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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Darum steigen die Weizenpreise auf 190 Euro und höher

Die Exportnachfrage zieht die Weizenpreisen nach oben.
am Mittwoch, 02.09.2020 - 16:13 (Jetzt kommentieren)

Am Dienstag sind die europäischen Weizenpreise auf 190 Euro gestiegen. Das sind die höchsten Preise seit April – also seit 6 Monaten.

seit August sind die Weizenpreise 14 Euro gestiegen.

Und das kurz nach Ernte – wenn die Getreidepreise üblicherweise auf ihren saisonalen Tiefpunkt fallen. Doch dieses Jahr ist alles anders. Trotz einer sehr großen globalen Ernte – auf dem Papier – steigen die Preise und steigen. Jetzt beträgt der Aufschlag seit Anfang August 14 Euro je Tonne.

Und die Preise legen auch an den Schwarzmeerhäfen in Russland zu, wo die Ernte sehr groß ist – die Exportnachfrage jedoch noch größer. Diese sehr starke Nachfrage von den Exportmärkten zieht also auch die Preise in Russland mit nach oben. Den Russen kommt zudem zu Gute, dass der Rubel gegenüber dem Euro und dem Dollar sehr schwach ist und ihr Getreide damit noch billiger macht.

Genau die gegenteilige Situation ist in Europa zu beobachten: Hier sorgt eine sehr kleine Weizenernte – vor allem in Frankreich – für ein relativ knappes Angebot. Gleichzeitig wird der Euro immer teurer und verteuert damit auch die Exporte und drückt damit eigentlich auf die Getreidepreise am Binnenmarkt.

Doch nach einem sehr schwachen Start in die neue Exportsaison zieht die Nachfrage nach europäischem Getreide jetzt offenbar  – trotz hoher Preise – kräftig an. Da ist zum einen China, dass reichlich Weizen und Gerste in Frankreich kauft.

Gleichzeitig haben auch die Briten eine sehr schlechte Weizenernte und müssen deshalb Qualitätsweizen in Deutschland – und wohl auch in Kanada – kaufen.  

Briten kaufen Weizen in Deutschland

Der Export zieht die Weizenpreise.

Die Weizenernte endete bei den größten europäischen Produzenten mit relativ unterschiedlichen Ergebnissen, sagen Analysten. Deutschland und vor allem Polen haben noch ganz gute Ernten eingebracht, während Frankreich und Großbritannien massive Produktionseinbrüche zu verzeichnen hatten.

In Frankreich, dem größten europäischen Weizenproduzenten und Exporteur, liegt Weizenernte nach derzeitigen mit Schätzungen etwa 25 Prozent kleiner als im Vorjahr bei etwa 29,5 Millionen Tonnen. Das französische Beratungsunternehmen Agritel schätzt, dass die kleine Weizenernte die französischen Exportmöglichkeiten für 2020/21 um fast 40 Prozent reduziert. Allerdings zeigt die französische Ernte eine ausreichende Qualität, um die Anforderungen des Mahl- und Exportmarktes zu erfüllen, berichten sowohl Agritel als auch das Landwirtschaftsamt FranceAgriMer.

Die deutsche Weizenernte 2020 ist nach den Angaben des Landwirtschaftsministeriums  (BMEL) um 5,1 Prozent auf 21,88 Millionen Tonnen geschrumpft. Dieser Rückgang war jedoch zu erwarten gewesen, nachdem die Landwirte die Aussaatfläche witterungsbedingt erheblich reduzieren mussten. "Deutschlands Ernte ist zwar geschrumpft, aber es war nicht die enorme Reduzierung wie in Frankreich und Großbritannien ", sagte ein deutscher Händler.

"Es wird deshalb erwartet, dass Deutschland Teile der Exportmärkte Frankreichs bedienen wird – möglichweise auch den sonst wichtigsten französischen Exportkunden: Algerien. Außerdem rechnet man mit deutlich mehr Ausfuhren nach Großbritannien." Nach derzeitigen Schätzungen könnte die britische Weizenernte in diesem Jahr um etwa 35 Prozent auf 10,5 Millionen Tonnen schrumpfen, nachdem die Aussaatfläche von Winterweizen witterungsbedingt drastisch reduziert werden musste.

