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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Jetzt schießen die Weizenpreise durch die Decke

weizen verladen.
am Freitag, 15.01.2021 - 13:35 (2 Kommentare)

Die europäischen Weizenpreise steigen am Freitag auf 234 Euro je Tonne. Ein Grund: Die Verdopplung der russischen Exportsteuer.

weizenpreis.

So viel haben die Bauern für ihren Weizen zuletzt im Mai 2013 bekommen. Ähnlich steil geht es für die Weizenpreise auf den meisten Handelsplätzen der Welt nach oben. In den USA notiert der Chicago-Weizen bei 688 Cent je Buschel – auf einem 7-Jahreshoch – wie in Europa.

Russland ist der weltweit größte Weizenexporteur und höhere Export-Steuern dürften die russische Ausfuhr massiv bremsen und das globale Angebot spürbar verknappen und verteuern. Aber auch andere große Exporte regulieren ihre Ausfuhr und heizen damit die Rallye weiter an.

Doch Weizen ist nicht nur als Nahrungsgetreide gefragt, sondern er ist auch das wichtigste Substitut im Tierfutter für den immer knapper – und teurer - werdenden Mais.

Gleichzeitig kauft China weiterhin Mais und Sojabohnen in Rekordmengen und sorgt dafür, dass das Getreide, trotz der sehr hohen Preise, weiter gut gekauft wird. Denn: Am chinesischen Binnenmarkt sind die Preise für Mais, Weizen und Sojabohnen noch viel höher als am Weltmarkt. Neben einer schlechten Ernte sorgt vor allem die stark wachsende chinesiche Schweineherde für einen rekordhohen Importbedarf.

Russland verdoppelt Exportsteuer auf Weizen

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Russland wird wohl ab dem 1. März eine höhere Exportsteuer auf Weizen erheben, sagte sein Wirtschaftsminister am Freitag: Der Grund: Die russische Regierung will die rasante Verteuerung der inländischen Lebensmittelpreise während der COVID19-Pandemie in den Griff bekommen. Die Ankündigung der Exportsteuer – und die Spekulation über deren mögliche Höhe – hat diese Woche die globalen Weizenpreise bereits weit nach oben getrieben.

Analysten erwarten nun, dass andere Länder – wie etwa die EU – als großer Exporteur, von der deutlich höheren russischen Steuer profitieren werden. Russland könnte seine Weizenexportsteuer nach Angaben des russischen Wirtschaftsministers für den Zeitraum 1. März bis zum 30. Juni einführen. Geplant war zunächst eine Steuer von 25 Euro pro Tonne, die sich nun auf 50 Euro pro Tonne erhöhen dürfte, sagte Wirtschaftsminister Maxim Reshetnikov.

„Die Entscheidung zielt in erster Linie darauf ab, die Interessen des Inlandsmarktes zu schützen, die Inlandsbedürfnisse zu sichern und die Risiken neuer Preiserhöhungen zu verhindern", fügte der Minister hinzu. Die Steuer wurde von einem Ausschuss von Fachleuten empfohlen, sagte er. Die Regierung hat den Entwurf aber noch nicht unterzeichnet. Der Vorschlag ist eine deutliche Verschärfung der von der Regierung bereits im Dezember genehmigten Maßnahmen.

Die russische Statistikbehörde hatte die endgültige russische Weizenernte 2020 jetzt mit 85,3 Millionen Tonnen angegeben – was einer neuer Ernte-Rekord ist. Das USDA hatte die möglichen russischen Exporte für 2020/21 jedoch schon von 40 Millionen Tonnen auf 39 Millionen reduziert. Damit sind die Russen immer noch mit Abstand der größte Exporteur der Welt von den USA, der EU und Kanada mit Exporten von jeweils etwa 26 Millionen Tonnen.

