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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Darum stürzen die Getreidepreise so weit nach unten

Getreide wird von einem Anhänger bei offener Klappe abgeladen
am Montag, 25.01.2021 - 12:59 (Jetzt kommentieren)

Vorige Woche wurde der Getreidemarkt von einem heftigen Preissturz erschüttert.

aktuelle Weizenpreise am europäischen Terminmarkt bei 223 Euro je Tonne Weizen im Januar 2021

Am Terminmarkt in Chicago fielen die Preise für Weizen, Sojabohnen und Mais immer weiter bis auf ihre Tageslimits – und rissen auch die Preise in Europa mit nach unten. Ob das deutlich niedrigere Niveau Bestand hat, oder ob es mit den Getreidepreisen rasch wieder nach oben geht, weil die Korrektur übertrieben war, ist noch offen.

Für beide Möglichkeiten finden Analysten derzeit ausreichend Argumente. Die Weizenpreise fielen in Chicago am Freitag um 4 Prozent auf 634 Cent je Buschel - von zuvor 660 Cent und 688 Cent in der Vorwoche; ein Absturz von insgesamt 8 Prozent in wenigen Tagen. Am europäischen Terminmarkt verlor der Weizen am Freitag 8,50 Euro und sank auf 223 Euro je Tonne – eine Woche zuvor war der Weizen noch mit 234 Euro je Tonne gehandelt worden.

Noch dramatischer war in Chicago der Preissturz bei Sojabohnen. Hier verlor der vordere Temin am Freitag 59 Cent und fiel auf 1.311 Cent je Buschel. Im Vergleich zur Woche zuvor betrug der Einbruch 8 Prozent bzw. 111 Cent. Dieser Absturz zog natürlich auch die europäischen Rapspreise mit nach unten, die am Freitag mit 432 Euro je Tonne aus dem Handel gingen. Das ist ein Wochenverlust von 8 Euro je Tonne.

Auch die Maispreise mussten in Chicago Federn lassen und fielen am Freitag um 24 Cent auf gerade noch 500 Cent je Buschel. Am europäischen Terminmarkt summierte sich der Wochenverlust für den Mais auf immer noch 6 Euro und der Schlusskurs lag bei 209 Euro je Tonne. Am heutigen Montag scheinen sich die Kurse für Weizen, Mais und  Raps  in Europa – ausgehend von den USA – zunächst zu stabilisieren.

Die Sorgen nahmen aber auch auf der Nachfrageseite zu, da weltweit immer mehr Fälle von Coronainfektionen auftreten. Hinzu kommt, dass in China wieder neue Ausbrüche von Schweinepest festgestellt wurden, was die jüngste Rallye bei Futtergetreide und Sojabohnen ebenfalls bremsen könnte, befürchtet das französische Beratungsunternehmen Agritel.

Risikoprämien einkassiert, Russland streicht Exportquote

Gefallene Weizenpreise am Terminmarkt in Chicago Stand 25. Januar 2021

Händler berichten indessen, dass ein erheblicher Teil der massiven Verkaufswelle fondsbezogen war, also technisch bedingt. Das heißt konkret: Der Preissturz löste bei kommerziellen Großanlegern immer neue Verkaufsaufträge aus.

Hinzu kam: Regenfälle in wichtigen südamerikanischen Anbaugebieten und die Aussichten auf höhere Ernteerträge in Südamerika linderten die Sorgen um das weltweit sehr knappe Angebot. „Die Getreide- und Sojabohnenmärkte kassierten einen Teil der Risikoprämien der letzten Wochen wieder ein“, sagte ein Händler.

Die Weizenpreise gerieten zusätzlich unter Druck, als Russland bekannt gab, nun doch keine Exportquoten einzuführen, sondern nur die Zölle beizubehalten. Hintergrund ist offenbar die starke Zurückhaltung der russischen Landwirte beim Weizenverkauf nach der Bekanntgabe der staatlichen Exportrestriktionen. Es ist jedoch trotz Aufhebung der Quoten (und Beibehaltung der Zölle) unwahrscheinlich, dass die russische Regierung viel mehr Weizen als bisher geplant aus dem Land lassen wird.

Irgendwann müssen die Landwirte ihren Weizen allerdings verkaufen, denn sie brauchen das Geld für Saatgut, Dünger und Pflanzenschutz für die neue Saison. Manche Händler befürchten jedoch, dass die russischen Getreidebauern wegen der deutlich kleiner erwarteten Ernte in der kommenden Saison so viel Weizen wie möglich zurückhalten werden.

Die russischen Analysten von Sovecon erhöhten ihre Prognose für die 2021er-Weizenernte in Russland diese Woche von 76,8 Millionen Tonnen auf 77,7 Millionen Tonnen, da sich die Wetterbedingungen im Januar verbessert hatten. Im vorigen Jahr hatten die Russen eine Rekordernte von 85,3 Millionen Tonnen eingebracht – doch die Weizen-Preise an den russischen Exporthäfen waren wegen der enorm starken globalen Nachfrage – trotzdem auf ein 7-Jahreshoch gestiegen.

Preiseinbruch: Regen in Südamerika, Schweinepest in China, Corona

Preiseinbruch der Sojabohnenpreise CBOT-Chicago Stand Januar 2021

Von großer Bedeutung für die Preisentwicklung – auch beim Weizen – ist der weitere Verlauf der beiden bisherigen Bullenmärkte für Mais und Sojabohnen. Analysten äußerten zuletzt jedenfalls Sorgen, dass sich zum einen Chinas Nachfrage abschwächen könnte, da immer neue Ausbrüche von Schweinepest festgestellt werden. Hinzu kommen Befürchtungen, wegen der weltweit immer neuen Fälle von Corona und den davon ausgehenden möglichen Handels- und Transportrestriktionen sowie einer insgesamt stärker belasteten Konjunktur.  

Und auch andere Signale sind bärisch: So rechnen Beobachter damit, dass die Farmer in den USA in diesem Frühjahr wegen der sehr hohen Preise sehr viel mehr Sojabohnen und Mais anpflanzen werden. Die brasilianische Sojabohnenernte hat indessen sehr langsam begonnen, was sich zunächst positiv auf die US-Märkte auswirken dürfte. "Das hält das chinesische Geschäft für ein paar zusätzliche Wochen am Laufen", sagte Jack Scoville, Marktanalyst bei der Price Futures Group. „Die Tatsache, dass die Preise so stark gefallen sind, fördert den Absatz zusätzlich."

Die Pflanzung von argentinischen Sojabohnen und Mais haben sich in der letzten Woche beschleunigt, unterstützt durch wiederholten Regen, der Felder befeuchtete, die durch monatelang trockenes Wetter extrem ausgedörrt waren, teilte die Getreidebörse von Buenos Aires mit. Kurzfristig sei jedoch mehr Feuchtigkeit erforderlich, um gute Erträge für die Ernte 2020/21 zu erzielen.

Die brasilianischen Landwirte könnten 2021 doch noch eine Rekordernte von 132,2 Millionen Tonnen Sojabohnen einbringen (wegen einer starken Anbauausweitung), trotz der Dürre, die die Pflanzung und die Ernte verzögert hat, ergab eine Schätzung von 13 US-Analystenhäusern. Im Dezember lag die Konsensprognose noch bei 131,8 Millionen Tonnen.

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