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Getreideernte und Getreidepreise

Getreidepreise: Steiler Anstieg der Weizenpreise – das sind die Gründe

Die Weizenpreis legen wiederkräfig zu.
am Mittwoch, 26.08.2020 - 12:59 (Jetzt kommentieren)

Innerhalb kurzer Zeit sind die europäischen Weizenpreise am Terminmarkt um 10 Euro nach oben geschossen – zuletzt auf fast 187 Euro je Tonne.

Grafik zu den MATIF-Weizenpreisen am europäischen Terminmarkt 2018 bis 2020

Und das trotz des Angebotsdrucks aus der gerade beendeten europäischen Ernte und einem sehr teuren Euro. Dennoch sieht es beim Weizen weiter nach festen Kursen aus. Was aber sind die Gründe für diese – wieder einmal – von vielen Analysten nicht erwartete Preisrallye.

Zunächst einmal dürften die letzten Nachrichten aus den USA den Bullen am Markt reichlich Futter gegeben haben. Die Farmers-Crop-Tour durch den Mittelwesten hat die Erträge und die Produktion von Mais und Soja niedriger geschätzt als das USDA in seinem letzten Report. Das hat zwar auch mit den Folgen des schweren Sommersturms in Iowa und im übrigen Mittelwesten zu tun – aber auch mit der Trockenheit in wichtigen Maisanbauregionen.

Die Folge: Das USDA hat das Crop-Rating für Mais und für Soja diese Woche überraschend weit nach unten korrigiert. Außerdem liegt der aktuelle Erntefortschritt bei Sommerweizen in den nördlichen US-Hauptanbaugebieten weit hinter dem üblichen Tempo. Und nun sind auch noch mehrere schwere Hurrikans im Anmarsch, die bei Mais, Soja und Sommerweizen – zwar für Regen – aber auch für weitere Schäden sorgen könnten.

Hinzu kommt: In Europa springt offenbar der Export an. Trotz des sehr teuren Euros kauft China erhebliche Mengen Weizen und Gerste in Frankreich – leider aber nicht in Deutschland, weil weiterhin die phytosanitären Zertifikate für den Chinaexport fehlen.

Das zieht die Preise am europäischen Binnenmarkt jedoch kräftig nach oben und sorgt bei Weizen und Gerste für steigende Kurse – zuletzt auch an den russischen Exporthäfen.

Russland exportiert Weizen auf Rekordniveau

Getreideverladung an einem Getreidhafen in Russland

Diese Woche haben die Russen wieder einmal eine Exportausschreibung des größten Weizenimporteurs Ägypten gewonnen. Immerhin 530.000 Tonnen russischen Weizen haben die Ägypter gekauft, berichten Händler. Die Europäer gingen leer aus –  auch der Schwarzmeer-Anrainer Rumänien – denn der Preisabstand zwischen Europa und den Russen ist mit rund 15 USD je Tonne deutlich zu groß.

Die russischen Weizen-Exportpreise stabilisierten sich vorige Woche jedoch nach einem dreiwöchigen Rückgang, der durch den Druck der immer weiter nach oben korrigierten neuen Ernte ausgelöst wurde, sagen Analysten. Russischer Weizen mit einem Proteingehalt von 12,5 Prozent kostete an den Häfen am Schwarzen Meer zuletzt 202 USD pro Tonne (FOB). Das ist ein Plus von 1 USD gegenüber der Vorwoche. Gerste wurde zu stabilen Preisen von bei 182 Dollar pro Tonne verladen.

Die russischen Analysten von IKAR haben ihre Prognose zur russischen Weizenernte um 5,5 Millionen Tonnen auf 82 Millionen Tonnen angehoben. Die Analysten von Sovecon warnten indessen; "Wir haben das Gefühl, dass sich der Markt von zu viel Pessimismus hin zu zu viel Optimismus gewandelt hat. Die Ernten in Sibirien sind in der schlechtesten Verfassung seit 2012", sagt Sovecon. Die Prognose für die Weizenernte von Sovecon liegt jedoch ebenfalls bei 81,2 Millionen Tonnen.

Russland hat seit Beginn der aktuellen Saison 2020/21 bereits 6 Millionen Tonnen Getreide exportiert, darunter 4,8 Millionen Tonnen Weizen, und das Exporttempo nimmt weiter zu, berichten Analysten. Es wird vermutet, dass die Ausfuhren im August neue Rekordwerte erreichen könnten. Russlands Getreideexporte für August wird derzeit auf 5,5 Millionen Tonnen geschätzt, gegenüber 3,0 Millionen Tonnen im Juli.

