Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise steigen steil an: Kampf um Rohstoffe eskaliert

Getreide.
am Montag, 11.04.2022 - 10:39 (Jetzt kommentieren)

Die Weizenpreise steigen kräftig. Der globale Markt ist schlecht versorgt. Die Ukraine kann kaum noch liefern. Das wird noch lange dauern. Andere Exporteure haben auch Probleme. Russland droht feindlichen Ländern, nicht mehr zu liefern. Die Lage eskaliert.

weizenpreise in europa.

Die Weizenpreise sind vorige Woche kräftig gestiegen. Die Lage in der Ukraine verschlechtert sich weiter. Die Sorgen vor einem lang anhaltenden Konflikt wirken sich immer stärker auf die Märkte aus. Die Fähigkeit der Ukraine, die Frühjahrsarbeit auf den Feldern durchzuführen und die Exporte mittelfristiges wieder aufzunehmen, scheint illusorisch. Im März exportierte die Ukraine viermal weniger Getreide als im Februar.

Die ukrainische Wirtschaftsministerin Yulia Svyrydenko teilte mit, dass die Getreideexporte des Landes im März im Vergleich zum Februar dramatisch eingebrochen sind. Rund 1,1 Mio. Tonnen ukrainischer Mais, 309.000 Tonnen Weizen und 118.000 Tonnen Sonnenblumen wurden im März ausgeführt. Der Krieg blockierte vollständig den Export ukrainischer Agrarprodukte aus dem Schwarzen Meer und dem Asowschen Meer. Das Land versucht die Ausfuhren über Schiene und Straße in die Nachbarländer abzuwickeln und Getreide über die Donauhäfen zu verschiffen.

Die Preise für Getreide und Rohstoffe sind hoch, und auch die Volatilität bleibt sehr hoch und die nächste Ernte steht bevor. „Der Markt ist hungrig nach Getreide“, sagt der Analyst Gautier Le Molgat von Agritel gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Normalerweise variieren die Preise je nach Wetter, erwarteten Erträgen und dem Spiel von Angebot und Nachfrage. Aber im gegenwärtigen Kontext, der für die von Schwarzmeerexporten abhängigen Länder besonders schwierig ist, bestimmt die Geopolitik den Markt und hält die sehr hohen Preise aufrecht.“ Der Weizenpreis ist seit der Invasion der Ukraine um mehr als 25 % gestiegen, der Maispreis hat um knapp 20 % zugelegt.

Ukrainisches Getreide fehlt dem Weltmarkt – sagt das USDA

Weizenpreise stiegen kräftig.

Auch das USDA berücksichtigt die Entwicklung am Schwarzen Meer in seinem aktuellen Report. Dort reduzierte man die ukrainische Weizenexporte am vorigen Freitag nochmals um eine Million Tonnen auf 19 Millionen Tonnen, nachdem man die Ausfuhren im Vormonat bereits um vier Millionen Tonnen gekürzt hatte. Bei Mais hat das USDA die Ausfuhren für die noch laufende Kampagne um 4,5 Millionen Tonnen gesenkt. In nur zwei Monaten hat das US-Ministerium seine Prognose um 10,5 Millionen Tonnen oder fast ein Drittel (31 %) reduziert. Im März kam kaum Getreide aus der Ukraine heraus, sagt Gautier Le Molgat von Agritel.  

„Und seien Sie vorsichtig, das ist die amerikanische Vision im April“, sagt der Analyst. Je länger der Konflikt andauert, desto mehr besteht die Gefahr, dass diese Zahlen noch weiter nach unten korrigiert werden. Insgesamt sind die USDA-Schätzungen der weltweiten Exporte von Weizen, Mais und Sojabohnen stark rückläufig. Bei Mais wurde die Prognose für die weltweiten Lagerbestände am Ende der aktuellen Wirtschaftsjahres erheblich angehoben, ein Phänomen, das auch mit dem Krieg in der Ukraine zusammenhängt. „Da die Ukraine nicht exportiert, wachsen ihre Vorräte“, erklärt Gautier Le Molgat.

Bei Weizen wurde der Rückgang der ukrainischen Exporte durch einen Anstieg der Exporte aus Russland allerdings fast ausgeglichen. Auf der anderen Seite sieht das USDA keinen Zuwachs der Exporte aus den Vereinigten Staaten, weil amerikanischer Weizen laut Einschätzung der US-Analysten aufgrund der hohen Preise „nicht wettbewerbsfähig ist“. Insgesamt wird ein weiterer Rückgang der globalen Weizenvorräte erwartet.

Schwache Bestände in den USA – Russland droht feindlichen Ländern

Die Europäische Kommission erwartet in ihrer ersten Prognose für die neue Saison 2022/23 einen Anstieg der europäischen Weizen-Exporte auf 40 Millionen gegenüber 33 Millionen Tonnen der noch laufenden Saison. Der Verknappung des Schwarzmeerangebots steht eine besonders dynamische internationale Nachfrage gegenüber. Die Importeure kaufen was sie kriegen können.

Die Weizenpreise wurde außerdem durch die Veröffentlichung des ersten amerikanischen Crop-Progress-Reports des Jahres kräftig nach oben getrieben. Das USDA beziffert den Zustand der Winterweizenbestände, die sich in „gutem bis ausgezeichnetem Zustand befinden“ auf nur 30 %, ein Rückgang um 23 Punkte im Vergleich zum Vorjahr und die schlechtesten Bewertungen seit 1996.

Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte vorige Woche an, angesichts der neuen Sanktionswelle gegen Moskau Lebensmittellieferungen an „feindliche“ Länder stärker zu „steuern“. Russland will  danach künftig nur noch in solche Länder exportieren, die es nicht sanktioniert haben. Das russische Analystenhaus SovEcon hat seine Prognosen für die Exporte von russischem Weizen in der vorigen Woche für 2021/22 um 400.000 Tonnen auf 33,9 Millionen Tonnen erhöht. Erklärt wird die Korrektur mit den im Vergleich sehr wettbewerbsfähigen russischen Weizenpreisen und den wieder anziehenden russischen Exporten im März.

Andere Analysten schätzen die russischen Chancen nicht so gut ein, „in einigen Märkten werden die Russen weiter ein wichtiger Lieferant sein, aber nicht auf dem Niveau, das sie zuvor eingenommen haben“, heißt es dort. Dagegen gibt es „eine  deutlich Zunahme der Lieferungen aus Australien, das letztes Jahr eine riesige Ernte hatte“, und auch aus Indien.

Erzeugerpreise für Getreide und Marktfrüchte

Getreidepreise aktuell.

Aktuelle Erzeugerpreise für Marktfrüchte: Weizenpreis, Rapspreis, Gerstenpreis, Roggenpreis und aktueller Maispreis. Großhandelspreise und regionale Erzeugerpreise für Bundesländer finden sie unter: https://markt.agrarheute.com/marktfruechte/

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...