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Getreidemarkt und Getreidepreise

Darum steigen die Getreidepreise für die neue Ernte steil an

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am Montag, 19.04.2021 - 11:11 (Jetzt kommentieren)

Die Getreidepreise steigen wieder sehr kräftig an. Diesmal geht es auch für die neue Ernte steil nach oben. Das sind die Gründe.

weizenpreise.

Am Terminmarkt in Paris wurde der neuerntige Weizen erstmals zu Preisen von 207 Euro/t gehandelt und für den vorderen Maitermin wurden an der MATIF knapp 218 Euro/t notiert. Das heißt auch: Der Preisabstand zwischen alter und neuer Ernte hat sich zuletzt erheblich verringert.

Und zum Beginn der neuen Woche steigen die Getreidepreise weiter kräftig an. Im vorbörslichen Handel in Chicago notieren Weizen, Mais und Soja am Montag erneut deutlich im Plus. Das wird auch die Getreide- und Rapspreise in Europa weiter beflügeln.

Hauptgrund für die steigenden Kurse ist das Wetter in wichtigen Weizenregionen und die Befürchtung, dass die neue Ernte in Nordamerika und möglichweise auch in Europa kleiner als ausfällt als bislang erwartet.

Derzeit sind die Konditionen für die Aussaat von Sommerweizen in den nördlichen Hauptanbaugebieten der USA und in Kanada aufgrund einer anhaltenden Trockenheit extrem schlecht. Hinzu kommt in den USA  – ähnlich wie auch in Frankreich – eine heftige Kältewelle, die die Wintersaaten beim wichtigsten europäischen Weizenproduzenten und Exporteur, ebenso wie den Winterweizen in den USA, spürbar geschädigt haben könnte.

Auch die Mais- und Sojapreise steigen wegen der wachsenden Sorgen über die widrigen Wetterbedingungen bei der Aussaat in den USA. Hinzu kommt: In Brasilien beeinträchtigt eine ausgeprägte Trockenheit den Aufwuchs der nach Soja sehr spät gesäten zweiten Maisernte. Und nicht zuletzt kauft China weiterhin große Mengen Mais, Weizen und Sojabohnen am Weltmarkt und sit trotzdem knapp versorgt – also der perfekte Sturm am Getreidemarkt.

Kälteeinbruch und Frostschäden in Frankreich?

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Wie stark der Kälteeinbruch in Frankreich die Getreidekulturen geschädigt hat, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen, teilte vorige Woche die französische Agrarbehörde FranceAgriMer mit. Aber es gibt große Sorgen hinsichtlich der Schäden im zentralen und südlichen Teil des Landes, hieß es weiter. In vielen Teilen Frankreichs waren die Temperaturen mehrere Nächte hintereinander unter Null Grad Celsius gefallen.

Dies hat nach ersten Angaben vor allem bei Wein, Obst und Zuckerrüben erhebliche Schäden hinterlassen. Die Regierung hat deshalb eine landwirtschaftliche Katastrophen-Situation ausgerufen und finanzielle Hilfe zugesagt.

Die Terminbörse in Paris hat auf die befürchteten Produktionsausfälle allerdings schon reagiert und ist für die neue Weizenernte (Septembertermin) in nur einer Woche um fast 10 Euro auf 207 Euro je Tonne gestiegen. So hoch wurde der neuerntige Weizen zuvor überhaupt noch nicht gehandelt. Allerdings ist auch der alterntige Weizen vorige Woche um mehr als 10 Euro auf knapp 218 Euro je Tonne nach oben geschossen.

Am Hamburger Großmarkt und Exporthafen handelte man den Brotweizen am Ende der vorigen Woche mit 232 Euro je Tonne und damit 7 Euro teurer als noch zum Beginn der Woche – und zudem deutlich über den Terminmarktkursen. Für Futtergerste wurden in Hamburg am Freitag 196 Euro geboten, das waren 3 Euro mehr als zu Beginn der Woche. Das hohe Preisniveau am Kassamarkt zeigt, dass die Nachfrage nach deutschem Exportweizen weiterhin sehr hoch und das Angebot knapp ist - was die Preise weiterhin weit oben hält.

Die Daten der Europäischen Kommission zeigen, dass deutsche Exporteure bis zum 11. April rund 2,65 Millionen Tonnen Weizen und 1,13 Millionen Tonnen Gerste in Drittländer verkauft haben. Frankreich kommt zum gleichen Termin auf 6,2 Millionen Tonnen Weizen und 2,6 Millionen Tonnen Gerste.