USA: Sturmschäden, Trockenheit und steigende Preise

Sturmwolke und dunkler Himmel über einer Straße und Feldern

In seinem Crop-Monitoring-Bericht vom Montag hat das USDA die Maisbestände im Mittelwesten zu 64 Prozent in gutem oder sehr gutem Zustand bewertet – gegenüber 69 Prozent vor einer Woche. Das ist eine überraschend große Verschlechterung von drei Prozentpunkten in nur einer Woche. Die Maisernte im stark sturmgeschädigten Iowa wurde zu 50 Prozent als gut/sehr gut eingestuft – gegenüber 59 Prozent vor einer Woche.

Im Bericht des National Agricultural Statistics Service (NASS) von Iowa wird darauf hingewiesen, dass derzeit "die Trockenheit für den größten Teil des Bundesstaates ein Problem darstellt".

In seinem Bericht schätzt das USDA das Rating für Sojabohnen auf 69 Prozent als gut/sehr gut ein ­– gegenüber 72 Prozent vor einer Woche. Ebenfalls ein Rückgang von 3 Prozentpunkten. Außerdem meldete das USDA, dass die US-amerikanische Sommerweizenernte erst zu 49 Prozent eingebracht ist, gegenüber einem Fünfjahresdurchschnitt von 62 Prozent.

In der vorigen Woche hatte der Beratungsdienst Pro Farmer zudem eine Tour durch sieben Top-Produktionsstaaten durchgeführt. Sowohl die Prognosen für Soja als auch für Mais lagen dabei unter den letzten Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums, obwohl die Maisernte die zweitgrößte aller Zeiten und Soja die drittgrößte sein würde, wenn die Prognosen von Pro Farmer eintreten würden.

Ein Hauptgrund für die niedrigere Maisprognose sind die Ergebnisse aus Iowa, dem führenden US-Maisproduzenten. Die Bedingungen in Iowa waren in diesem Jahr durch Dürre und den Derecho-Sturm vom 10. August geprägt, der hurrikanartige Winde und Hagel über das Zentrum des Staates sandte. Einige erfahrene Crop Scouts waren schockiert über die schweren Schäden.

"Es wird keinen Spaß machen, wenn diese Flächen zur Erntezeit kommen", sagte Brian Grete, Direktor der östlichen Hälfte der Tour. Ohne die Dürre und den Sturm wäre die Maisernte in Iowa erheblich größer gewesen, sagte Pro Farmer gegenüber Journalisten. „Ein Teil dieses Mais wird wohl noch geerntet, aber bis dahin ist mit weiteren Ertragsverlusten zu rechnen", hieß es weiter.

Europa: Export springt an – Weizenpreise steigen

Getreide rieselt über einen Schlauch in ein Getreidelager

Nach einem sehr schwachen Beginn zieht der Export der Europäer – vor allem Frankreichs nach China – jetzt offenbar kräftig an. Allerdings sind die verkauften Mengen bisher nur in begrenztem Umfang in den Exportstatistiken zu sehen, sagen Händler.

Nach den Daten der EU-Kommission haben die Europäer bis zum 23. August etwa 2,1 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verschifft – das ist gerade einmal halb so viel wie im vorigen Jahr. Bei Gerste wird eine Ausfuhrmenge von 1,2 Millionen Tonnen gemeldet. Das ist ein etwas kleineres Minus von 14 Prozent zum Vorjahr.

Frankreich hat bisher 580.000 Tonnen Weizen und 593.000 Tonnen Gerste exportiert. Deutschland kommt auf 135.000 Tonnen Weizen und 279.000 Tonnen Gerste und am rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta wurden 679.000 Tonnen Weizen und 289.000 Tonnen Gerste ausf Schiffe verladen.

Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise zuletzt über 186 Euro je Tonne gestiegen. Am Hamburger Exporthafen haben die Weizenpreise zuletzt ebenfalls zugelegt und notierten am Dienstag bei 179 Euro je Tonne.

Für Futtergerste lagen die Preisangebote am Hamburger Hafen bei 161 Euro je Tonne und damit ebenfalls höher als in der vorigen Woche. Grund dürfte auch die lebhafte Exportnachfrage sein.

Für Brotroggen wurden in Hamburg aktuell 158 Euro geboten und damit ähnliche Preise wie vor einer Woche.

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