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Getreidemarkt und USDA-Report

Getreidepreise: USDA-Report – Viele Gründe für eine neue Preisrallye

Hoch wachsende Maispflanzen auf einem Maisfeld
am Freitag, 11.09.2020 - 05:00 (1 Kommentar)

Die Preise für Weizen, Mais, Gerste und Soja steigen weiter, erwarten Analysten. Dafür gibt es eine ganze Menge Gründe.

Grafik zu den steigenden globalen Exportpreisen von Weizen in Europa und Russland

Ein Grund könnten weitere Produktions-Korrekturen in den USA sein. Dort hatten schwere Stürme mehrere Millionen Hektar Mais und Soja verwüstet – vor allem im TOP-Mais-Staat Iowa. Außerdem war es im Mittelwesten zuletzt sehr trocken und heiß – und in den nördlichen Staaten an der kanadischen Grenze, gibt es einige Zeit vor Erntebeginn auch noch Frost – und damit weitere Verluste.

Ein wichtiger Markttreiber für die USA und auch für Europa und andere große Getreideexporteure ist zudem die außergewöhnlich starke Nachfrage aus China – nach Weizen, Mais, Gerste und Soja. Die starken Überflutungen in den chinesischen Getreideprovinzen dürften vor allem die Mais- und Reisernte kräftig reduzieren und für einen hohen zusätzlichen Importbedarf sorgen.

Aber auch ohne die schlechte chinesische Ernte bestand in China zuletzt schon eine größer werdende Lücke zwischen Produktion und Verbrauch, was die – auf dem Papier ­ – sehr hohen chinesischen Bestände kräftig dezimiert hat. Die Preisdifferenz zwischen den chinesischen Binnenmarktmarkpreisen und den Weltmarktpreisen wird deshalb immer größer und kurbelt die Importe weiter kräftig an – obwohl diese Einfuhren eigentlich über staatliche Kontingente geregelt werden.

Gestützt wird der Markt außerdem auch durch die rekordhohen Exporte Russlands bei Weizen und Gerste. Am Schwarzen Meer steigen die Getreidepreise  nämlich – obgleich die russische Ernte noch weiter nach oben korrigiert wurde.

Und zu guter Letzt: In Europa – vor allem in Frankreich – ist das Angebot sehr klein – und die vorhandene Exportnachfrage kann nicht in vollem Umfang bedient werden. Das gilt um so mehr, als auch der innereuropäische Getreidehandel durch die extrem kleine britischen Ernte, und die hohen britischen Importkäufe von Weizen in Deutschland, zusätzlichen Schub erhält.

Die französischen Weichweizenexporte in Drittländer fielen im August trotz umfangreicher Lieferungen nach China auf ein Vierjahrestief. Exportware ist in Europa also knapp. Der Einbruch der französischen Ernte dürfte die gesamteuropäischen Weichweizenexporte um die Hälfte reduzieren, verglichen mit einem Rekordvolumen von 13,5 Millionen Tonnen im Jahr 2019/20, erwartet das Beratungsunternehmen Agritel.

USA: Trockenheit, Sturmschäden und früher Frost

Maisernte auf einem Maisfeld mit einem Maishäcklser

Die Bewertungen der US-Mais- und Sojabestände sind in den letzten Wochen immer weiter gesunken, was dem Markt offenbar hilft zu verstehen, dass die Ernte 2020 lange nicht so groß wird, wie das USDA in seinem August-Bericht unterstellt hat. Stattdessen ist wahrscheinlich eine deutlich „normalere“ Ernte zu erwarteten. Das könnte beim heutigen September-Report des USDA bereits sichtbar werden.

Gründe für die vom Markt erwarteten Korrekturen sind der extreme Sommersturm „Derecheo“, aber auch die großen Dürreprobleme in Iowa und ein heißer und trockener August fast im gesamten Mittelwesten. Weiter nördlich, in Nord-Dakota und Nord-Minnesota, gab es hingegen zu viel Regen – dort standen die Maispflanzen den größten Teil des Sommers in feuchten Böden. Natürlich gibt es auch Regionen zwischen Iowa und dem feuchten Norden - wo die Ernten gut sein werden.

Für die laufende Woche zeigen die Wettervorhersagen Regen für Texas, Oklahoma, Kansas, Iowa, Wisconsin und Teile von Nebraska und Colorado - wahrscheinlich die besten Regenfälle seit langem. Das war auch der Grund für die zwischenzeitliche Schwäche der Getreidepreise. Danach wird die Prognose für den gesamten Maisgürtel aber wieder deutlich trockener.

Die Temperaturen werden im gesamten US-Mittelwesten jedoch unter den Normalwert sinken, sodass der Herbst sehr früh beginnt. Frost traf bereits weite Teile von Nord-Dakota, Minnesota und Kanada, etwa ein bis zwei Wochen früher als gewöhnlich. Dabei sind weder Mais noch Soja erntereif. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass es zu weiteren Ertragsverlusten kommt, vor allem wohl bei Sojabohnen, schreiben Analysten.

China kauft weiter große Mengen Getreide

Exportpreise für Mais.

