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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise steigen zweistellig - Eskalation am Schwarzen Meer

Getreideschiff.
am Montag, 10.10.2022 - 13:49 (1 Kommentar)

Die Getreidepreise steigen steil an. Grund sind die Sorgen, dass Russland den Export-Korridor am Schwarzen Meer nicht verlängert.

Weizenpreise.

Die Weizenpreise steigen am europäischen Terminmarkt am Montag um 16 Euro auf 364 Euro je Tonne. Die Maispreise klettern um 10 Euro auf 347 Euro je Tonne. Auch in den USA stiegen die Getreidepreise steil an und erreichten den höchsten Stand seit drei Monaten.

Auslöser für die Preisrallye ist die Unsicherheit, ob der derzeitige Exportkorridor am Schwarzen Meer über November hinaus offenbleibt, sagen Analysten. Hintergrund ist die weitere Verschärfung der Kriegshandlungen zwischen Russland und der Ukraine, sagen Beobachter.

Dabei geht es vor allem darum, wie der Kreml auf die Explosion reagiert, die die Brücke zur Krim teilweise zerstört hat. Die Explosion unterbrach auch eine wichtige Versorgungsroute für Moskaus Streitkräfte in der Südukraine.

Der Chef der UN-Hilfsorganisation Martin Griffiths äußerte am Montag jedoch seine Zuversicht, dass das von den Vereinten Nationen vermittelte Abkommen, das den ukrainischen Getreideexport aus dem Schwarzen Meer ermöglicht, verlängert und sogar ausgeweitet werden kann, berichtet Reuters.

„Die Ansicht bei den Vereinten Nationen ist, dass wir natürlich eine Erneuerung anstreben sollten, und ich bin ziemlich zuversichtlich, dass wir sie erreichen werden, aber auch, dass sie über einen Viermonatszyklus hinausgehen muss", sagte Griffiths auf einer Genfer Pressekonferenz.

Der formale Anschluss der annektierten Gebiete sowie die erfolgreiche ukrainische Gegenoffensive im Osten des Landes, machen die Fortsetzung des Export-Korridors am Schwarzen Meer jedoch zunehmend unsicher, glauben Analysten.

Getreideabkommen: Schon 6,2 Millionen Tonnen exportiert

Am 5. Oktober verließen 6 weitere Schiffe die Häfen von Groß-Odessa und transportierten 115,5 Tsd. Tonnen ukrainischer Agrarprodukte in die Länder Afrikas, Asiens und Europas, teilte das Ministerium für Infrastruktur der Ukraine mit.

Das Ministerium stellte fest, dass 274 Schiffe mit 6,2 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Produkte seit dem Start des „Getreideabkommens“ für Afrika, Asien und Europa die ukrainischen Häfen verlassen hatten.

Nach Angaben des staatlichen Zolldienstes der Ukraine hat die Ukraine seit Beginn des Wirtschaftsjahres 2022/23 (1. Juli) bis zum 5. Oktober insgesamt 9,17 Mio. Tonnen Getreide und Hülsenfrüchte exportiert, darunter 468.000 Tonnen bisher im Oktober, teilte das Ministerium für Agrarpolitik mit.

Zum gleichen Zeitpunkt im vorigen Jahr belief sich die Exportmenge auf 14,95 Mio. Tonnen, davon 589.000 Tonnen im Oktober.

Die aktuellen Gesamtexporte von Getreide umfassen: 3,21 Millionen Tonnen Weizen (Vj: 9,41 Millionen Tonnen), 823.000 Tonnen Gerste (Vj: 3,89 Millionen Tonnen), 5,1 Millionen Tonnen Mais (Vj: 1,43 Millionen Tonnen).

Russlands Weizenexporte weit hinter Vorjahr – trotz Rekordernte

Die russischen Analysten von SovEcon erhöhten die Weizenexportprognose des Landes für die laufende Saison 2022/23 um 0,3 Mio. Tonnen auf 43,4 Mio. Tonnen. Die Aufwärtskorrektur wurde aufgrund der wachsenden Importnachfrage und der steigenden Ernteaussichten vorgenommen, hieß es.

SovEcon teilte mit, dass Russland von Juli bis September rund 10,2 Millionen Tonnen Weizen exportiert habe, was einem Rückgang von 22 % im Jahresvergleich und einem Rückgang von 14 % im Vergleich zum 5-Jahres-Durchschnitt entspricht.

Die Analysten stellten außerdem fest, dass die Lieferungen durch den starken Rubel und den Exportzoll begrenzt wurden.

Russlands Getreideernte soll zwar 2022 auf Rekordniveau steigen, die Aussaat von Wintergetreide für dei Ernte 2023 wurde jedoch durch eine starke Trockenheit in den wichtigsten südlichen Anbauregionen verzögert.

Russische Schätzungen für die aktuelle Ernte 2022 sehen eine Rekordgetreideernte von 150 Millionen Tonnen, darunter 100 Millionen Tonnen Weizen.

Doch die Bodenfeuchte in Russlands südlichen Regionen Krasnodar, Rostow und Stavropol – den wichtigsten Weizen produzierenden und exportierenden Regionen des Landes – ist sehr gering, wurde nach Angaben von Reuters auf einer Landwirtschaftskonferenz in Moskau berichtet. Und das verzögert oder verhindert die Aussaat von Wintergetreide.

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