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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise steigen steil an - Russland will Export unterbrechen

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am Montag, 27.03.2023 - 12:26 (Jetzt kommentieren)

Die Weizenpreise sind am Freitag um 6 % gestiegen. Dahinter steckt eine mögliche Export-Unterbrechung durch Russland. Der Markt reagierte panisch. Am Montag geben die Preise im laufenden Handel aber wieder etwas nach.

Getreidepreise.

Die Weizenpreise stiegen am Freitag um fast 6 %. Auslöser war ein Bericht der russischen Wirtschaftszeitung Wedomosti, wonach Moskau als Reaktion auf die fallenden Getreidepreise über einen vorübergehenden Stopp der Weizenexporte nachdenkt, berichtet Reuters.

Die Weizenpreise am Terminmarkt in Paris kletterten daraufhin um 5,8 % bzw. 14 Euro auf 259 Euro je Tonne und unterbrachen damit einen sechstägigen Preissturz. Dieser hatte die Weizenpreise um insgesamt 27 Euro/t nach unten gedrückt. Im laufenden Handel am Montag geben die Weizenpreise indessen wieder um rund 3 Euro nach - auf 256 Euro je Tonne.

Nach Ansicht von Analysten bestimmte der Preisdruck vom Schwarzen Meer für die Europäer zuletzt maßgeblich die Preisentwicklung. Dabei gelangt ukrainisches Getreide sowohl über den Schwarzmeerkorridor als auch über die Donau und über den Landweg nach Europa und auf andere Märkte. Gleichzeitig versucht Russland weitere Absatzmöglichkeiten für seine Rekordernte von 2022 zu finden. Die sich dadurch erheblich verschlechternden Exportmöglichkeiten hatten die europäischen und US-amerikanischen Weizenpreise vorige Woche auf den niedrigsten Stand seit 2021 gedrückt.

„Europa und die USA sind zunehmend unfähig, ihre alte Ernte zu verkaufen“, sagte Rabobank-Analyst Michael Magdovitz gegenüber Reuters. Nachdem die Europäische Kommission zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine für 2022/23 noch an Rekord-Weichweizenexporte für die EU von 40 Millionen Tonnen geglaubt hatte, senkte die Kommission ihre Prognose schrittweise auf zuletzt 32 Millionen Tonnen, wobei einige Analysten die Ausfuhren nur noch bei 30 Millionen Tonnen sehen. Das macht natürlich erheblichen Druck auf die Getreidepreise am europäischen Binnenmarkt.

Händler halten jedoch eine Zunahme der EU-Exporte in den nächsten Monaten noch für möglich, da weiterhin Zweifel an der Fortdauer der Schwarzmeerlieferungen bestehen, und Russland sich nur bis Mitte Mai auf das Getreideabkommen eingelassen hat und außerdem Möglichkeiten prüft, den eigenen Export zu drosseln (siehe oben), um die Preise nach oben zu bekommen.

Die Preise für russischen Weizen mit 12,5 % Proteingehalt, der frei an Bord (FOB) von den russischen Häfen am Schwarzen Meer geliefert wird, fielen laut der Landwirtschaftsberatung IKAR letzte Woche um 13 USD auf 277 USD pro Tonne (256 Euro/t), berichtet Reuters. Die EU-Kommission nannte für vorige Woche für die Ukraine Exportpreise von nur 250 USD je Tonne (231 Euro/t). Das waren 15 USD weniger als eine Woche zuvor und sogar 30 USD weniger als französische Exporteure zum gleichen Termin fob-Rouen verlangen.

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