Britt O’Connell, Analystin bei der Commodity Risk Management Group, sagt, der Markt konzentriert sich in dieser Woche auf den USDA-Report, der am heutigen Freitag veröffentlicht wird. "Händler und Analysten haben allerdings bereits Ertragsreduzierungen in beiden Märkten (Mais und Soja) eingepreist, was auf das heiße und trockene Wetter zurückzuführen ist, das im August in weiten Teilen des Mittleren Westens herrschte", sagt O’Connell.

„Die Nachfrageseite bietet weiterhin Unterstützung, da China die Käufe von Sojabohnen und Mais weiterhin fortsetzt. Es kursieren außerdem weiter Gerüchte über erhebliche Ernteschäden in China, die auf schwere Überschwemmungen während eines Großteils der Vegetationsperiode zurückzuführen sind “, sagt die Analystin.

Für das Wirtschaftsjahr 2020/2021 wurden bereits 11,1 Millionen Tonnen Mais den US-Exporten nach China zugerechnet, einschließlich der laut O'Connell als  an „unbekannt“ erfolgten Verkäufe. „Sollte China eine mittelmäßige Ernte verzeichnen und weiterhin US-Mais kaufen, würde dies sicherlich einen großen Beitrag zur Reduzierung unserer erwarteten Endbestände leisten,“, sagt sie - und zu höheren Preisen.

Russlands Getreideexporte weiter auf Rekordniveau

Roter Traktor mit Schlepper fährt auf einem Acker

Das russische Beratungsunternehmen Sovecon hat seine Prognose für die Weizenernte 2020 in Russland von der vorherigen Schätzung von 81,2 Millionen auf 82,6 Millionen Tonnen angehoben, teilte die Sovecon vorige Woche mit. Die Korrektur spiegelt die guten Sommer-Weizenerträge in Zentralrussland und der Wolga-Region sowie in Westsibirien wider, sagte Sovecon.

Dennoch steigen die Getreidepreise – denn die Exporte der Russen bewegen sich auf einem neuen Rekordhoch und zur Herbstaussaat von Wintergetreide ist es in Russlands außerdem sehr trocken. Nach einer aktualisierten Schätzung exportierte Russland im August 5,77 Mio. Tonnen Getreide, was das sehr gute Ergebnis des Vorjahresmonats übertraf und ein rekordhohes monatliches Exportvolumen darstellt, sagte der Leiter des Analysezentrums bei Rusagrotrans JSC, Igor Pavensky.

„Der Weizenexport belief sich auf 4,9 Mio. Tonnen, Gerste auf 570.000 Tonnen, Mais auf 110.000 Tonnen“, sagte der Experte. Pavensky fügte hinzu, dass Russland im September wahrscheinlich 5,6 Mio. t Getreide exportieren werde, gegenüber 4,56 Mio. t im September 2019. "In den ersten sieben Tagen des Septembers hat Russland bereits 1,1 Millionen Tonnen Getreide exportiert", sagte er.

Russlands Weizenpreise steigen – Frankreich aber teurer

Exportepreise für Gerste.

Die russischen Weizenexportpreise stiegen die zweite Woche in Folge. Russischer Weizen mit einem Proteingehalt von 12,5 Prozent wurde an den Häfen am Schwarzen Meer Mitte dieser Woche mit 219 USD pro Tonne frei an Bord (FOB), verladen. Das ist ein Plus von 5 USD gegenüber der Vorwoche. Am französischen Exporthafen Rouen kostet die gleiche Ware 228 USD je Tonne – und damit fast 10 USD mehr.

Die russischen Exportpreise für Gerste legten ebenfalls leicht um 1 USD auf 184 USD pro Tonne zu und in Frankreich ging es um 3 USD auf 206 USD je Tonne nach oben. Hier beträgt die Preisdifferenz sogar 22 USD. Russische Landwirte, die jetzt Winterweizen für die Ernte des nächsten Jahres säen, sind zunehmend besorgt wegen er extremen Trockenheit, berichten die Analysten von Sovecon. Die meisten Regionen dürften auch in den nächsten zwei Wochen trocken bleiben, heißt es.

Russische Getreidebauern haben bereits Wintergetreide auf 35 Prozent der geplanten Fläche bzw. auf 6,3 Millionen Hektar gesät, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. „Aufgrund des trockenen Wetters gibt es einige ernsthafte Bedenken", hieß es weiter. Die Feuchtigkeitsreserven im Boden der wichtigsten Weizenanbau- und Exportgebiete Russlands - Krasnodar, Rostow und Stawropol - seien gering.

Diese drei Regionen haben aber noch genügend Zeit, bis Regen eintrifft, denn der optimale Zeitpunkt für die Aussaat steht noch bevor, sagte Dmitry Rylko, Leiter der Landwirtschaftsberatung IKAR. Die Situation im nördlichen Teil der südlichen Region und im südöstlichen Teil der Wolga-Region sei hingegen komplizierter, da es auch dort erneut an Feuchtigkeit im Boden mangele, sagte Rylko und fügte hinzu, dass dies durch Regen und günstiges Winterwetter noch behoben werden könne.

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