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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Russland will Exportquote – Dürre am Schwarzen Meer

Ein Traktor mit Anhänger drischt auf einem Feld Getreide
am Mittwoch, 30.09.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Weizenpreise geben am europäischen Terminmarkt leicht nach. Am Dienstag wurde der Weizen im laufenden Handel mit rund 192 Euro je Tonne notiert.

Ansteigende Weizenpresie am europäischen Terminmarkt im September 2020, Quelle Matif

Im Vergleich zur Vorwoche haben die Weizenpreise am europäischen Terminmarkt um 3 Euro nachgegeben. Grund ist der moderate Rückgang der russischen Exportpreise. Russischer Weizen mit 12,5 Prozent Protein wurde an den Häfen am Schwarzen Meer zuletzt für 233 USD pro Tonne frei an Bord (FOB) verladen. Das entspricht einem Rückgang von 2 USD gegenüber der Vorwoche.

Die russischen Exportpreise für Gerste sind zuletzt hingegen um 2 USD auf 194 USD pro Tonne gestiegen. Auch für die Weizenpreise am russischen Binnenmarkt (in Rubel) ging es nach oben. Der Grund: Die anhaltend starke Nachfrage von Exporteuren und Tierhaltern, berichten die russischen Analysten von Sovecon.

Am Hamburger Exporthafen haben die Weizenpreise für die Anlieferung im September im Wochenvergleich ebenfalls leicht nachgegeben und notierten im laufenden Handel am Dienstag für Brotweizen mit 12 Prozent Protein bei 192 Euro je Tonne. Im Vergleich zur Vorwoche ist dies ein Rückgang von 1 Euro.

Für Futtergerste lagen die Preisangebote am Hamburger Hafen am Dienstag bei 167 Euro je Tonne und damit ebenfalls 1 Euro niedriger als vorige Woche. Für Brotroggen wurden in Hamburg 160 Euro geboten. Das waren die gleichen Preise wie vor einer Woche. Körnermais aus der Ukraine kostete am Hamburger Importhafen Brake (fot) 184 Euro – und damit ähnlich viel wie eine Woche zuvor.

Russland plant Export-Quote – Schwere Dürre am Schwarzen Meer

Ein Traktor mit Anhänger führt die Herbstbestellung auf einem Feld aus

Das russische Landwirtschaftsministerium teilte am Montag mit, dass der Mechanismus für die Getreide-Exportquote, der schon von April bis Juni während des Ausbruchs des Coronavirus angewendet wurde, trotz der großen Ernte in diesem Jahr weiterhin Bestand hat. Das Ministerium teilte außerdem mit, dass die Getreideexportquote für den Zeitraum Januar bis Juni 2021 gelten wird.

„Trotz guter Ernteaussichten bleibt der Mechanismus nichttarifärer Quoten für Getreideexporte relevant und es ist geplant, diese Maßnahme in Zukunft zu verbessern und weiter anzuwenden", heißt es in einer Erklärung des russischen Landwirtschaftsministeriums.

Das Ministerium gab jedoch keine weiteren Einzelheiten zur Höhe der möglichen Quote bekannt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters könnte die Quote für den Zeitraum Januar bis Juni 2021 etwa 20 Millionen Tonnen Getreide betragen. Russland ist der weltweit größte Weizenexporteur und wird in diesem Jahr wahrscheinlich die bislang zweitgrößte Getreideernte seit dem Rekordjahr 2017 einbringen.

Aktuell brauchen die Russen allerdings ganz dringend Regen. Bisher mussten die Landwirte den Winterweizen in vielen Regionen auf sehr trockenem Boden aussäen, berichtet die Landwirtschaftsberatung Sovecon.

Noch kritischer ist die Situation in der Ukraine. Das ukrainische Wirtschaftsministerium teilte mit, die Landwirte hätten wegen der schweren Dürre in den meisten Regionen noch nicht mit der Aussaat von Winterweizen für die Ernte 2021 begonnen. „Da keine Feuchtigkeit im Boden vorhanden ist, ist die Aussaat derzeit sinnlos", hatte die Analystenfirma APK-Inform berichtet. „Dieses Jahr werden wir deshalb eine sehr späte Aussaatkampagne haben", heißt es weiter. Und wahrscheinlich eine deutlich kleinere Anbaufläche.

Das Wirtschaftsministerium teilte am Dienstag mit, das die Fläche für Winterweizen wahrscheinlich von rund 6,7 Millionen Hektar im Vorjahr auf nur noch 6,1 Millionen Hektar zu schrumpft. Die Daten des Ministeriums zeigten, dass die Farmen bis zum 28. September nur 25 Prozent der erwarteten Fläche oder 1,5 Millionen Hektar bestellt hatten.

US-Farmer verkaufen Soja und lagern Mais ein – Trockenheit in Südamerika

EIn Farmer im Karohemd prüft einen Maiskolben auf einem Maisfeld

„Wir sehen in den USA einen gewissen Erntedruck bei Sojabohnen. Die US-Farmer verkaufen ihre Bohnen direkt aus dem Mähdrescher, dagegen wird der Mais überwiegend eingelagert", berichtet ein US-Analyst. Bis Sonntag waren 15 Prozent der US-Maisernte eingebracht, verglichen mit einem Fünfjahresdurchschnitt von 16 Prozent.

Die Sojabohnen-Ernte hat sich von nur 6 Prozent in der vorigen Woche auf 20 Prozent beschleunigt. Das ist deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt mit 15 Prozent. Im sturmgeschädigten Iowa sind sogar 30 Prozent der Sojabohnen geerntet, weit mehr als im Fünfjahresdurchschnitt mit 8 Prozent.

Weiterhin teilte das USDA mit, dass die Aussaat von Winterweizen in den USA leicht über dem normalen Tempo liegt. Bislang haben die Farmer 35 Prozent der geplanten Flächen bestellt, verglichen mit einem Fünfjahresdurchschnitt von 33 Prozent. Der September waren im Mittleren Westen extrem trocken, berichten US-Wetterdienste. Jedoch hat die Trockenheit zu diesem Zeitpunkt nur noch geringe Auswirkungen auf die Erntequalität, heißt es weiter. In den letzten Septembertagen und den ersten Oktobertagen wird allerdings Frost erwartet.

Das trockene Wetter in Brasilien und Argentinien stützte die globalen Getreidepreise ebenfalls, obwohl der Druck der laufenden US-Ernte den Preis-Anstieg abbremst, sagen Analysten. Die Temperaturen in beiden Ländern sind ungewöhnlich hoch, was die Verdunstung beschleunigt. Eine weitere Woche mit so trockenem Wetter und die Analysten werden die Folgen bei ihren Prognosen berücksichtigen müssen.

Der europäische Verband der Getreidehändler (Coceral) hat seine Prognose für die diesjährige Maisernte in der Europäischen Union von 64,6 Millionen Tonnen, auf 62,8 Millionen Tonnen gesenkt, teilte Coceral am vorigen Freitag mit und verwies dabei auf die Auswirkungen des heißen und trockenen Wetters in vielen europäischen Anbauregionen.

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