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Getreidevermarktung

Getreidepreise: Weizen steigt auf Halbjahreshoch

Berg mit Getreide
am Montag, 30.12.2019 - 10:43 (Jetzt kommentieren)

Kurz vor dem Jahreswechsel klettern die Getreidepreise in Europa auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr.

Am europäischen Terminmarkt legten die Weizenpreise im Dezember um mehr als 7 Euro zu und verfehlen kurz vor dem Jahresende nur noch knapp die 190-Euro-Marke. In den USA und am Weltmarkt erreichten die Weizenkurse sogar den höchsten Stand seit einem Jahr. Und die Preise bewegen sich kurz von dem Jahresende weiter nach oben.

Auslöser für die aktuelle Preisrallye ist die sehr starke Nachfrage nach Weizen an den Exportmärkten. Sie zieht die Preise am Weltmarkt und am Binnenmarkt nach oben. Hinzu kommen Meldungen aus der Ukraine, über erhebliche witterungsbedingte Schäden am dortigen Winterweizen und zudem eine spürbare feiertagsbedingte Abschwächung der bislang dominierenden russischen Exportaktivitäten.

Wichtige Treiber sind außerdem auch die Vereinbarungen zwischen China und den USA über die Senkung von Exportzöllen und eine mögliche Beilegung des Handelsstreits. Der europäische (französische) Weizenexport profitiert ebenfalls sehr stark von der chinesischen Nachfrage.

Reichlich Exporte und Entschärfung des Handelsstreites

Getreide verladen

Die Terminmärkte erwarten weiter anziehende Verkäufe der USA nach China, nachdem beide Länder eine Vereinbarung getroffen haben, um den Handelskrieg beizulegen. Der seit mehr als einem Jahr andauernde Streit hat die Lieferungen von Sojabohnen, Sorghum, Schweinefleisch, Weizen und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen nach China erheblich gedrückt.

Peking hat sich nun verpflichtet, mehr US-amerikanische Agrarerzeugnisse einzukaufen. Allerdings haben die Chinesen hat in dieser Saison schon 0,75 Million Tonnen Weizen in der Europäischen Union gekauft und könnten nun im Rahmen des Abkommens stärker auf US-Lieferungen umsteigen. "Es gibt anhaltende Gerüchte, dass China sowohl Mais als auch Weizen kaufen wird", sagte der US-Analyst Jim Gerlach.

"Der Markt ist zuversichtlich, dass China bedeutende Einkäufe tätigen wird", bestätigt auch der Analyst Ole Houe, von IKON-Commodities. Das US-Landwirtschaftsministerium gab in seinem wöchentlichen Bericht bekannt, dass die Exportverkäufe von US-Weizen in der vergangenen Woche sehr hoch bei 714.900 Tonnen lagen. Die Erwartung, dass auch die großen Fonds verstärkt Weizen-Futures kaufen werden, wenn sie ihre Portfolios für 2020 neu ausrichten, stützte die Preise ebenfalls, hieß es aus Brokerkreisen.

"Die Sorge um einen Rückgang der Weltproduktion bei Weizen und einen Rückgang der US-Anbaufläche treibt die Weizenpreise ebenfalls in die Höhe", sagte die US-Brokerfirma CHS-Hedging in einer Notiz.

Ukraine befürchtet Auswinterungsschäden

Ein weiterer Preistreiber beim Weizen ist die Entwicklung in der Ukraine. Das sehr ungünstige Wetter in der Ukraine könnte das Wintergetreide erheblich schädigen, insbesondere das sehr spät gesäte, berichtete die Beratungsfirma APK-Inform am vorigen Freitag. Ein sehr trockener Herbst hatte die Landwirte veranlasst, die Aussaat von Wintergetreide nach hinten zu verschieben, in der Hoffnung, dass günstiges Winterwetter das Auflaufen und das Überleben der Pflanzen ermöglichen würde.

"Unter Berücksichtigung der erwarteten Wetteraussichten sowie des Zustands von Wintergetreide und Raps kann die Überwinterung recht kompliziert werden", heißt es weiter aus der Ukraine. Die spät gesäten Pflanzen hätten nur eine geringere Frostbeständigkeit und dürften bei starkem Temperaturabfall erheblich geschädigt werden.

"Die bedrohlichste Situation besteht bei Wintergerste und Raps sowie bei Winterweizen, die durchweg extrem spät ausgesät wurden, nämlich in der zweiten Oktoberhälfte", heißt es. Die Ukraine hat für die Getreideernte 2020 insgesamt 7,6 Millionen Hektar Wintergetreide und Raps gesät, ein Plus von 0,2 % gegenüber dem Vorjahr.

China kauft Weizen in Europa

Getreide verladen

Nach oben getrieben wurden die Weizenpreise besonders von der jüngsten sehr starken Nachfrage an den Exportmärkten. So hat der Iran  in den letzten Wochen etwa 1 Million Tonnen Weizen, hauptsächlich russischen, gekauft. Gleichzeitig hat Marokko seine Importe kräftig ausgeweitet, nachdem die Regierung den Zoll auf Weichweizen ausgesetzt hatte.

Auch China könnte in dieser Saison 1,0 Million Tonnen Weizen oder mehr in der Europäischen Union kaufen, insbesondere in Frankreich. China ist zwar auch der weltweit größte Weizenproduzent, dennoch importiert das Land auch mehrere Millionen Tonnen vom Weltmarkt, um seinen Bedarf zu decken. Das Reich der Mitte kauft sonst aber selten Getreide aus der EU, was auch auf die hohen Seefrachtkosten zurückzuführen ist.

In diesem Jahr führt die der Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten und Spannungen mit Australien und Kanada aber dazu, anderswo Weizen zu kaufen – nämlich in Europa. Bis Mitte Dezember hatte die Europäer bereits 750.000 Tonnen Weizen an die Chinesen verschifft. Damit rangieren die Chinesen hinter Algerien, Saudi-Arabien und Ägypten auf Rang vier der wichtigsten Weizenimporteure.

Kassapreise dürften weiter steigen

Weizenpreise

Am deutschen Binnenmarkt war über die Feiertage – anders als am Terminmarkt - nur wenig Preisbewegung. Denn: physischer Handel findet kaum bzw. gar nicht statt. Doch die Preise dürften den Kursen an den Terminmärkten auf jeden Fall folgen.

Brotweizen wurde am Hamburger Großmarkt und Exporthafen am vorigen Freitag mit 190 Euro je Tonne notiert. Das war nur 1 Euro je Tonne mehr als in der Woche zuvor. Auch an den wichtigsten ostdeutschen Handelsplätzen sind die Brotweizenpreise im Wochenvergleich um etwa 1 Euro auf zuletzt durchschnittlich 174 Euro je Tonne gestiegen.

Die Preise für Futterweizen lagen in Südoldenburg zuletzt bei 189 Euro je Tonne und damit ebenfalls 1 Euro über der Vorwoche. Für Futtergerste werden in Hamburg aktuell etwa 167 Euro geboten – dass waren etwa die gleichen Preise wie in der Woche zuvor. An den ostdeutschen Großhandelsplätzen wurde Futtergerste zum mit  etwa 149 Euro je Tonne gehandelt. Das ist ebenfalls der selbe Preis wie in der Vorwoche.

Futtermais wurde in Südoldenburg mit 193 Euro je Tonne notiert. Das ist 1 Euro mehr als vor einer Woche.

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