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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Darum steigen die Getreidepreise 2021 weiter steil an

Getreide wird mit Schaufel verladen
am Montag, 04.01.2021 - 12:30 (2 Kommentare)

Wenn Preise Knappheiten anzeigen, dann ist Getreide im Moment sehr knapp.

Anstieg der Weizenpreise am europäischen Terminmarkt Januar 2021

Die Exportpreise für fast alle Getreidearten befinden sich jedenfalls auf Mehrjahreshochs. Und: Futtergetreide – also Mais – ist in Europa und vielen anderen Regionen der Welt derzeit sogar teurer als der bereits sehr teure Weizen. Der Grund: Offenbar übertrifft die Nachfrage aus China und anderen großen Importländern das zuletzt deutlich zusammengeschrumpfte Angebot an Mais (und Sojabohnen) – aus den USA, Südamerika und der Ukraine.

Hinzu kommt: Sehr starke Preisanstiege bei Nahrungs- und bei Futtergetreide in solch wichtigen Exportländern wie Russland, der Ukraine und Argentinien. Diese Entwicklung hat in diesen Ländern bereits zu Exportbeschränkungen und höheren Exportzöllen geführt und das treibt natürlich auch die Weltmarktpreise für Getreide und Sojabohnen weiter nach oben. Wie lange sich diese Preise-Entwicklung noch fortsetzt, hängt im Moment vor allem von der weiteren Entwicklung des Wetters und der bevorstehenden Ernte in Südamerika ab.

Sollte die neue Ernte in Argentinien und Brasilien so schlecht ausfallen – wie die Märkte derzeit erwarteten und einpreisen – dürfte wohl erst die nächste Ernte auf der Nordhalbkugel spürbare Verbesserungen im globalen Angebot bringen. Und da sieht es beispielsweise in Russland  derzeit für die neue Weizenernte auch nicht so gut aus.

Lediglich in Australien zeigen die Daten der aktuellen Ernte sehr gute Ergebnisse bei Weizen, Gerste und auch bei Raps. Doch die außergewöhnlich starke globale Nachfrage aus China bleibt vor dem Hintergrund des raschen Neuaufbaus der dortigen Schweinebestände sehr hoch und saugt das derzeit verfügbare Angebot auf – wie ein Staubsauger.

Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise im neuen Jahr bis auf knapp 216 Euro je Tonne gestiegen – das sind die höchsten Preise seit dem Dürrejahr 2018. Die neue Weizen-Ernte 2021 wird immerhin hin noch mit  knapp 195 Euro je Tonne gehandelt. Die europäischen Maispreise sind sogar bis auf 220 Euro je Tonnen gestiegen und notieren damit nicht nur auf einem Mehrjahreshoch, sondern sogar noch höher als der Weizen.

Die aktuellen Erzeugerpreise für Weizen finden Sie im Marktbereich auf agrarheute.

Argentinien stoppt den Maisexport – bis März

Anstieg der Maispreise am europäischen Terminmarkt im Januar 2021

Ein Grund für die aktuelle Explosion der Maispreise ist: Argentinien hat den Verkauf von Mais für den Export bis zum 28. Februar gestoppt. Das teilte das Landwirtschaftsministerium am vorigen Mittwoch mit. Hintergrund sind die Bemühungen der argentinischen Regierung, eine ausreichende Versorgung mit einheimischen Lebensmitteln sicherzustellen und die ausufernde Nahrungsmittelinflation zu bremsen.

Der Schritt des globalen Top-Maisexporteurs Argentinien war auch ein Zeichen für die weitere Verschärfung der Probleme bei der weltweiten Lebensmittelversorgung während der COVID-19-Pandemie. „Diese Entscheidung basiert auf der Notwendigkeit, die heimische Versorgung mit Getreide sicherzustellen, denn es wird auch als Rohstoff für die Produktion von tierischem Eiweiß wie Schweinefleisch, Geflügel, Milch und Rindern benötigt, heißt es in der Erklärung der argentinischen Regierung.

Dabei ist der Mais ein ganz entscheidender Bestandteil der Produktionskosten, heißt es weiter. Die argentinische Regierung kämpft weiterhin darum, die Inflation der Lebensmittelpreise zu kontrollieren und einkommensschwachen Familien zu helfen, die mit einer während der Pandemie stark schrumpfenden Wirtschaft und hohen Einkommensverlusten zu kämpfen haben. Importeure können trotz des Exportstopps weiterhin Mais aus Argentinien kaufen, jedoch nur für einen Versandtermin nach dem 1. März (neue Ernte).

