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Aussaat und Ernte 2019

Getreidepreise schwanken sehr heftig

Getreide und Geld
am
07.06.2019
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Mit heftigen Preisausschlägen reagieren die Getreidemärkte auf die große Unsicherheit, die hinsichtlich der fundamentalen Eckdaten des Markes bestehen.

Für die meisten wichtigen Fragen gibt es keine schnellen Antworten. Landwirte und Analysten bewegen sich auf sehr unsicherem und völlig unbekanntem Gelände. Der Markt reagiert auf jede neue Information mit heftigen Korrekturen – gefolgt von neuen Korrekturen in die andere Richtung.

Das kann durchaus noch einige Zeit so gehen. Das erste vorläufige und von den meisten Markt-Teilnehmern auch akzeptierte Update kommt nämlich erst am kommenden Dienstag. Mit dem neuen USDA-Report. Dieser Report kommt nach Einschätzung der meisten Analysten jedoch deutlich zu früh, um die Auswirkungen der katastrophalen Aussaatbedingungen in den USA auch nur einigermaßen abzubilden. Erst der Ende Juni erscheinende USDA-Report zu den vorläufigen Aussaatflächen, zeigt wohl eine erste vorläufige Bilanz der Schäden.

Allerdings erwarten die Analysten für den kommenden Dienstag mindestens, dass das USDA die Erträge von Mais, Weizen und Sojabohnen in den USA nach unten korrigiert und damit der aktuellen Situation einigermaßen Rechnung trägt. Je nachdem wie groß diese Korrekturen ausfallen, könnten die Märkte auf diese Daten mit heftigen Preissprüngen nach oben oder nach unten reagieren.

Heftige Preissprünge - Preisanstieg am Donnerstag

Maisfeld USA

Aktuell reagieren die Märkte auf jede neue Meldung heftig. Im Moment ist es die Aussicht auf etwas trockeneres Wetter im Mittleren Westen - etwa für die nächsten 6 bis 10 Tage. Das gibt den Farmern die Möglichkeit doch noch etwas Mais und Soja zu pflanzen. Danach soll es allerdings schon wieder regnen.

Besonders die großen Hedge-Fonds und Algorithmus-Händler bewegen die Getreidepreise mit ihren Aktivitäten derzeit sehr schnell auf und ab. Nachdem die Kurse für Weizen, Mais und Soja eine fulminanten Rallye mit Preisaufschlägen von mehr als 25 Prozent für Weizen und Mais und fast 15 Prozent für Soja hingelegt hatten, korrigierten die Kurse zuletzt wieder kräftig nach unten. Der Chicago-Weizen verlor seit Dienstag für den neuerntigen Septembertermin fast 7 Prozent und rutschte gleichzeitig unter die psychologisch wichtige Marke von 500 Cent je Buschel.

Der Abschlag beim vorderen Maiskontrakt betrug rund 5 Prozent auf  415 Cent und Soja verlor knapp 3 Prozent auf 869 Cent. Am heutige Donnerstag geht es für den Weizen in Chicago im laufenden Handel wieder sehr kräftig um fast 3 Prozent nach oben - auf 511 Cent. Die Maispreise folgen dem Weizen deutlich im Plus, während Soja leicht im Minus notierte. An der Matif (und auch an anderen großen Börsen) bewegen sich die Preise nahezu parallel zu den US-Notierungen.

Der europäische Weizen verlor innerhalb von nur drei Tagen gut 6 Euro und sackte erstmals seit Mitte Mai wieder unter die 180-Euro-Marke. Der neuerntige Mais verlor an der Matif 2 Euro auf knapp 176 Euro und der neuerntige Raps rutschte fast 4 Euro in die Miesen, auf 367 Euro. Am Donnerstag bewegen sich die europäischen Getreidepreise zunächst wenig und machen die Preiserholung lediglich beim Weizen etwas mit. 

Analysten schätzten Anbauflächen kräftig nach unten

USA Farm

Die Ursachen für die heftigen Preisabschläge in den letzten Tagen sind vielfältig und von ihrer Bedeutung unter Analysten umstritten. Teilweise waren die Kurssprünge auch technischer Natur und massiven Korrekturen in den Portfolios der großen Hedgefonds geschuldet.

Vor allem das etwas trockenere Wetter für das Herzland des Maisgürtels dürfte der Grund für den Preisrutsch gewesen sein. Dort hieß es, dass es in den nächsten  6 bis 10 weniger Niederschlag geben würde, bevor die Regenfälle dann zurückkehren. Allerdings würden nach einer erneuten Abkühlung gleichzeitig unterdurchschnittliche Temperaturen herrschen – was für die Pflanzung auf dem noch immer sehr kalten und nassen Boden nicht gut ist.

Die private Analystenfirma IEG Vantage (vorher Informa Economics) hat die Anbaufläche bei Mai am Mittwoch auf 84,94 Mio. Acres (34,47 Mio. ha) geschätzt. Damit bleibt Informa immerhin  7,9 Mio. Acres (3,2 Mio. ha) unter der USDA-Schätzung vom März. Die Aussaatfläche von Mais veranschlagt Informa auf 85,0 Mio. Acres (34,4 Mio. ha) und damit 4,6 Mio. Acres (1,9 Mio. ha) kleiner als das USDA. Bei Sommerweizen liegt die Informa-Schätzung bei 12,2 Mio. Acres (4,9 Mio. ha) und damit 0,6 Mio. Acres unter der USDA-Prognose. 

Das sind alles bullische Nachrichten, auf die die Märke am Donnerstag beim Weizen und beim Mais mit kräftig steigenden Kursen reagieren. Beim Winterweizen hat der viele Regen nach Berichten aus Kansas zudem für erheblichen Krankheitsdruck gesorgt.

Mit Skepsis nahm der Markt hingegen eine Mitteilung von Smithfield Foods zur Kenntnis. Der US-Fleischriese hat mindestens zehn Ladungen brasilianischen Mais sowie größere Mengen argentinischen und paraguayischen Mais gekauft. Die Lieferung ist für September bis Januar geplant und zeigt die Befürchtungen einer Knappheit und hoher Preise nach der neuen Ernte.

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