Die Folge ist ein deutlich höher Importbedarf  Großbritanniens. Händler berichten jedenfalls, dass britische Getreide-Mühlen in den letzten Wochen bereits beträchtliche Mengen an proteinreichem Weizen in Deutschland geordert haben, und weitere Einkäufe werden erwartet.

China stoppt Gerstenimporte aus Australien - komplett

Angekurbelt wird die Nachfrage in Europa – insbesondere in Frankreich – durch Umfangreiche Einkäufe Chinas bei Weizen und auch bei Gerste. Letztere könnte durch neue Handels-Konflikte der Chinesen mit Australien einen zusätzlichen Schub erhalten. Aus China war am Dienstag zu hören, dass es die Gerstenimporte von Australiens größtem Getreideexporteur CBH Grain aussetzt bzw. stoppt.

Chinas Zollverwaltung meldete, die Gerstenlieferungen von CBH Grain würden eingestellt, nachdem mehrfach Schädlinge gefunden wurden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Vor dieser Entscheidung hatte Peking Anfang des Jahres bereits einen Importzoll von mehr als 80 Prozent für australische Gerste eingeführt – und die Importe damit deutlich verteuert.

"Es ist ein Signal, das zeigt, dass sich australische Firmen in einer ungünstigen Situation befinden. Chinesische Einkäufer werden beim Kauf australischer Waren jetzt eher vorsichtig sein", sagte ein Getreidehändler, gegenüber Reuters. China hatte bis vor dem Handelsstreit bis zu 70 Prozent der australischen Gerstenexporte gekauft.

Die europäischen – insbesondere die französischen – Gerstenexporte nach China, werden durch diese Entwicklung kräftig angekurbelt- wie man in der europäischen Exportsatistik sieht. Deutschland verfügt allerdings bislang weder für Weizen noch für Gerste über die nötigen phytosanitären Import-Zertifikat um nach China zu liefern.   

Export zieht die Weizenpreise – Teurer Euro drückt

Der Export von Getreide zieht kräftig an.

Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise am Dienstag bis auf 190 Euro je Tonne gestiegen. Das ist im Vergleich zur Vorwoche ein Plus von 5,0 Euro. Am Hamburger Exporthafen hatten die Weizenpreise zum Wochenbeginn allerdings etwas nachgegeben – vor allem wohl wegen des sehr teuren Euros von mehr als 1,19 USD.

Brotweizen notierten ain Hamburg am Dienstag bei 182 Euro je Tonnen und damit 2 Euro niedriger als zum Ende der Vorwoche. Der Anstieg an den Terminmärkten dürfte jedoch auch die Kassapreise wieder nach ziehen. Für Futtergerste lagen die Preisangebote am Hamburger Hafen bei 162 Euro je Tonne und damit ähnlich hoch wie zum Ende der vorigen Woche. Grund für die sehr festen Preise dürfte die anhaltend rege Exportnachfrage bei Gerste sein. Bei Gerste sind die Ausfuhren deutscher Exporteure weiterhin höher als bei Weizen.

Für Brotroggen werden in Hamburg aktuell 158 Euro geboten und damit 1 Euro mehr als vor einer Woche.

Nach den Daten der EU-Kommission haben die Europäer bis zum 30. August etwa 2,6 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verschifft – das ist halb so viel wie im vorigen Jahr. Bei Gerste wurde eine Ausfuhrmenge von 1,3 Millionen Tonnen gemeldet. Das ist nur ein Minus von 13 Prozent zum Vorjahr.

Frankreich hat bisher 617.000 Tonne Weizen und 594.000 Tonne Gerste exportiert. Deutschland kommt auf 144.000 Tonne Weizen und 279.000 Tonnen Gerste und am rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta wurden 682.000 Tonnen Weizen und 381.000 Tonnen Gerste verladen.

Die Hauptabnehmer von europäischem Weizen sind bisher Algerien, die Philippinen und China. Die wichtigsten Zielländer für europäische Gerste sind wenig überraschend - China und Saudi-Arabien.

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