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Getreideernte und Preise

Getreidepreise: Weg nach oben versperrt?

Getreideernte
am Donnerstag, 26.09.2019 - 05:05 (Jetzt kommentieren)

Anfang September war der Ausverkauf vorbei. Die Getreidepreise zogen an. Und gar nicht so wenig. Aber wie geht es weiter?

Für den Weizen ging es am Terminmarkt im September um 6 Euro nach oben. Am Kassamarkt konnten die deutschen Getreidebauern sogar ein Plus von bis zu 8 Euro für Brotweizen verbuchen. Offenbar auch wegen der anziehenden Exportnachfrage.

Beim Mais gab es in Europa nur ein leichtes Plus von etwa 3 Euro. Dafür konnten die Rapspreise in knapp drei Wochen ein Plus von 10 Euro verbuchen. Grund war hier allerdings nicht die kleine Ernte in Europa - sondern die Erholung der Sojapreise in den USA.

Dort half die Aussetzung der für September angekündigten weiteren Zollerhöhungen durch China den Preisen. Hinzu kommt die Hoffnung, auf eine Einigung zwischen den USA und China bei den anstehenden Handelsgesprächen im Oktober.

Neuer Marktimpuls am Freitag

Getreidebestände

Zuvor wird es für die Analysten und Getreidehändler jedoch eine weitere Prüfmarke der aktuellen Marktverhältnisse geben. In den USA wird am kommenden Freitag nämlich der sogenannte Quarterly Grain Stocks Report veröffentlicht. Dieser bildet die Getreide-Bestände zum 1. September ab und gibt damit Aufschluss über den wirklichen Inlandsverbrauch und den Export.

Ähnlich wie bei anderen wichtigen USDA-Reports kann es deshalb am Freitag zu heftigen Preisausschlägen kommen - wenn die Erwartungen des Marktes nicht erfüllt werden. Im Vorfeld des Reports gibt es deshalb auch eine Analystenschätzung, die die aktuellen Markterwartungen widerspiegelt.  

Beim Mais gehen die Analysten davon aus, dass die Bestände zum Ende des Wirtschaftsjahres (1. September) bei 61,7 Mio. t lagen. Das wären immerhin 7,3 Mio. t mehr als im vorigen Jahr – jedoch gleichzeitig etwas weniger als das USDA in seinem letzten Report geschätzt hatte. 

Soja: Läger sind doppelt so voll

Bei Sojabohnen gehen die Analysten für das Ende des US-Wirtschaftsjahres (01. September) von einem Endbestand von 26,7 Mio. t aus. Das wäre mehr als eine Verdopplung der noch im Lager befindlichen Bohnen gegenüber dem September 2018 – damals befanden sich 11,9 Mio. t in den Lägern.

Allerdings hat das USDA vor kurzem noch etwas mehr – nämlich 27,3 Mio. t geschätzt. Beim Weizen erwarten die Analysten zum 1. September Bestände von 63,1 Mio. t. Das wären fast 2 Mio. t weniger als im vorigen Jahr zum gleichen Termin.

Präsident Trump hat am Dienstag erneut eine harte Haltung gegenüber China eingenommen und erklärt, dass die USA einen großen Deal brauchen würden, bevor sie ein Handelsabkommen mit den Chinesen unterzeichnen. Dennoch berichteten Händler, dass China erneut 600.000 Tonnen Sojabohnen aus den USA gekauft hat.

Noch mehr Weizen und Gerste in Europa

Getreideernte

Aus Europa sind die aktuellen Eckdaten allerdings alles andere als bullisch. Das Analystenhaus Strategie Grains hat seine Prognosen für die Produktion und den Export von Weichweizen (und auch von Gerste) Ende der vorigen Woche erneut deutlich angehoben. Ursache sind die sehr guten Ernteergebnisse aus Frankreich und Großbritannien und auch hohe Exporte aus Rumänien und Bulgarien.

Strategie Grains erwartet jetzt für 2019/20 eine Weichweizenernte von 144,5 Millionen Tonnen. Im August war man noch von 142,9 Millionen Tonnen ausgegangenen. Das Ergebnis aus dem Dürrejahr 2018 wir damit um 17,4 Mio. t bzw. um 14 Prozent übertroffen, hieß es in dem monatlichen Getreidebericht.

Nachdem Strategie Grains die Schätzung bereits im vorigen Monat um über 2 Millionen Tonnen angehoben hatte, untermauert die erneute Aufwärtskorrektur, den Konsens am Markt, dass die Weizenernten in der EU in den meisten Ländern die rekordverdächtige Hitzewellen ohne größere Schäden überstanden hat. Deutschland und Polen offenbar ausgenommen.

Den europäischen Weizen-Export erwartet Strategie Grains jetzt bei 25,7 Millionen Tonnen, nach 24,8 Millionenim Vormonat und nur gut 21 Millionen, die man 2018/19 exportiert hatte. Es wurde außerdem erwartet, dass die Weizenbestände in der EU zunehmen werden, da eine stärkere Konkurrenz von Gerste und Mais als Tierfutter und von Weizen auf den Exportmärkten die Nachfrage dämpfen würde, so die Strategie Grains.

Getreidepreise in Russland und Frankreich gleich auf

Exportpreise Weizen

Vor dem Hintergrund der weiter nach oben geschätzten europäischen Ernte sind die Getreidepreise natürlich noch stärker vom Export und der Entwicklung an den internationalen Märkten abhängig. Und da ging es in USA und in Europa etwas nach oben. Am Schwarzen Meer blieben die Preise indessen stabil (niedrig). Was auf anhaltenden Ernte- und Angebotsdruck hindeutet. 

An den Exporthäfen in Frankreich wurde der Weizen zu fob-Preisen von 186 USD/t (168 Euro/t) verladen. Das sind immerhin 4 Euro mehr als vor zwei Wochen. Die Exportpreise für russischen Weizen liegen am Schwarzen Meer ebenfalls bei etwa 186 USD/t (168 Euro). Allerdings sind die Frachtkosen vom Schwarzen Meer nach Nordafrika und in den Mittleren Osten erheblich niedriger als aus Frankreich.

Am US-Golf wurde der Chicago-Weizen zuletzt für 217 USD/t  (195 Euro) verladen und damit 15 USD teurer als zum Monatsbeginn. Für den Kansas-Weizen wurden 206 USD/t  (186 Euro) verlangt. Das sind 11 USD mehr als vor zwei Wochen.

Bei Gerste ist der Discount der Franzosen gegenüber den Russen zuletzt kleiner geworden. An den französischen Exporthäfen wurde Gerste zuletzt für 173 USD/t (156 Euro) verladen. Das sind etwa 3 Euro weniger als vor zwei Wochen und gleichzeitig 2 USD weniger als die Russen am Schwarzen Meer mit 175 USD/t haben wollen.

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