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USDA-Report Mai 2022

Getreidepreise steigen steil an: Globale Getreideernte reicht nicht

Getreidepreise und Getreideernte.
am Donnerstag, 12.05.2022 - 19:09 (3 Kommentare)

Der erste USDA-Report für die neue Ernte sorgt für kräftige Preissprünge – nach oben. Der Krieg am Schwarzen Meer und der Ausfall der Ukraine als Produzent und Exporteur, haben großen Einfluss auf die Prognose. Im neuen Jahr bleibt die globale Versorgung sehr angespannt. Dabei kommt es zu deutlichen Verschiebungen der Handelsströme. Und es gibt noch mehr Überraschungen im ersten Report zur neuen Ernte 2022.

weizenpreise steigen.

Die Weizenpreise sind am Donnerstagabend nach Veröffentlichung der USDA-Daten am stärksten gestiegen. Auch für Mais legten die Kurse zu und auch die Sojapreise bewegten sich ebenfalls im Plus. Am Freitagabend gegen 19 Uhr (MEZ) notierte der vordere Weizenkontrakt (Juli 2022) in Chicago mit einem deutlichen Plus von 35 Cent bei 1149 Cent je Buschel. Der im Norden der USA und in Kanada angebaute proteinreiche Sommerweizen legte ebenfalls um 35 Cent zu – auf 1.293 Cent je Buschel.

Der vordere US-Mais (Juli) notierte an der CBOT 4 Cent im Plus bei 793 Cent je Buschel. Sojabohnen stiegen um 7 Cent auf 1614 Cent je Buschel. Die vorderen Canolapreise in Kanada gaben hingegen um 9 CAD nach - auf 1.144 CAD je Tonne.

Die Vorgaben aus Übersee hatten natürlich Auswirkungen auf die europäischen Getreidepreise. An der MATIF in Paris legte der vordere Weizenkontrakt für die neue Ernte (September) um 10,50 Euro zu - auf 413,75 Euro je Tonne zu.  

Beim vorderen Maiskontrakt (Juni) legten die MATIF-Preise um 4,75 Euro auf 363,75 Euro je Tonne zu. Die Rapspreise gaben mit Canola leicht nach. Der Frontmonat August (neue Ernte) lag 0,75 Euro im Minus bei 848,50 Euro je Tonne.

Weizen: Große Lücke zwischen Produktion und Verbrauch

weizenernte global.

Die globale Weizenprognose des USDA für 2022/23 geht von einem kleineren Angebot und einen geringeren Verbrauch aus. Dafür wächst der Handel und die Endbestände schrumpfen deutlich. Die globale Produktion wird für die neuen Ernte auf 774,8 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind 4,5 Millionen Tonnen weniger als in der aktuellen Saison 2021/22.

Produktionsrückgänge in der Ukraine, in Australien und Marokko, werden nur teilweise durch Produktionssteigerungen in Kanada, Russland und die Vereinigten Staaten kompensiert. Die Produktion in der Ukraine wird aufgrund des andauernden Krieges auf 21,5 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind 11,5 Millionen weniger als 2021/22. Kanadas Produktion prognostiziert das USDA auf 33,0 Millionen Tonnen im Jahr 2022/23, das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber der von der Dürre betroffenen Ernte des letzten Jahres von nur 21,7 Millionen Tonnen.

Die Weizen-Produktion in der Europäischen Union (Weich und Hartweizen) schätzt das USDA auf 136,50 Millionen Tonnen. Das sind 1,9 Millionen weniger als 2021/23 und für die USA liegt die Produktionsschätzung mit 47,1 Millionen Tonnen 2,3 Millionen über der Vorjahresmarke. Die neue russische Ernte schätzt das USDA auf 80 Millionen Tonnen im Jahr 2022/23. Das wäre ein Anstieg von rund 5 Millionen Tonnen und die bislang zweitgrößte Ernte. Einige Analysten sehen die russische Ernte indessen noch deutlich größer.

Der prognostizierte weltweite Verbrauch für 2022/23 ist mit 787,5 Millionen Tonnen etwas niedriger als in der aktuellen Saison, da die Zunahmen für den Lebensmittelverbrauch durch deutlich sinkende Futtermittelnutzung übertroffen werden. Die größten Futtermittelreduktionen erwartet das USDA in China, der Europäischen Union und Australien sowie einen beträchtlichen Rückgang des Lebensmittelverbrauchs in Indien.

