Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise steigen weiter: Heftige Turbulenzen beim Getreideexport

Getreideschiff.
am Donnerstag, 28.07.2022 - 14:09 (Jetzt kommentieren)

Die Weizenpreise sind diese Woche kräftig gestiegen, trotz der möglichen Getreideexporte aus der Ukraine. Nun hat der größte Getreideimporteur Ägypten eine große Lieferung aus der Ukraine storniert. Im laufenden Handel am Donnerstag steigen die Weizenpreise um 3 Euro auf 343 Euro je Tonne. Der vordere Maiskontrakt legt um 4,50 Euro auf 357 Euro je Tonne zu und notiert damit erstmals seit langem über dem Weizen.

getreidepreise.

Ägypten, der größte Weizenimporteure der Welt, hat Verträge über insgesamt 240.000 Tonnen ukrainischen Weizens storniert. Diese wurden vom staatlichen ägyptischen Getreidekäufer GASC für die Lieferung im Februar und März gebucht, aber aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine nie geliefert. Das berichten Reuters und andere internationale Nachrichtenagenturen unter Berufung auf ägyptische Quellen.

Reuters hatte bereits im Mai berichtet, dass mehrere 100.000 Tonnen ukrainischer Weizen, der zuvor von Ägypten gekauft wurde, in der Ukraine feststecken, wobei ein Schiff im Hafen festsaß und vier weitere noch geladen werden mussten.

Die GASC hat nun die Handelsunternehmen, die das Getreide liefern sollten von ihren vertraglichen Verpflichtungen befreit, heißt es weiter, obwohl es in den Verträgen keine Klausel über höhere Gewalt gibt.

Aber offensichtlich rechnet man trotz der geplanten Öffnung an den ukrainischen Schwarzmeerhäfen nicht mehr mit einer planmäßigen Lieferung des bestellten Getreides. Offenbar schauen sich die Ägypter nach anderen Lieferanten für die ausfallenden Lieferungen um – etwa Russland oder auch Frankreich, Rumänien und Deutschland.    

Ägypten: Rund 85 % der Importe kamen vom Schwarzen Meer

maispreise.

Russland und die Ukraine haben letzte Woche ein Abkommen unterzeichnet, um die durch den Krieg blockierten Getreide- und Düngemittelexporte aus dem Schwarzen Meer wieder aufzunehmen. Es war unklar, ob die GASC-Verträge gekündigt worden waren, bevor der Deal zur Wiederaufnahme der Schifffahrt vereinbart wurde.

Ägypten, normalerweise der größte Weizenimporteur der Welt, war bisher stark von Lieferungen von Schwarzmeerweizen abhängig, die durch die Hafenblockade unterbrochen wurden. Seitdem versucht das Land, andere Lieferanten zu finden, indem es im Juli mehr als eine Million Tonnen Weizen durch Ausschreibungen und Direktkäufe gekauft hat (auch aus Deutschland), um seine strategischen Reserven zu erhöhen.

Der vom USDA prognostizierte ägyptische Weizenimport nach Ägypten lag im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 2021/22 bei 11,5 Mio. Tonnen und für die neue Saison 2022/23 rechnen die US-Analysten mit Einfuhren von 11 Millionen Tonnen.

Der gemeinsame Anteil der Ukraine und Russlands an den Lieferungen vor dem Krieg lag bei 85 %, berichten die Analysten von AKP-Inform.

Schiffe stecke weiter fest und es fehlen Seeleute

Etwa 80 Schiffe stecken jedoch weiter an den Schwarzmeerhäfen der Ukraine fest. Offenbar fehlt es derzeit auch an Personal die Schiffe wieder in Betrieb zu nehmen, denn oftmals wurden die Seeleute zum Beginn des Konflikts evakuiert. Zu Beginn des Konflikts Ende Februar waren etwa 2.000 Seeleute aus aller Welt an Bord von 94 Schiffen in ukrainischen Häfen gestrandet, berichtet Reuters.

Im Rahmen des von den Vereinten Nationen vermittelten Abkommens könnten die ersten Lieferungen ukrainischen Getreides theoretisch innerhalb weniger Tage die Häfen am Schwarzen Meer verlassen, sagen offizielle Stellen. Es wird jedoch erwartet, dass nur wenige Seeleute bereit sind, in die Region zu reisen, bis sie die sichere Passage der ersten Schiffe sehen, die um Seeminen herumgeführt werden müssen.

Seit Beginn des Krieges wurden sieben Handelsschiffe von Rakten getroffen – von denen zwei gesunken sind. Der internationale Versicherungsmarkt hat die gesamte Region als Hochrisikogebiet bewertet, was steigende Kosten für Getreidelieferungen bedeutet.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...