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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise sind Spielball von Geopolitik und Marktkräften

Getreidelager.
am Montag, 19.09.2022 - 10:01 (2 Kommentare)

Die Weizenpreise schwanken weiter heftig und geben in der neuen Woche im vorbörslichen Handel erneut nach. Am Freitag notierte der vordere Weizenkontrakt am europäischen Terminmarkt bei knapp 334 Euro je Tonne. Das waren 4 Euro weniger als eine Woche zuvor. Die Maispreise notierten am europäischen Terminmarkt für die neue Ernte bei 328 Euro je Tonne – und damit exakt auf dem gleichen Stand wie eine Woche zuvor. Die Preise für Futtergerste lagen am Hamburger Exporthafen und Großmarkt am Freitag bei mit 302 Euro je Tonne.

weizenpreise weiter unter druck.

Die Exporte vom Schwarzen Meer und hohe Ernteprognosen aus Russland setzen die Getreidepreise immer wieder unter Druck. Auch die Sorgen, dass sich durch eine schwere globale Rezession die Nachfrage nach Getreide spürbar verschlechtern könnte, drücken die Getreidepreise.

Auf der anderen Seite stützen die ungünstigen Aussaatbedingungen in den USA und Argentinien die Getreidepreise. Laut der Warenbörse von Buenos Aires leidet fast die Hälfte der argentinischen Getreideanbauflächen unter Wassermangel und ist mit den trockensten Bedingungen seit rund 30 Jahren konfrontiert. Ungünstige Wetterbedingungen für die Aussaat in den USA stützen die Weizenpreise ebenfalls.

Die anhaltenden Diskussionen um die Schwarzmeerexporte wecken am Markt immer wieder Sorgen über die Aufrechterhaltung des Schwarzmeerkorridors. Insgesamt 165 Schiffe mit insgesamt 3,7 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Produkte an Bord haben die Ukraine im Rahmen des von den Vereinten Nationen vermittelten Abkommens zur Freigabe ukrainischer Seehäfen bisher verlassen, teilte das ukrainische Infrastrukturministerium am Sonntag mit.  

Die Vereinten Nationen drängen nun darauf, dass russischer Dünger in die Vereinbarung aufgenommen wird, und Putin sagte am Freitag, Moskau sei bereit, den Entwicklungsländern mehr als 300.000 Tonnen russischer Düngemittel kostenlos zur Verfügung zu stellen, wenn Europa zustimmt, die Sanktionen gegen russische Exporte zu lockern.

In Frankreich geht indessen die Maisernte schnell voran. Rund 14 % der Flächen waren vorige Woche abgeerntet, doch die Erträge sind besorgniserregend. FranceAgriMer behielt seine Körnermais-Bewertung „gut bis sehr gut“ mit 43 % bei, was einem Rückgang von 46 Punkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Der europäische Getreidehandelsverband Coceral senkte am Freitag seine Maisernteprognose für die EU von 66,0 Millionen Tonnen auf 51,9 Millionen Tonnen und berief sich auf heißes, trockenes Wetter.

Europäischer Weizenexport läuft gut, Gerstenexport nicht - hohe Maisimporte

maispreise.

Die Länder der europäischen Union haben zwischen dem 1. Juli und dem 11. September rund 7,8 Millionen Tonnen Weizen exportiert. Da sind 375.000 Tonnen mehr als im vorigen Jahr, als zu diesem Termin 7,4 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verkauft waren.

Größter Einzelexporteur ist weiterhin Frankreich mit Weizenausfuhren von mehr als 3,01 Millionen Tonnen. An zweiter Stelle rangiert der Schwarzmeer-Anrainer Rumänien – mit Ausfuhren von 1,2 Millionen Tonnen Weizen. Polnische Exporteure haben immerhin schon 804.000 Tonnen Weizen in Drittländer verkauft und aus Bulgarien flossen 825.000 Tonnen Weizen auf den Weltmarkt.

An den deutschen Exporthäfen wurden bislang 588.000 Tonnen Weizen verladen. Hauptabnehmer von europäischem Weizen waren bis dahin Algerien und Marokko - sowie mit deutlichem Abstand Ägypten, Pakistan und Nigeria.

Was den europäischen Export von Futtergerste betrifft, so wurden bis zum 11. September rund 1,95 Millionen Tonnen in Drittländer verschifft – im Vergleich zu 3,0 Millionen Tonnen im vorigen Jahr. Das ist ein Rückgang der Ausfuhren von mehr als 35 %. Deutschland kommt hier auf Ausfuhren von 507.000 Tonnen –Frankreich verkaufte 732.000 Tonnen und Rumänien mit 596.000 Tonnen. Hauptabnehmer waren bisher Saudi-Arabien, China, der Iran, Jordanien und Tunesien.

Die europäischen Maisimporte betragen bislang 5,1 Millionen Tonnen, im Vergleich zu 3,1 Millionen Tonnen im vorigen Jahr – und gingen hauptsächlich nach Spanien, in die Niederlande, nach Polen, Portugal und Italien. Hauptlieferanten waren bislang zu fast Brasilien und die Ukraine mit 1,7 Millionen Tonnen oder 35 % aller Lieferungen.

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