Weizenhandel nimmt trotz Ausfalls der Ukraine zu

Der prognostizierte Welthandel mit Weizen für 2022/23 wird nach Einschätzung des USDA einen Rekordwert von 204,9 Millionen Tonnen erreichen, 5,0 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Exporte werden nach dieser Einschätzung durch erhöhte exportfähige Lieferungen aus Russland und Kanada steigen, was die Rückgänge für die Ukraine und Australien mehr als ausgleicht.

Russland wird voraussichtlich der führende Weizenexporteur 2022/23 mit 39,0 Millionen Tonnen sein, gefolgt von der Europäischen Union mit 36 Millionen Tonnen (im aktuellen Jahr 31 Millionen Tonnen), Australien mit 24 Millionen Tonnen, Kanada mit ebenfalls 24 Millionen Tonnen und den Vereinigten Staaten mit knapp 22 Millionen Tonnen.

Die Exportprognose der Ukraine für 2022/23 beträgt 10,0 Millionen Tonnen und ist damit gegenüber dem Vorjahr (19 Millionen Tonnen) stark gesunken aufgrund einer kleineren Produktion und erheblichen logistische Einschränkungen.

Indien soll trotz etwas kleinerer Ernte von 108,5 Millionen Tonnen weiterhin eine bedeutende Rolle als Exporteur spielen. Der Export wird auf 8,2 Millionen Tonnen geschätzt nach 8,5 Millionen Tonnen in der laufenden Saison.

Die prognostizierten weltweiten Endbestände für 2022/23 werden um 5 Prozent auf 267,0 Millionen Tonnen schrumpfen. Das wäre der niedrigste Stand seit sechs Jahren. Die größte Änderung wird für Indien erwartet, wo Bestände wegen des starken Exports voraussichtlich auf 16,4 Millionen Tonnen zurückgehen, ein Fünfjahrestief.

Globale Maisernte schrumpft deutlich

Maisernte schrumpft.

Die globale Grobgetreide-Produktion (Mais, Gerste, Sorghum) für 2022/23 geht von einer geringeren Produktion und einem schrumpfenden Verbrauch sowie von sinkenden Beständen aus. Es wird erwartet, dass die weltweite Maisproduktion gegenüber dem Rekordhoch des letzten Jahres zurückgehen wird, was hauptsächlich auf einen Rückgang in der Ukraine, aber auch in den Vereinigten Staaten, der EU und China zurückzuführen ist.

Dieser Rückgang kann durch größer erwartete Mais-Ernten in Brasilien, Argentinien, Serbien und Südafrika nicht ausgeglichen werden. Der weltweite Maisverbrauch wird deshalb voraussichtlich um 15 Millionen Tonnen zurückgehen. Die weltweiten Maisimporte werden danach ebenfalls um 15 Millionen schrumpfen. Die größten Rückgänge verzeichnen dabei China, die EU und das Vereinigte Königreich.

Die globalen Maisendbestände schrumpfen nach den Erwartungen des USDA um 4 Millionen Tonnen auf 305,1 Millionen Tonnen, was hauptsächlich auf Rückgänge in China und den Vereinigten Staaten zurückzuführen ist. Für China werden die Grobgetreideimporte für 2022/23 auf 37,9 Millionen Tonnen prognostiziert, ein Rückgang von 5,0 Millionen Tonnen von vor einem Jahr und deutlich unter dem Rekord von 50,5 Millionen, der 2020/21 erreicht wurde.

Chinas Mais-Preise am Binnenmarkt bleiben trotz des Preisanstiegs an den Weltmärkten höher als auf dem Weltmarkt. Chinas Maisimporte werden aber voraussichtlich um 5,0 Millionen Tonnen auf 18,0 Millionen Tonnen zurückgehen. Chinas Gerstenimporte werden auf 10,0 Millionen Tonnen und Sorghum auf 9,5 Millionen Tonnen geschätzt.

Die Maisimporte der Europäischen Union sieht das USDA bei 15 Millionen Tonnen (Vj. 16 Mio. t) und damit deutlich höher als die Kommission mit nur 9 Millionen Tonnen.

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