Kälteeinbruch und langsame Aussaat in den USA

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In den USA sind die Preise für Weizen, Mais und Sojabohnen vorige Woche ebenfalls kräftig gestiegen. Mais kletterte zeitweise sogar über die 600-Cent-je-Buschel-Marke und damit den höchsten Stand seit Juni 2013. Hintergrund sind die witterungsbedingt schleppende Aussaat im Mittleren Westen bei Mais und Soja und die trockenheitsbedingten Aussaatprobleme beim Sommerweizen im Norden der USA und in Kanada. Der aktuelle starke Kälteeinbruch könnte außerdem den Winterweizen im Süden der USA schädigen.

Die Weizenpreise in Chicago stiegen bereist am Freitag über 650 Cent je Buschel und damit den höchsten Stand seit mehr als einem Monat, und sie ziehen im vorbörslichen Handel am heutigen Montag weiter steil an – bis auf 660 Cent, während Sojabohnen wieder weit über die 1.400 Cent-je-Buschel-Marke kletterten. Im Unterschied zu den europäischen Weizenpreisen wird die neue Weizen-Ernte in den USA schon seit einiger Zeit ähnlich hoch oder sogar etwas höher gehandelt wie der alterntige Weizen.

Bei Mais und Soja kommt hinzu: Das USDA hatte die Anbaufläche von Mais und Soja Anfang des Monats in den USA deutlich kleiner eingeschätzt als von Analysten erwartet wurde und damit einen kräftigen Preissprung ausgelöst. Nun wird befürchtet, dass das schwierige Wetter im Mittelwesten und im Norden Aussaat und Wachstum zusätzlich belasten und die Produktion noch kleiner ausfällt. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Getreide und Soja sowohl im Export als auch am US-Binnenmarkt sehr stark und die Bestände schrumpfen deutlich.

Brasiliens Mais mit Trockenschäden

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Auch aus Brasilien kommen Nachrichten, die die Maispreise nach oben treiben. Analysten erwarten dort deutliche Auswirkungen des trockenen Wetters auf die zweite Maisernte (Safrina). Die Situation könnte sehr schnell eskalieren, glauben einige Getreidehändler, wenn es in den USA ein größeres Wetterproblem gibt. Dann dürfte die kommende brasilianische Maisernte noch wichtiger werden. Bislang wird die gesamte brasilianische Maisernte vom USDA auf 109 Millionen Tonnen geschätzt – davon sind etwa drei Viertel Safrina-Mais.

Nun sind erste Stimmen zu hören, die sagen, dass die anhaltende Trockenheit 10 Millionen Tonnen Ertrag oder mehr kosten könnte. Die Landwirte in Brasilien haben den „zweiten Mais“ wegen der witterungsbedingt extrem langsamen Sojaernte deutlich außerhalb des idealen Zeitfensters gesät. Schon deshalb sind Ertragsverluste wahrscheinlich, hatte das Beratungsunternehmen AgRural vorige Woche festgestellt.

Die Analysten reduzierten ihre Schätzung für die zweite Maisernte auf 80,1 Millionen Tonnen. AgRural teilte weiter mit, dass das sehr trockene und heiße Wetter in weiten Teilen von Paraná, Mato Grosso do Sul und São Paulo anhält. In anderen Staaten, in denen es einige Regenfälle gab, ist die Situation etwas besser.

China kauft weiter sehr viel Getreide

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Gestützt werden die Getreidepreise weiterhin durch die starke Nachfrage aus China. Die Importe der Chinesen bei Sojabohnen sowie Getreide wie Mais und Weizen stiegen im ersten Quartal des Jahres offenbar stark an, was vor allem auf die große Nachfrage durch den wachsenden Schweinebestand verursacht wird. Nach den offiziellen chinesischen Zolldaten haben sich die Sojabohnenimporte allein im März gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt.

Zudem stiegen die Einfuhren von Mais und Weizen im ersten Quartal aufgrund des knappen eigenen Angebots und der auf Rekordstand gestiegenen inländischen Maispreise. Chinas offizielle eigene Schätzung der Maisimporte wurde für das aktuelle Wirtschaftsjahr um 12 Millionen Tonnen angehoben. Das USDA geht derzeit für das laufende Wirtschaftsjahr von rekordhohen Einfuhren von 24 Millionen Tonnen Mais und 10,5 Millionen Tonnen Weizen aus.

Vorige Woche erhöhte China den Mindestpreis für Weizen, der aus staatlichen Reserven versteigert wird, von 2.290 Yuan (298 Euro) auf 2.350 Yuan (306 Euro) pro Tonne, teilte das zuständige National Grain Trade Center mit.

Chinesische Händler und Futtermittelhersteller haben wegen der sehr hohen Maispreise verstärkt Weizen aus staatlichen Reserven gekauft, um den sehr teuren Mais im Tierfutter zu ersetzen. Der Nachfrageboom nach Weizen hat indessen auch die Preise für Nahrungsweizen in die Höhe getrieben. 

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