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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Bei Weizen geht die Post ab

Haufen mit Getreidekoernern
am Freitag, 24.01.2020 - 14:00 (Jetzt kommentieren)

Im Moment scheint nichts mehr unmöglich. Die europäischen Weizenpreise könnten bald die 200-Euro-Marke überspringen.

CBOT Weizen

Groß ist der Abstand zur 200-Euro-Marke – am Terminmarkt – jedenfalls nicht mehr. Und auch am Weltmarkt steigen die Kurse von Preishoch zu Preishoch. In Chicago kostet der Weizen (SRW) so viel wie zuletzt vor vier Jahren. Hauptreiber für diese Rallye ist offenbar der Export. Hier zieht die starke Nachfrage die Verkaufspreise an den wichtigsten Handelsplätzen in Europa und am Schwarzen Meer immer weiter nach oben. Das gibt auch den Getreidepreisen am europäischen Binnenmarkt einen kräftigen Schub.

In Frankreich behindert zudem ein Streik der Transportarbeiter die Verladung und Verschiffung von Getreide. Das sorgt für zusätzliche Knappheit. Zuletzt wurden am wichtigsten französischen Exporthafen (fob) Rouen 225 USD je Tonne (204 Euro/t) für den dort verladenen Brotweizen geboten. Das waren rund 45 USD mehr als im September und zugleich die höchsten Preise seit rund einem Jahr.

Am Schwarzen Meer wurden zuletzt ebenfalls 225 USD je Tonne gefordert. Noch höher waren die Exportpreise in den USA. Dort werden am Golf für den Chicago-Weizen (SRW) fast 260 USD je Tonne (235 Euro) verlangt. Auch die Exportpreise für Futtergerste haben in Europa von der Rallye profitiert. In Rouen werden mittlerweile wieder 195 USD je Tonne (176 Euro) notiert – Das sind die höchsten Preise seit April vorigen Jahres.

Russland will Export regulieren – Streik in Frankreich

Getreide Lager

Am Dienstag stieg der Märzweizen an der MATIF zeitweise bis auf 199,75 Euro je Tonne, den höchsten Kurs seit August 2018. Die psychologisch wichtige 200-Euro-Schwelle wurde aber noch nicht überschritten. "Beim Weizen gab es jedoch einige bemerkenswerte Impulse", sagte Carlos Mera, Analyst bei der Rabobank. "Es ist eine Kombination von Dingen“ betonte er. Am stärksten wirkten zuletzt die wegen der Dürre  geschrumpfte Ernte in Australien und die Ankündigung des weltweit größten Weizenexporteurs Russland die Exporte möglicherweise zu beschränken.

Beide Ereignisse dürften die möglichen Getreideexporte begrenzen und sorgen damit in Zeiten reger Nachfrage für ein knapperes globales Weizenangebot. Hinzu kommen die Exportarbeiterstreiks in Frankreich. Diese verschlechtern die Exportverfügbarkeit beim größten Weizenexporteur der Europäischen Union. Die französische Getreidewirtschaft teilte diese Woche mit, dass durch die Streiks bis zu 450.000 Tonnen Getreide an in französischen Häfen blockiert worden sind.

Und nicht zuletzt hat der Abschluss des ersten Handelsabkommens zwischen China und den USA in der vorigen Woche die Aussicht auf chinesische Käufe von Weizen und anderen Agrarprodukten erhöht, was die internationale Nachfrage zusätzlich ankurbeln könnte.

Deutsche Exporte laufen wieder besser

Getreideexport

Noch laufen die  europäischen Weizenausfuhren – trotz der Streiks in Frankreich – aber wie geschmiert und ziehen die Weizenpreise auch am Binnenmarkt nach oben. Im laufenden Wirtschaftsjahr wurden bis zum 19. Januar bereits 16,6 Mio. Tonnen Weizen exportiert. Das sind 68 Prozent - bzw.  6,7 Mio. Tonnen - mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – also im Dürrejahr 2018.

Deutschland hat nach einem sehr schwachen Start bei den Exporten zuletzt deutlich aufgeholt. Mitte Januar lagen die deutschen Ausfuhren im Ranking der europäischen Wettbewerber – knapp hinter Lettland und Bulgarien und noch vor Polen – auf Position fünf - mit 1,28 Mio.Tonnen.

Deutlich mehr Weizen haben bisher Frankreich und Rumänien in Drittländer verkauft - nämlich 5,0 Mio. Tonnen bzw. 3,0 Mio. Tonnen. Dahinter rangieren dann Bulgarien und Lettland - mit Ausfuhren von jeweils 1,36 Mio.Tonnen. Polen kommt auf 953.000 Tonnen – und liegt damit jetzt hinter Deutschland.

Die wichtigsten Absatzmärkte für europäischen Weizen sind in dieser Saison: Algerien, Saudi-Arabien, Ägypten und China. Allein nach China wurden bis Mitte Januar gut 900.000 Tonnen Weizen verkauft – vor allem aus Frankreich.

Kassapreise folgen dem Terminmarkt - langsam

Matif Weizen

Am europäischen Terminmarkt hatten die Weizenpreise am Dienstag nur ganz knapp die 200-Euro-Marke verfehlt. Die neue Ernte 2020 wurde knapp 10 Euro je Tonne billiger- mit 189 Euro - gehandelt. Im laufenden Handel am Mittwoch gaben die Kurse etwas nach. Der vordere Weizenkontrakt notierte am Nachmittag bei 197,50 Euro je Tonne. Ein Analyst der Comerzbank sagte zur leichten Schwäche der Preise: "Es gibt derzeit keinen Grund, warum die Weizenpreise die hohen Schwellenwerte nicht wieder erreichen sollten."

Am Kassamarkt folgen die Preise den Vorgaben vom Terminmarkt nur langsam. Brotweizen wurde am Hamburger Großmarkt und Exporthafen am Mittwoch mit 193 Euro je Tonne notiert. Das waren 3 Euro mehr als vor einer Woche. Auch an den wichtigsten ostdeutschen Handelsplätzen waren die Brotweizenpreise zuletzt um 3 Euro auf 177 Euro je Tonne gestiegen.

Die Preise für Futterweizen lagen in Hamburg am Mittwoch bei 191 Euro je Tonne. In Südoldenburg wurde Futterweizen mit 194 Euro je Tonne notiert. Für Futtergerste wurden in Hamburg am Mittwoch 174 Euro je Tonne geboten. Auch hier sind die Preise im Wochenvergieich um 3 bis 4 Euro gestiegen. An den ostdeutschen Großhandelsplätzen wurde Futtergerste ebenfalls zu etwa 3 Euro höheren Preisen von durchschnittlich 158 Euro je Tonne gehandelt.

Import-Mais vom Schwarzen Meer wurde am Hamburger Hafen (fot Brake) diese Woche für 180,50 Euro je Tonne angeboten. Für die Termine Februar bis April lagen die Preisforderungen bei 181 Euro je Tonne.  

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