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Vorbericht

Getreidepreise: Der Tag der Entscheidung

Getreideernte
am
12.08.2019
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Heute wird sich entscheiden, in welche Richtung die Getreidepreise in den nächsten Wochen gehen. Darüber sind sich die meisten Analysten einig.

Welche Richtung das jedoch sein wird, darüber herrscht wie so oft keine Einigkeit. Alles scheint möglich: Nach oben, nach unten oder weiter seitwärts. Auf jeden Fall wird der Markt heute Abend mit neuen fundamentalen Daten versorgt.

In den USA interessieren die Farmer vor allem die Aussaatflächen bei Mais und Sojabahnen und die aktuellen Lagerbestände. Für die Europäer werden neben den neuen Eckdaten aus den USA vor allem die aktualisierten Ernte- und Exportschätzungen vom Schwarzen Meer maßgeblich für das weitere Preispotenzial bei Weizen und auch Gerste sein. 

Bei der aktuellen Exportauktion Ägyptens in der vorigen Woche konnte Russland jedenfalls erneut am meisten Weizen verkaufen – mit deutlichem Vorsprung vor der Ukraine und Rumänien.

Russland beim Weizenexport wieder vorn

Getreide verladen

Die globalen Exportpreise für Weizen haben sich zuletzt stabilisiert, da der Erntedruck auf der nördlichen Hemisphäre nachlässt. Die ägyptischen Import-Einkäufe geben derzeit  einen guten Überblick über die Konkurrenz-Situation.

Vorige Woche hat Ägypten 415.000 Weizen gekauft. Davon kamen 240.000 aus Russland, 115.000 t aus der Ukraine und immerhin 60.000 t aus Rumänien. Also alle Einkäufe vom Schwarzen Meer. Dies ist allerdings das erste Mal in diesem Wirtschaftsjahr, dass Russland eine ägyptische Ausschreibung so dominiert.

Bisher hatten Russen eher einen schleppenden Start der Exporte aus ihren südlichen Regionen. In Südrussland waren die Ernteergebnisse am schwächsten. Analysten und Handel gehen jedoch davon aus, dass die Russen in diesem Wirtschaftsjahr ähnlich aggressiv exportieren werden wie im Vorjahr, wenn die Erntemenge in Nähe des Vorjahresniveaus liegt.

Im Moment sind die meisten Prognosen noch höher. Diese Konstellation bestimmt auch die Preisentwicklung in Europa, denn die Preise am europäischen (deutschen) Binnenmarkt hängen wie sonst auch ganz entscheidend von den möglichen Exporterlösen ab. Und bislang lief der europäische Export – außer für Rumänien  - ebenfalls eher schleppend an.

Europäische Exportpreise weiter gefallen

Getreideexport

Vor dem Hintergrund der günstigen Frachtkosten aus Russland und der Ukraine haben die Exportpreise für Weizen in Westeuropa zuletzt weiter nachgegeben. In Russland waren die Kurse hingegen relativ stabil und die USA waren mit Abstand zu teuer. An den französischen Exporthäfen (Rouen) wurde der Brotweizen zuletzt mit 190 USD/t (fob) angeboten. Das war im Wochenvergleich ein weiterer Preisrückgang von 2 USD/t. Ende Juni lagen die Preise an der gleichen Stelle noch bei 220 USD/t und damit rund 30 USD höher.

Die hohen Ernteprognosen aus Frankreich (und Rumänien) sowie der Preisdruck aus Russland haben jedoch für eine Preisrutsch gesorgt. Dagegen waren die Exportpreise für Brotweizen am Schwarzen Meer zuletzt relativ stabil und lagen bei etwa 195 USD/t und damit sogar etwas höher als in Frankreich. Grund sind die deutlich günstigeren Frachtkosten der Russen und der schleppende Exportbeginn. Ende Juni hatte hatten russische Exporteure etwa 197 USD/t verlangt. Das waren etwas höhere Preise wie jetzt – jedoch deutlich weniger als die Europäer. 

Erheblich teurer ist der Weizen weiterhin am US-Golf. Dort wurden zuletzt für den Chicago-Weizen 214 USD/t verlangt und für den proteinreichen Kansasweizen 209 USD/t. Hinzu kommen die hohen Frachtkosten über den Atlantik. Die Sommerweizen-Ernte in den USA (und in Kanada) wird bald beginnen, mit hohen Erwartungen an Ertrag und Qualität. Was die Preise betrifft, wird der Weizen dem Mais folgen, der gibt in den USA derzeit den Ton an. Und heute kommt mit dem neuen USDA-Report der Tag der Entscheidung.

Analysten rechnen mit Korrekturen

Maisfeld

US-Analyst Jack Scoville, von der Price Futures Group, erwartetet vom USDA heute Abend zwar Flächenanpassungen, aber keine nennenswerten Ertragsänderungen. „Ich denke, das USDA hat die Ertragserwartungen im Juni geändert und wird sie wahrscheinlich bis zur Ernte beibehalten. Angesichts des aktuellen Wetters werden die Erträge am Ende wahrscheinlich geringer ausfallen. Aber ich würde denken, dass das USDA warten wird, um reale Daten zu sehen, bevor es die Erträge weiter anpasst" sagte der Analyst.

Die Maisfläche könnte um 3,5 Millionen Acres fallen, und die Bohnenfläche könnte um 1,5 Millionen Acres steigen, analysierte Scoville weiter. In der Summe rechnet der Marktbeobachter damit, dass sowohl die US-Produktion von Mais als auch von Sojabohnen geringfügig niedriger ausfallen wird im Juli.

Matt Tranel, Analyst der Commodity Risk Management Group, sagt dazu, dass der Bericht vom Montag einer der am meisten erwarteten Berichte ist, die es seit langer Zeit gegeben hat. "Es gibt viele Dinge zu beachten, aber ich schaue auf Fläche, Ertrag und Nachfrage - in dieser Reihenfolge", sagt Tranel. „Die Anbaufläche ist die dabei die wichtigste Komponente.“

USDA befragte erneut die Landwirte

Lance Honig, USDA-Chef der Crops Division, teilte bei einer Veranstaltung der University of Illinois mit, dass seine Mitarbeiter im Juli auf Felder zurückgekehrt seien, die nicht bepflanzt wurden, um herauszufinden, was mit diesen Feldern passiert ist. Honig erklärte, dass die USDA-Mitarbeiter nicht nur die betroffenen Felder besuchen, sondern auch mit den Farmern sprechen, um herauszufinden, was voraussichtlich für Silage oder andere Zwecke geerntet wird“.

Honig sagt außerdem, das USDA verlasse sich stark auf die Landwirte, um den Ertrag abzuschätzen. "Also werden die Farmer uns ihre bestmögliche Schätzung des erwarteten Ernteertrags geben". Gleichzeitig ziehen wir Satelliteninformationen herran. Honig wies darauf hin, dass es bei der Ertragsprognose zwei Dinge zu beachten gibt. Erstens basiert die Schätzung auf dem, was bei der Aussaat passierte. Zweitens geht das USDA für den Rest des Erntejahres von normalem Wetter aus. "Wir nehmen also keine ungewöhnlichen Anpassungen vor", erklärte Honig. 

Sollte es also nur zu geringen Änderungen an den Daten kommen, könnte der Markt enttäuscht reagieren, glauben viele Analysten. Umso heftiger dürften dann die Preisekorrekturen ausfallen.

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