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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise schwanken heftig – Bauern misstrauen Prognosen

getreidelager.
am Montag, 15.08.2022 - 11:43 (Jetzt kommentieren)

Die Getreidepreise fallen und steigen in schneller Folge. Der Markt sucht nach belastbaren Eckdaten. Der USDA-Report vom Freitag, brachte für Weizen und Mais einige Überraschungen.

weizenpreise.

Die Weizenpreise sind hin- und hergerissen zwischen dem Druck zunehmender ukrainischer Exporte und einer starken internationalen Nachfrage. Insgesamt bleiben Händler und Landwirte jedoch sehr misstrauisch, was die wirklichen Erntemengen und die möglichen Exporte vom Schwarzen Meer betrifft. Am Freitag hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) die Weizenexporte und die Maisexporte in der Ukraine nach oben korrigiert.

Das Gleiche gilt für Russland. Die russischen Landwirte könnten bei Weizen sogar eine Rekordernte einbringen. Die russischen Exporte stocken jedoch wegen der internationalen Sanktionen und hoher Transportkosten für Händler und Versicherer. Die weltweite Nachfrage bleibt indessen rege. Das stützt die europäischen Weizenpreise, zumal die europäische Ernte zuletzt deutlich nach unten korrigiert wurde.

Das USDA hat die europäische Weizenernte am Freitag (Hart- und Weichweizen) von 134,1 Millionen Tonnen auf 132,1 Millionen Tonnen nach unten gesetzt. Die möglichen europäischen Exporte wurden jedoch ebenfalls von 35,5 Millionen Tonnen auf 33,5 Millionen Tonnen gesenkt.

Zuletzt hat sich das Exporttempo der Europäer mit den zunehmenden Lieferungen vom Schwarzen Meer verlangsamt. Die Europäische Kommission meldet für den Zeitraum vom 01. Juli bis 07. August europäische Weizenexporte von 2,6 Millionen Tonnen – das wäre etwa so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Mit Abstand größter Exporteur ist Frankreich mit bis dahin 914.000 Tonnen. An zweiter Position der europäischen Weizenexporteure liegt derzeit Rumänien mit Ausfuhren von 565.000 Tonnen, gefolgt von Polen mit 420.000 Tonnen und Bulgarien mit 382.000 Tonnen. Deutschland hat in den ersten fünf Wochen des neuen Wirtschaftsjahres nur 71.000 Tonnen Weizen in Drittländer verkauft.

Hauptabnehmer von europäischem Weizen waren bisher Marokko, Algerien, Pakistan und Südafrika.

Weizenpreise vor allem wegen Ukraineexport unter Druck

Weizenpreis in den USA.

Am europäischen Weizenmarkt meldeten Händler zuletzt ebenfalls eine Belebung der Nachfrage. Das betrifft offenbar sowohl Brotweizen als auch den Einkauf der Futterhersteller. Die extreme Hitzewelle in Europa verstärkt offenbar die Sorgen um die europäische Maisernte und führt zu einer Verschiebung der Nachfrage hin zu Futterweizen und zu Gerste.

Der USDA-Report hat am vorigen Freitag, trotz der Korrekturen der ukrainischen und russischen Ernte, zunächst keine großen Veränderungen bei den europäischen Weizenpreisen gebracht. Im vorbörslichen Handel am Montag geben die Kurse in Chicago allerdings deutlich nach und dürften auch die europäischen Preise mit nach unten ziehen. Grund ist die Ankündigung mehrerer Schiffsabfahrten aus ukrainischen Häfen.

Am europäischen Terminmarkt waren die Weizenpreise für den vorderen Septemberkontrakt am Freitag um 0,75 Euro auf 339 Euro je Tonne gestiegen. Der Dezembertermin beendete den Handel 0,50 Euro höher bei 329 Euro je Tonne. Die europäischen Maispreise für die neue Maisernte (November) stiegen am Freitag um 2 Euro auf 337 Euro je Tonne.

In den USA hatten die Weizenpreise bereits am Freitag nachgegeben und stehen am Montag im vorbörslichen Handel erneut unter Druck. Die Weizenpreise (September) gaben in Chicago am vorigen Freitag um 5 Cent nach auf 806 Cent je Bushel nach. Und am heutigen Montag geht es für den US-Weizen um weitere 15 Cent auf 791 Cent nach unten. Das dürften auch die Vorgaben für den Weizen in Europa sein. 

Ukraine muss exportieren – Russland mit Riesenernte

Das USDA hat die ukrainische Weizenernte in seiner August-Prognose unverändert bei 19,5 Millionen Tonnen belassen, die Weizen-Exporte jedoch von 10 auf 11 Millionen Tonnen nach oben korrigiert. (Für die ukrainische Maisexporte hob das USDA seine Prognose hingegen von 3,5 Millionen Tonnen auf 12,5 Millionen an!!!).

Für ukrainische Landwirte und Exporteure ist es wichtig das geerntete Getreide rasch zu verschiffen. Nur wenige Getreidesilos in der Ukraine sind mit Belüftungssystemen ausgestattet, die für eine langfristige Lagerung notwendig sind. Damit ist das Risiko hoch, dass die ukrainischen Landwirte einen erheblichen Teil des Getreides bei zu langer Lagerung verlieren.

Die Getreideexporte aus der Ukraine waren in der Vergangenheit stark saisonabhängig, wobei die größten Mengen unmittelbar nach der Ernte verschifft wurde. Die Gerstenexporte sind zwischen Juli und September robust, und die Weizenexporte sind am größten zwischen August und November. Die Maismengen erreichen ihren Höhepunkt zwischen November und Mai.

Für Russland setzte die USDA-Analysten die erwartete Weizen-Ernte von 81,5 Millionen Tonnen auf immerhin 88 Millionen nach oben. Die Exporte wurden von 40 Millionen Tonne auf 44 Millionen angehoben – ein neuer Rekordwert. Russland hat seit Februar keine Export- oder Importdaten veröffentlicht, könnte aber nach Schätzungen von Händlern im August 4 Millionen Tonnen exportieren, gegenüber 2 Millionen Tonnen im Juli. Im August 2021 hatten die Russen immerhin 5,2 Millionen Tonnen Weizen exportiert.

Die russischen Analysten von Ikar haben ihre Prognose für die russische Weizenernte Anfang Augst um weitere 4,5 Millionen Tonnen auf 95 MillionenTonnen erhöht und liegen damit 7 Millionen Tonnen höher als das USDA. Grund für die Korrektur sind die sehr hohen Erträge in Zentralrussland und der Wolgaregion.

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