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USDA-Report und Markdaten

Getreidepreise: Tag der Entscheidung

Maisernte
am Freitag, 08.11.2019 - 17:22 (Jetzt kommentieren)

Heute ist für die Getreidepreise ein entscheidender Tag. Der neue USDA-Report könnte die Märkte erneut durcheinander wirbeln.

Normalerweise passiert im November nicht mehr viel. Die Messen sind gesungen: Die Erntemengen sind bekannt und die Getreidepreise haben sich auf die neuen Verhältnisse von Angebot und Nachfrage eingestellt. Doch dieses Jahr ist alles anders.

Zumindest in den USA. Und die US-Farmer zählen bei den meisten Getreidearten zu den wichtigsten globalen Exporteuren. Deshalb ist der Einfluss der Produktions- und Absatzschätzungen aus Nordamerika auch für unseren Markt und die hiesigen Preise von großer Bedeutung.

Ähnlich wichtig ist nur noch die Ernte am Schwarzen Meer. Und diese ist nach den letzten Meldungen aus Russland sehr groß - größer als bisher erwartet. Deshalb wird die neue russische Weizenernte  im neuen USDA-Report wohl nach oben korrigiert werden müssen. Das sind keine guten Nachrichten - denn der Druck könnte über die Getreidepreise abgeleitet werden.

Unsichere Datenlage – hohe Volatilität

Maisfeld im Winter

Aber zurück zu den USA: Einige Analysten erwarten, dass der neue USDA-Report die Bären bei Mais und die Bullen bei Sojabohnen favorisiert. Das langsame Erntetempo und die unsichere Datenlage in diesem Herbst sorgen zudem unverändert für eine hohe Volatilität an den Getreidebörsen.

Die Händler sind sich immer noch nicht sicher, wie das USDA mit den nicht geernteten Flächen umgehen wird. Jason Roose, ein US-Analyst, sagt, dass die Märkte weiter versuchen, die unsicheren Informationen zu entschlüsseln. „Obwohl die Erträge sowohl bei Mais als auch bei Bohnen unter dem Vorjahresniveau liegen, werden die Märkte so gehandelt, als ob das USDA am Freitag auch einen Ertrags- und Produktionsanstieg melden könnte.

Weiter heißt es: Eine formelle Ankündigung Chinas über ein solides Handelsabkommen könnte die Getreidepreise ebenfalls stützen. Roose fügte hinzu: „Aber auch Bohnen könnten wieder unter Druck geraten, weil Analysten befürchten, dass die weltweiten Endbestände stark ansteigen. Der Verbrauch in China ist wegen ASP nämlich deutlich zurückgegangen, und das USDA hat die Nachfrage möglicherweise überbewertet.“

Markt erwartet Korrekturen

Maisfeld im Winter

Der US-Analyst Al Kluis sagt: „Es ist wahrscheinlicher, dass der USDA-Bericht am Freitag für Sojabohnen eine größere Überraschung sein könnte als für Mais. Die Maisbullen müssen möglicherweise bis zum Januar zum Endproduktions-Bericht warten, da sich das sehr langsame Erntetempo in diesem Herbst weiter fortsetzt.“

Bis Anfang November waren gerade einmal 52 Prozent des Mais und 75 Prozent der Sojabohnen geerntet. In normalen Jahren haben die Farmer zu diesem Zeitpunkt bereits 75 Prozent der Maisernte und 87 Prozent der Sojabohnen vom Feld geholt. Al Kluis sagt weiter: „Die Daten aus dem USDA Crop-Progress-Report zeigen, dass US-Farmer noch 7,7 Millionen Hektar Sojabohnen nicht abgeerntet haben, bei Mais sind sogar 15,9 Mio.Hektar der erwarteten Erntefläche nicht abgeerntet. Die Frage ist nun ob das überhaupt noch zu schaffen sein wird, den im Norden des Mittewestens herrscht inzwischen Winter mit Eis und Schnee.

In einer Vorabschätzung haben die wichtigsten US-Analysten am Mittwoch ihre Erwartungen an den USDA-Report zusammenfasst. Danach rechnet man damit, dass das USDA am Freitag Abend sowohl die Erntefläche als auch den Ertrag nach unten korrigiert und damit die Maisernte um knapp 1,5 Prozent schrumpft. Auch bei Soja rechnen die Analysten mit einer leichten Korrektur der Erträge und einer geringfügigen Korrektur der Erntemenge nach unten.

Und was ist mit den Preisen?

Maisernte USA

 Im Vorfeld des USDA-Reports – am Mittwoch Abend - geben die Kurse für Weizen und Mais an der US-Börse in Chicago recht deutlich nach. Die Sojapreise bewegen sich hingegen im laufenden Handel seitwärts. Dabei hat der Weizen vom seinen letzten Hoch von Mitte Oktober bereits wieder 4 Prozent einbüßt und notiert bei 511 Cent je Buschel. Das sind jedoch immer noch 14 Prozent mehr als zum letzten Preistief Mitte September.

Mais hat seit Mitte Oktober sogar 6 Prozent eingebüßt – notiert mit 376 Cent je Buschel jedoch immer noch 7 Prozent über dem Septembertief. Auch die Sojapreise sind seit Mitte Oktober um gut 3 Prozent gefallen – und liegen mit 917 Cent je Buschel jedoch 8 Prozent über dem Septembertief.

Und in Europa? Hier war die Entwicklung zumindest bei Weizen ähnlich. Der vordere Dezember-Termin notiert an der Matif bei 178 Euro je Tonne. Das sind etwa 4 Euro weniger als zur letzten Preisspitze im Oktober und immerhin 13 Euro bzw. 8 Prozent mehr als zum letzten Preistief im September.

Der vordere Rapskontrakt notiert aktuell bei knapp 388 Euro und damit (anders als das Getreide) 14 Euro höher als im Oktober.  Der vordere Matif-Mais notiert derzeit nur noch bei 164 Euro. Das sind fast 8 Euro weniger als man noch Mitte Oktober notiert hat.

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