IGC korrigiert globale Maisernte um 13 Millionen Tonnen nach unten

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Der International Grains Council (IGC) hat am Donnerstag seine Prognose für die weltweite Getreideproduktion um 9 Millionen Tonnen auf 2,21 Milliarden Tonnen im Jahr 2020/21 gesenkt und gleichzeitig auch seine Prognose für den Verbrauch gekürzt. In seiner monatlichen Aktualisierung reduzierten die IGC-Analysten ihre Ernte-Prognose für Mais um 13 Millionen Tonnen. Der weltweite Getreideverbrauch wurde für 2020/21 um 5 Millionen Tonnen auf 2,2 Milliarden Tonnen gesenkt.

„Obwohl die COVID-Pandemie die Nachfrage in einigen Sektoren, insbesondere der Ethanolfabriken und bei den Brauereien, weiterhin dämpft hat, wird der Gesamtverbrauch voraussichtlich zum fünften Mal in Folge steigen“, stellt der IGC in seinem Monatsreport fest. Die Getreidebestände fielen deshalb auf ein Fünfjahrestief von 611 Millionen Tonnen. „Der Rückgang der Bestände ist ausschließlich auf einen Rückgang der Maisbestände auf ein Achtjahrestief zurückzuführen, der auf Bestandsreduzierungen in den USA, China und der EU zurückzuführen ist", heißt es weiter.

Die IGC-Analysten senkten ihre Prognose für die weltweite Maisproduktion um 13 Millionen Tonnen auf 1.133 Millionen Tonnen. Die Mais-Produktion in den USA, dem bei weitem größte Erzeuger von Mais, wurde von 368,5 Millionen auf 360,3 Millionen Tonnen reduziert. Die brasilianische Maisernte für 2020/21 wurde auf 105,8 Millionen Tonnen korrigiert, verglichen mit der vorigen Prognose von 112,5 Millionen Tonnen. Die Maisproduktion in Argentinien wurde für 2020/21 von 54,3 Millionen auf 52 Millionen Tonnen nach unten gesetzt.

Der IGC erhöhte seine Prognose für die aktuelle Weltweizenproduktion 2020/21 um 3 Millionen Tonnen auf 768 Millionen Tonnen. Grund sind nach oben korrigierte Erntemengen für Australien, Kanada und Russland, heißt es.

China kauft den Markt leer – US-Ethanolfabriken in Schwierigkeiten

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Die Mais-Preise steigen in Europa und den USA ebenfalls weiter an. Am europäischen Terminmarkt notiert der vordere Maiskontrakt am heutigen Freitag bei 215 Euro je Tonne und damit rund 15 Euro höher als zum Beginn der Woche. In den USA notiert der vordere Maiskontrakt mittweile 533 Cent je Buschel.

Der Mais-Markt erhielt neuen Treibstoff, nachdem die US-Umweltschutzbehörde angekündigt hatte, nicht über die Frage der Befreiung einiger Ölraffinerien von den Gesetzen zum Mischen von Biokraftstoffen zu entscheiden. Diese würden wegen der explodierenden Preise für Mais und Sojabohnen gerne weniger Ethanol und Sojaöl erzeugen und beimischen.

Die Zuwächse bei Sojabohnen wurden auch durch die unerwarteten starken wöchentliche Exportverkäufe der USA nach China beflügelt. "Es gibt im Moment kein Nachlassen der Exportnachfrage", sagte ein Analyst. Laut USDA belief sich der wöchentliche Exportumsatz mit Sojabohnen auf 1,234 Millionen Tonnen. „Die vom USDA am Dienstag vorgenommene Kürzung bei der Schätzung für den Maisertrag klingelt immer noch in den Ohren des Marktes", sagte der Analyst Tobin Gorey, von der Bank of Australia.

Chinas Sojabohnenimporte stiegen im Jahr 2020 um 13 Prozent auf einen Jahresrekord im Jahr 2020, wie chinesische Zolldaten am Donnerstag zeigten: Grund ist die Nachfrage aus dem sich schnell erholenden Schweinesektor des Landes. China, der weltweit größte Importeur von Sojabohnen, kaufte im Jahr 2020 rund 100,3 Millionen Tonnen Sojabohnen, gegenüber 88,5 Millionen Tonnen im Jahr 2019.

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