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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise steigen steil an – Eskalation des Ukraine-Konflikts

Getreideschiff.
am Donnerstag, 29.09.2022 - 12:03 (6 Kommentare)

Die Weizenpreise sind auf den höchsten Stand seit drei Monaten gestiegen. Ursache ist die Eskalation des Ukraine-Russland-Konflikts. Die Sorgen von Getreidehändlern und Importeuren über mögliche Exportausfälle der beiden Schwarzmeerländer nehmen zu. Dabei erwartet Russland eigentlich eine Rekordernte und die Ukraine verschifft erhebliche Mengen Getreide über das schwarze Meer und die Donau.

Weizenpreise.

Die europäischen Weizenpreise stiegen am Mittwoch erstmals seit Juli wieder über die 350-Euro-Marke auf knapp 354 Euro je Tonne. Im Wochenverlauf haben die Weizenpreise damit um rund 10 Euro bzw. etwa 3 % zugelegt. Auslöser für den Preisanstieg waren die wachsenden Sorgen über eine weitere Eskalation des Konflikts zwischen den großen Getreideexporteuren Russland und der Ukraine.

Hinzu kommen die sehr trockenen Bedingungen im Mittelwesten der USA und in den wichtigsten Aussaatgebieten für Wintergetreide, sagten Analysten.

Die Maispreise folgten dem Weizen nach oben und notierten nur noch knapp unter 340 Euro je Tonne. Die Rapspreise steigen ebenfalls weiter auf 607 Euro je Tonne, nachdem sie zeitweise (mit den Ölpreisen) deutlich unter 600 Euro gefallen waren.

Russland ist offenbar bereit, einen Teil der Ukraine zu annektieren, nachdem in den besetzten Gebieten Scheinreferenden abgehalten wurden.

Die Ukraine forderte die Europäische Union am Montag auf, ihre Pläne zu unterstützen, die Notwege für Getreideexporte durch die EU dauerhaft zu machen, mit Investitionen in mindestens fünf Grenzterminals.

Ukraine exportiert vor allem Mais – auch nach Europa

Insgesamt 231 Schiffe mit 5,3 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Produkte an Bord, haben die Ukraine bisher im Rahmen eines von den Vereinten Nationen und der Türkei vermittelten Abkommens verlassen, teilte das ukrainische Infrastrukturministerium am Dienstag mit.

Nach Angaben des staatlichen Zolldienstes hat die Ukraine seit Beginn des Jahres 2022/23 (1. Juli) und bis zum 28. September 7,97 Mio. Tonnen Getreide und Hülsenfrüchte über das Schwarze Meer, die Donau und die Schienenwege der angrenzenden EU-Länder exportiert..

Davon wurden 3,67 Mio. Tonnen im September ausgeführt, sagt das Ministerium für Agrarpolitik. Zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr belief sich der Export auf 13,6 Millionen Tonnen, davon 4,85 Tausend Tonnen im September.

Die Gesamtmenge umfasste bislang 2,8 Millionen Tonnen Weizen (Vj: 8,42 Millionen Tonnen), 669 Tausend Tonnen Gerste (Vj: 3,596 Millionen Tonnen) und 4,49 Millionen Tonnen Mais (Vj: 1,4 Millionen Tonnen).

Die ukrainischen Analysten von APK-Inform berichten außerdem, dass die Angebotspreise für Mais in den Donauhäfen und in Odessa in den letzten zwei Wochen gestiegen sind. Danach wurden die Maispreise durch die starke Nachfrage im Vergleich zu anderen Getreidearten nach oben getrieben. Ein Grund ist der starke Einbruch der europäischen Maisernte und der hohe Importbedarf der EU.

Die Angebotspreise für ukrainischen Mais zur Lieferung an die Häfen der Donau und nach Odessa sind nach Angaben von AKP-Inform auf 190 bis 215 USD/t gestiegen, im Vergleich zu 180 bis 200 USD/t vor zwei Wochen.

Gleichzeitig begrenzen die noch aus der vorigen Ernte vorhandenen großen Lager-Bestände und der Angebotsdruck aus der neuen Erntekampagne sowie der akute Mangel an Lagermöglichkeiten den Preisanstieg, sagen die Analysten.

Russland bestätigt Rekordernte - und hat Aussaat-Probleme

Die europäische Crop-Monitoring-Agentur MARS hob am Montag die Prognosen für Russlands Weizenernte 2022 von 88,8 Millionen Tonnen, die im Juni prognostiziert wurden, auf 95,0 Millionen Tonnen an. Damit liegt die Schätzung nun 25 % über dem Vorjahresniveau.

MARS prognostizierte außerdem Russlands Gerstenernte auf 21,7 Millionen Tonnen, ein Anstieg von 2 Millionen Tonnen gegenüber Juni und 18 % mehr als 2021. Die Analysten senkten jedoch die Prognose für die russische Maisernte auf 16,4 Millionen Tonnen - von zuvor 16,7 Millionen Tonnen. damit liegt man jedoch noch 6 % über dem Vorjahr.  

Russische Landwirte können zum Militär eingezogen werden, sagte Präsident Wladimir Putin am Dienstag. Er sagte auch, dass Russland auf dem Weg sei, im Jahr 2022 eine Rekord-Getreideernte von 150 Millionen Tonnen einzubringen, darunter 100 Millionen Tonnen Weizen.

Putin wies dabei auch auf die ungünstigen Witterungsbedingungen für die Aussaat zur Ernte 2023 hin. Die Wintergetreideaussaat wurde in Russland durch andauernde Regenfälle bereits erheblich verzögert.

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