2022 auch noch eine Getreideexportquote festzulegen, um die Inlandsversorgung zu sichern, sagte Patruschew. Die Höhe der Quote werde bis Ende Dezember auf der Grundlage der russischen Ernte 2021 und des Exporttempos im laufenden Wirtschaftsjahres 2021/22 festgelegt, fügte er hinzu.

Russischer Weizen mit 12,5% Proteingehalt wird an den von Schwarzmeerhäfen in der zweiten Novemberhälfte für 326 USD pro Tonne frei an Bord (FOB) verladen.

Weltmarkt bietet höhere Preise als Getreidemühlen

Getreide.

Doch auch die europäischen und deutschen Getreideexporte laufen bisher wie geschmiert. Obwohl der heimische Markt ebenfalls sehr knapp versorgt ist und die Preise sehr hoch sind. Doch der Weltmarkt bietet offenbar höhere Preise als die heimischen Mühlen und Futterhersteller.

Allerdings hat sich das Ausfuhrtempo in den letzten drei Wochen deutlich abgeschwächt. Was auch auf ein Umdenken der heimischen Abenehmer hindeutet. Die Europäische Kommission meldete jedenfalls bis zum 7. November europäischen Weizen-Exporte von gut 10,3 Millionen Tonnen. Das sind rund 1,5 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr.

Aus Frankreich wurden nach den offiziellen Daten bisher 822.000 Tonnen Weizen in Drittländer verschifft. Dagegen wurden aus Deutschland bereits 1,18 Millionen Tonnen in Länder außerhalb der EU verkauft (auch nach UK), doch auch bei uns hat sich das Ausfuhrtempo zueltzt spürbar abgeschwächt, sagen Händler.

Rumänien exportierte allerdings  schon 3,5 Millionen Tonnen Weizen auf den Weltmarkt. Hinter Rumänien folgt dann Bulgarien als größter europäischer Weizen-Exporteur mit Ausfuhren von 1,63 Millionen Tonnen. Deutschland liegt damit vor Frankreich, Lettland, Polen und Litauen auf Rang drei im europäischen Export-Ranking bei Weizen.

Hauptabnehmer von europäischem Weizen sind bislang Algerien, Ägypten, Südkorea, Nigeria und Jordanien. Alle Exporteure berichten außerdem, dass die sehr hohen Frachtkosten und die übrigen Logistikprobleme den Handel massiv belasten und verteuern.

Getreidepreise steigen auf neue Rekordmarken

Der Dezember-Weizen wird am europäischen Terminmarkt am heutigen Donnerstag auf einem neuen Rekordstand von knapp 297 Euro je Tonne gehandelt – das sind rund 14 Euro mehr als zum Beginn der Woche.

Der nachfolgende März-Termin 2022 notierte bei 293 Euro – das ist zum Wochenbeginn ebenfalls ein Plus von 14 Euro. Für die Weizenernte 2022 wurden am Terminmarkt in Paris Preise von 259 Euro notiert. Immerhin ein Aufschlag von 12 Euro zum Montag.

Am Großmarkt und Exporthafen Hamburg wurde der Brotweizen am Donnerstag mit 302 Euro je Tonne gehandelt – das waren ebenfalls 14 Euro mehr als zum Beginn der Woche. Für die Anlieferung zum Märztermin wurden in Hamburg 306 Euro je Tonne geboten.

Die Preise für Futtergerste lagen in Hamburg am Donnerstag bei 267 Euro je Tonne – und damit 11 Euro im Plus. Für Brot-Roggen boten die Händler in Hamburg 270 Euro je Tonne - ein Aufschlag von 14 Euro zur Vorwoche. Und für Hafer bekamen die Lieferanten 250 Euro geboten.

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