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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Getreidepreise so hoch wie nie zuvor? – Marktschock und Folgen

getreideernte.
am Montag, 16.08.2021 - 12:00 (2 Kommentare)

Noch ist der Marktschock nicht verarbeitet. Die Getreidepreise durchbrechen weiter alle bisherigen Stoppmarken auf ihrem Weg nach oben.

weizenpreise.

Auslöser war der USDA-Bericht der letzten Woche, der eine weltweit sehr knappe Versorgungslage prognostizierte und damit einen weiteren sehr starken Preissprung an den Terminmärkten und am Kassamarkt auslöste.

Und in der neuen Woche steigen die Getreidepreise weiter. Im vorbörslichen Handel in Chicago stehen bei allen Getreidearten und bei Ölsaaten grüne Vorzeichen. Das dürfte die Kurse für Weizen, Gerste und Mais auch in Europa noch weiter nach oben treiben.

Am Freitag hatte der vordere Weizenpreis an der Matif (September) den Handel mit einem Plus von 8,75 Euro bei 254,50 Euro pro Tonne beendet. Damit haben die Weizenpreise fast wieder das letzte Rekordhoch von Anfang Mai erreicht.

Am Großmarkt und Exporthafen Hamburg wurde der Brotweizen am gleichen Tag mit 256 Euro gehandelt. Am wichtigsten französischen Exporthafen Rouen notierte man den Brotweizen am Freitag mit 258 Euro je Tonne.

Für Futtergerste wurden in Hamburg am Freitag 217 Euro je Tonne geboten – 10 Euro mehr als vor einer Woche. Noch deutlich mehr Geld bekamen die Lieferanten von Gerste (wegen der Exporte nach China) am französischen Exporthafen Routen – nämlich 245 Euro je Tonne. Das dürfte auch die deutschen Gersten-Preise weiter nach oben ziehen.

Am Montag Nachmittag werden für Futtergerste in Hamburg Preise von 233 Euro je Tonne geboten – ein sehr deutliches Plus zum Freitag. Brotweizen notiert am Exporthafen Hamburg Montag Nachmittag bei 256 Euro je Tonne und Futterweizen wird mit mit 254 Euro je Tonne notiert.

Marktschock noch nicht verarbeitet – explosive Lage

Getreidepreise.

Das US-Landwirtschaftsministerium hat letzte Woche seine Prognose für die weltweite Weizenproduktion 2021/22, für die Endbestände und den Export, unter Berufung auf schlechtes Wetter in Russland, Kanada und den Vereinigten Staaten deutlich gesenkt.

Ungünstiges Wetter hat auch die Ernteaussichten in der Europäischen Union beeinträchtigt und zu einem potenziell "explosiven" globalen Angebotsausblick beigetragen, sagte das Analystenunternehmen Strategie Grains in seinem Marktausblick vorige Woche. Außerdem hatte das USDA auch seine Schätzung der US-Maisproduktion stärker nach unten korrgiert, als die meisten Analysten erwartet hatten.

„Nach dem großen Schock bei den globalen Getreide-Bilanzen und mit dem Herannahen des Schließens der Optionen für den Monat September, jagen die Anleger dem Markt hinter, weil sie mit einem solchen Kursanstieg nicht gerechnet hatten", sagt der französische Analyst Damien Vercambre von der Analysten-Firma Inter-Courtage.

Niedrigere Ernteerträge in Russland und Kanada, Dürreschäden beim nordamerikanischen Sommerweizen und starke Regenfälle während der Ernte in der Europäischen Union haben die Unsicherheit über die weltweite Getreideernte und die möglichen Exporte erheblich erhöht.

Die veränderte Situation verändert auch das Angebots- und Nachfragehalten an den Kassamärkten spürbar. Das betrifft sowohl Landwirte als auch Getreidehändler und große Importeure – wie etwa China.

Wetter lässt europäische Weizenernte schrumpfen

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Die europäischen Analysten von Strategie Grains haben ihre Prognose für Weizen- und Gerstenernten in der Europäischen Union vorige Woche ebenfalls gesenkt. „Das widrige Wetter in weiten Teilen der EU hat die Aussichten für Weizen- und Gerstenernte stark reduziert, was zu einem potenziell explosiven globalen Angebotsausblick für Getreide beigetragen hat“, sagte das Analystenunternehmen Strategie Grains.