Die Mais-Preise am Terminmarkt in Chicago kletterten am vorigen Mittwoch nach der Ankündigung Argentiniens auf den höchsten Stand seit mehr als 6 Jahren.

La Nina bedroht die Ernte in Argentinien und Brasilien

Getreide wird einer Baggerschaufel verladen

Argentinien ist außerdem auch ein großer Sojabohnen- und Weizenexporteur sowie der weltweit größte Exporteur von Sojaschrot. „Bisher wurden 34,2 Millionen Tonnen Mais aus der Saison 2019/20 für den Export zugelassen, von insgesamt 38,5 Millionen Tonnen die zur Verfügung standen", heißt es in der Erklärung. Ziel der Exportbeschränkung ist es, dass die verbleibenden 4,27 Millionen Tonnen für den Inlandsverbrauch verfügbar bleiben, um die Versorgung vor der neuen Ernte sicherzustellen, wenn die Versorgung mit Getreide tendenziell knapp ist".

Argentiniens Sojabohnenfläche für die neue Ernte 2020/21 dürfte aufgrund des ungewöhnlich trockenen Wetters kleiner als die geplanten 17,2 Millionen Hektar sein, teilte die Getreidebörse von Buenos Aires in ihrem wöchentlichen Erntebericht mit. In diesem Jahr wurde die Produktion von Mais, Soja und Weizen in Argentinien – aber auch in Brasilien –  durch das La-Nina-Klimaphänomen erheblich beeinträchtigt, was beide südamerikanische Länder trockener – und die anstehenden Ernten wohl deutlich kleiner macht. „Felder, die bislang noch nicht mit Soja oder Mais bepflanzt wurden, können aufgrund mangelnder Feuchtigkeit möglicherweise nicht mehr bepflanzt werden", teilte die Börse mit.

Bislang wurden nach Auskunft der Getreidebörse in Argentinien (erst) 77,2 Prozent der erwarteten Sojafläche bestellt. Gleichzeitig wurden 61,2 Prozent der erwarteten 6,3 Millionen Hektar Mais bestellt, während außerdem 79,3 Prozent der prognostizierten Weizenproduktion des Landes für 2020/21 geerntet wurden. Die argentinischen Landwirte könnten in diesem Jahr rund 16,8 Millionen Tonnen Weizen von den Feldern holen.

Weizen-Exportpreise in Russland steigen steil an

Anstieg der Weizenpreise in Chicago auf Sechsjahreshoch im Januar 2021

In Chicago stiegen auch die Weizen-Futures auf ein Sechsjahreshoch, da davon ausgegangen wird, dass die russischen Exporte aufgrund der Exportquote deutlich sinken werden und die globale Versorgung sich dadurch weiter verschlechtert. Russland, der weltweit größte Weizenexporteur, wird eine Quote für Exporte von Weizen, Roggen, Gerste und Mais einführen, die die Exporte für den Zeitraum vom 15. Februar bis 30. Juni auf 17,5 Millionen Tonnen begrenzt, sowie eine Weizenexportsteuer von 25 Euro pro Tonne innerhalb dieses Zeitraums.

SovEcon, ein russisches Beratungsunternehmen, rechnet nur noch mit russischen Weizenexporten von rund 36,3 Millionen Tonnen, verglichen mit einem früheren Ausblick von 40,8 Millionen Tonnen aufgrund der Exportquote, die eingeführt wurde, um die inländischen Lebensmittelpreise in Schach zu halten. Einige Landwirte des Landes könnten den Weizenverkauf bis Juli verzögern, bis die Quote voraussichtlich endet, heißt es seitens der Analysten.

Die russischen Weizenexportpreise stiegen zuletzt in Folge der bevorstehenden Weizenexportsteuer weiter an, sagen die Analysten, fügten jedoch hinzu, dass der Handel vor den langen Neujahrsferien immer schwächer wird. Russischer Weizen mit einer Proteingehalt von 12,5 % wurde an den Schwarzmeerhäfen letzte Woche für 262 USD pro Tonne (Free-on-Board, FOB) angeboten, ein Plus von 5 USD gegenüber der Woche zuvor.

Analysten berichten außerdem, dass der Weizen nach Mitte Februar, wenn die Exportsteuer eingeführt ist, für 270 USD pro Tonne angeboten wird. Außerdem stiegen die Exportpreise für Gerste zuletzt um 2 USD auf 220 USD USD pro Tonne. In Russland sind vom 1. bis 10. Januar an Feiertage und der Handel kommt zum Stillstand. Derzeit gibt es zudem Verzögerungen bei der Bereitstellung von Getreidewaggons für den Transport zu südlichen Exporthäfen, berichten verschiedene Analysten.

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