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USDA Small Grains Summary Report

Getreidepreise steigen immer weiter: US-Weizenernte ist viel kleiner

Weizenbetände.
am Samstag, 01.10.2022 - 05:00 (1 Kommentar)

Die Getreidepreise sind am späten Freitagabend kräftig gestiegen. Grund sind ein USDA-Report – und der eskaladierende Konflikt am Schwarzen Meer. Die europäischen Weizenpreise stiegen um knapp 5 Euro auf 357 Euro je Tonne und die Maispreise kletterten an der MATIF um 3 Euro auf 341 Euro je Tonne. Für den Matif-Raps ging es um 21 Euro auf 633 Euro nach oben!

weizenpreise.

Die US-Weizenernte 2022 fiel deutlich kleiner aus als zuvor prognostiziert. In seinem am Freitagabend veröffentlichten „Small Grains Summary Report“ bezifferte das USDA die US-Weizenernte nur noch auf 44,9 Millionen Tonnen. Dem standen Marktprognosen von 48,2 Millionen Tonnen gegenüber!

Das USDA hatte die Weizenproduktion im August auf 48,55 Millionen Tonnen geschätzt. Der Grund für die Korrektur war die Trockenheit in den westlichen Anbaugebieten, die die Erträge erheblich schmälerte und zu schweren Ernteausfällen führten, sagte das USDA am späten Freitagabend.

Die Weizen-Preise an der Chicago Board of Trade stiegen um mehr als 3 % auf den höchsten Stand seit Mitte Juli. „Die Leute haben den ganzen Sommer lang und sogar im Herbst gesagt, die Weizenernte sei schrecklich", sagte Tomm Pfitzenmaier, ein US-Analyst gegenüber dem Nachrichtenportal Reuters. „Das ist eine Bestätigung dessen, was alle gesagt haben, aber sie wollten nicht glauben, dass es wirklich so schlimm ist.“

Die US-Weizenbestände beliefen sich am 1. September auf 48,3 Millionen Tonnen, wie aus dem vierteljährlichen Bestandsbericht des USDA hervorgeht. Das war nur ein ganz leichter Anstieg von 69.000 Tonnen gegenüber dem Vorjahr und entsprach in etwa den Handelsprognosen.

Weniger Mais, mehr Soja – und die Ukraine-Krise

weizenpreise.

Die Maispreise stiegen ebenfalls kräftig, weil die US-Lagerbestände mit 34,975 Millionen Tonnen deutlich kleiner waren als Analysten erwartet hatten - trotzdem aber größer als im Vorjahr. Außerdem waren die Sojabohnen-Bestände mit 7,45 Millionen Tonnen rund 0,45 Millionen Tonnen größerer als im vorigen Jahr.

Der vordere Weizenkontrakt an der CBOT stieg am Freitagabend um 25 Cent auf 921 Cent je Bushel - den höchsten Stand seit Mitte Juli. Im Verlauf dieser Woche legten die US- Weizenpreise damit um fast 5 % zu.

Die Maispreise stiegen ebenfalls auf den höchsten Stand seit Mitte September. Sojabohnen verloren hingegen 46 Cent und fielen auf den niedrigsten Stand seit  Anfang August. Die Preise für Sojabohnen gingen damit im Wochenverlauf um 4,3 % zurück.

Die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der Ukraine unterstützten die Weizen- und Mais-Preise zusätzlich. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag in einer Kreml-Zeremonie die Annexion eines Teils der Ukraine verkündet, nachdem Russland in den besetzten Gebieten Referenden abgehalten hatte.

Europäische Maisernte auf 15-Jahrestief

Die Europäische Kommission hat am Freitag ihre Prognose für die diesjährige Maisernte in der Europäischen Union von 59,3 Millionen Tonnen Ende August auf 55,5 Millionen Tonnen gesenkt und sich damit anderen Analysten angeschlossen, die ein 15-Jahres-Tief für die Maisernte erwarten. Eine historische Dürre hat diesen Sommer die Maisernte in Europa weit nach unten gedrückt.

Die Kommission senkte die Ertragsprognosen für Bulgarien, Deutschland, Kroatien, Ungarn, Rumänien und die Slowakei. Die Kommission erhöhte außerem ihre Prognose der EU-Maisimporte in der laufenden Saison 2022/23 auf 21 Millionen Tonnen - von zuvor 20 Millionen Tonnen.

Außerdem wurde der erwartete Einsatz von Mais in der Tierfütterung um 4,2 Millionen Tonnen auf 60,5 Millionen Tonnen gesenkt.

Gleichzeitig erhöhte die Kommission ihre Prognose für die aktuelle Weichweizenernte von 126,0 Millionen im letzten Monat auf 127,0 Millionen Tonnen. Auch die Gerstenproduktion wurde von 50,4 Millionen auf 51,5 Millionen Tonnen nach oben gesetzt.

Die kleine Maisernte verlagerte nach Einschätzung von Analysten einen Teil der Futternachfrage von Mais auf Weichweizen, von dem nun erwartet wird, dass 40 Millionen Tonnen in die Futtertröge fließen, 2,7 Millionen mehr als im letzten Monat prognostiziert.

Die erwarteten Weichweizenexporte 2022/23 blieben indessen unverändert bei 36 Millionen Tonnen. Die Rapsernte revidierte die Kommission um 0,5 Millionen Tonnen auf 19,3 Millionen Tonnen nach oben und erhöhte die erwartete Sonnenblumen-Produktion um 0,4 Millionen Tonnen auf 10,3 Millionen.

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