In seinem Monatsbericht senkte das französische Unternehmen die Prognose für die Weichweizenproduktion 2021 in den 27-Ländern der EU um 1,5 Millionen Tonnen auf 131,5 Millionen Tonnen. "Nasses  Wetter und wiederholter Starkregen während der Ernte habe zu enttäuschenden Erträgen in Frankreich und Deutschland geführt, während die hohen Temperaturen im Juni die Erträge in Polen und Nordeuropa verringerten", sagte Strategie Grains. Die revidierte EU-Weichweizen-Prognose würde dennoch 12,7 Millionen Tonnen über vorjährigen Produktion der Europäer liegen, sagen die Analysten.

Strategie Grains sagt jedoch auch, dass sich die Ernteaussichten in anderen wichtigen Exportregionen wie Nordamerika und Russland ebenfalls enorm verschlechtert haben. Strategie Grains reduzierte seine Prognose für die weltweiten Weizenproduktion, einschließlich Durum, um 14 Millionen Tonnen auf nur noch 750,3 Millionen Tonnen. Trotz hoher Preise und der Verbreitung der Coronavirus-Variante Delta wird die weltweite Weizennachfrage nach Einschätzung der Analysten 2021/22 weiter steigen.

Dies könnte dazu führen, dass das Verhältnis von Lagerbeständen zum Verbrauch in wichtigen Exportländern auf den zweitniedrigsten Stand seit 2012/13 sinkt, sagte Strategie Grains. Die prognostizierten EU-Weichweizenexporte im Wirtschaftsjahr 2021/22 wurde gegenüber dem Vormonat indessen um 1,7 Millionen Tonnen auf 32,7 Millionen Tonnen erhöht, trotz deutlich schlechterer Weizen-Qualitäten in der EU-Ernte, teilte das Unternehmen mit. Denn: Weltweit ist der Weizen sehr knapp.

Die Europäische Kommission meldete bis zum 08. August europäische Weizenexporte von 1,8 Millionen Tonnen – davon 446.000 Tonnen aus Frankreich, 709.000 Tonnen aus Rumänien und 70.000 Tonnen aus Deutschland.

Auch Gerste weltweit knapp und teuer

Gerstenpreise.

Strategie Grains erwartet außerdem, dass der Anteil der Futtergetreide an der Weichweizenernte deutlich höher sein wird als im letzten Jahr, was die Auswirkungen der starken Regenfälle auf die Weizenqualität widerspiegelt. Die prognostizierte EU-Gerstenproduktion wurde gegenüber der Juli-Schätzung ebenfalls um 2 Millionen Tonnen auf 53,0 Millionen Tonnen gesenkt. Gleichzeitig hat das Unternehmen seine Prognose für die weltweite Gerstenproduktion um 7 Millionen Tonnen reduziert.

Angesichts der Dürre, die die Ernten beim großen Gersten-Exporteur Kanada schrumpfen lässt, sah sich der Markt nach Einschätzung der Analysten mit „explosiven Situationen für Gerste und Weizen“ konfrontiert. Eine Folge dieser Verknappung ist, dass jetzt die Nachfrage der Futtermittelhersteller nach Mais spürbar anzieht – um die entstandenen Lücken zu stopfen. Das zieht natürlich auch die Maispreise nach oben. Am Terminmarkt in Paris kostet der Mais der neuen Ernte derzeit gut 220 Euro je Tonne. Am wichtigsten franzöischen Handelsplatz Bordeaux sind die Preisvorstellungen ähnlich hoch.

Dabei ist schon seit Mitte Juli eine deutliche Zunahme der europäischen Exportaktivitäten bei Futter-Gerste zu beobachten. Die Verladungen im franzöischen Hafen von Rouen beschleunigten sich in der vergangenen Woche spürbar, insbesondere getrieben durch sehr dynamische chinesische Einkäufe. Das zeigen auch die sehr hohen französischen Gerstenpreise von 245 Euro je Tonne, die noch höher sind als die bereits hohen Preise in Deutschland. Einkäufe aus Algerien und anderen Regionen wurden ebenfalls gemeldet.

Die Europäische Kommission meldete bis zum 08. August europäische Gerstenexporte von 1,4 Millionen Tonnen – davon 565.000 Tonnen aus Frankreich, 628.000 Tonnen aus Rumänien und immerhin 160.000 Tonnen aus Deutschland.

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