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Getreidemarkt und Getreidepreise

Getreidepreise: Weizenpreise springen auf 5-Monatshoch

Getreide wird in ein Getreidelager geladen
am Montag, 21.09.2020 - 11:05 (Jetzt kommentieren)

Weltweit sind die Weizenpreise kräftig gestiegen - in Europa auf knapp 195 Euro je Tonne und damit auf ein 5-Monatshoch.

Grafischer Verlauf der globalen Exportpreise für Weizen die im August 2020 ansteigen

Auch an allen wichtigen Exportmärkten ging es mit den Weizenpreisen steil nach oben. Am Schwarzen Meer stiegen die Preise in der letzten Woche um 9 Euro und erreichten damit fast das hohe europäische Niveau. Auch für Mais und Gerste legten die Exportpreise kräftig zu – wenn auch nicht so stark wie für Weizen. 

Die Gründe für die starke Rallye sind offensichtlich: Zum einen ist es der Sog der vom hohen Importbedarf der Chinesen auf die globalen Preise für Weizen, Mais und Gerste ausgeht. Zum anderen sind es die seit August auf Rekordniveau laufenden Weizenexport der Russen. Trotz der riesigen russischen Ernte kann gar nicht so viel Ware an die Exporthäfen geschafft werden wie nachgefragt wird.

Ein Grund für den russischen Exportboom ist sicher der Ausfall der Europäer – vor allem Frankreichs – als Exporteur und die so entstandenen Versorgungsprobleme bei einigen traditionellen französischen Abnehmern (etwa Algerien und andere Nordafrikaner).

Bei der letzten Ausschreibung des weltweit größten Weizenimporteues Ägypten hat jedenfalls wieder Russland den größten Zuschlag erhalten – und etwas überraschend – auch Polen kam mit einer kleineren Menge zum Zuge. Ohnehin habend die Polen dieses Jahr schon fast doppelt so viel Weizen in Drittländer verkauft wie Deutschland – der üblicherweise neben Frankreich und Rumänien größte europäische Exporteur.

Die russischen Exportpreise lagen Ende letzten Woche fob-Schwarzmeerhafen bei 228 USD je Tonne und damit 9 USD höher als in der Woche zuvor. Am französischen Exporthafen Rouen wurde der Weizen zur gleichen Zeit für 229 USD je Tonne verladen und damit 1 USD teure als in der Woche zuvor. Am teuersten war der Weizen indessen in den USA. Dort wurde er Chicago-Weizen am US-Golf für 247 USD verkauft und damit fast 20 USD teurer als in Russland oder Europa.

Die Exportpreise für Gerste lagen am Schwarzen Meer Ende voriger Woche bei 188 USD je Tonne ein Plus von 4 USD zur Vorwoche, während am französischen Exporthafen Rouen 208 USD (!!) je Tonnen verlangt wurden – 2 USD mehr als in der Vorwoche und 20 USD als in Russland.

Frost und schwere Dürre in der Ukraine

Getreideaussaat mit einem Traktor auf einem landwirtschaftlichen Feld

Preisstützend wirken auch die Nachrichten aus der Ukraine: Nachtfröste, die es vorige Woche in der Zentral-, Nord- und Ostukraine gab, könnten der gerade angelaufenen Aussaat von Wintergetreide für die Ernte 2021 erhebliche Probleme bereiten, teilte der ukrainische Wetterdienst am vorigen Donnerstag mit.

Die Ukraine ist derzeit aufgrund einer schweren Dürre im größten Teil des Landes mit den schlechtesten Wetterbedingungen für die Wintersaat seit mindestens 10 Jahren konfrontiert, meldet das Landwirtschaftsministerium. "All dies wirkt sich sehr negativ auf den Verlauf der Aussaatkampagne aus. Der optimale Zeitpunkt für die Aussaat ist gerade gekommen. Da jedoch keine Feuchtigkeit im Boden vorhanden ist, ist die Aussaat derzeit sinnlos", berichtet die Analystenfirma APK-Inform.

„Dieses Jahr werden wir deshalb eine sehr späte Aussaatkampagne haben", sagten die AKP-Analysten. Die Ukraine ist ein traditioneller Winterweizenproduzent, der die gesamte Weizenproduktion des Landes dominiert. Normalerweise beginnt die Aussaat Anfang September.

Das Wirtschaftsministerium berichtete vorige Woche, die meisten Landwirte hätten wegen der Dürre aber immer noch nicht mit der Aussaat für die Ernte 2021 begonnen.

In China wird der Mais knapp – Preise auf Rekordstand

Ein Bagger lädt Getreide auf seine Schaufel

Chinas Maisernte könnten nach den jüngsten Schätzungen der Regierung voraussichtlich um bis zu 10 Millionen Tonnen oder fast 4 Prozent schrumpfen, nachdem Überschwemmungen die Ernte in wichtigen Produktionsgebieten im nordöstlichen Maisgürtel vernichtet haben.

Die erwarteten Produktionsverluste haben die chinesischen Maispreise auf ein Rekordhoch getrieben und die Sorgen über Lieferengpässe beim zweitgrößten Getreideverbraucher der Welt geschürt. Die Folge ist, dass die einst riesigen staatlichen Lagerbestände mächtig schrumpfen und die Importe angekurbelt wurden.

„Wir glauben, dass die Maisproduktion in der nordöstlichen Region in diesem Erntejahr um 5 bis 10 Millionen Tonnen sinken würde", sagte Zhang Dalong, Analyst bei COFCO Futures, und verwies auf die jüngste Produktionsschätzung des Landwirtschaftsministeriums für die Ernte 2019/20 Jahr von 260,7 Millionen Tonnen.

„Die Auswirkungen auf die Produktion und die Qualität des Getreides werden längerfristig spürbar sein", sagte Zhang. Drei Taifune zogen zudem Ende August und Anfang September über Chinas Hauptmaisregionen und zerstörten die Pflanzen und überfluteten Felder, als die Maisernte gerade reif wurde.

„Niedergedrückte Pflanzen sind nicht gleichbedeutend mit dem völligen Verlust der Ernte, vielleicht können die Bauern einen Teil der Produktion zurückgewinnen", sagte der chinesische Analyst Meng Jinhui gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber die Erntekosten werden steigen und es besteht ein zunehmendes Risiko, dass die Maispflanzen schimmelig werden", sagte Meng.

Aufgrund der sehr hohen Preise haben die Getreidehändler im Nordosten Chinas die Lagerkapazität erweitert, während die Landwirte laut Cofeed, einem Beratungsunternehmen für Landwirtschaft, den Verkauf derzeit deutlich zu bremsen.

Auch am Binnenmarkt steigen die Getreidepreise

Grafischer Verlauf der Weizenpreise am europäischen Terminmarkt mit ansteigenden Weizenpreisen im September 2020

Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise vorige Woche bis auf knapp 195 Euro je Tonne gestiegen. Das ist im Vergleich zur Vorwoche ein Plus von gut 7 Euro. Am Hamburger Exporthafen haben die Weizenpreise für die Anlieferung im September ebenfalls zugelegt und notierten am Freitag bei 188 Euro je Tonne. Im Wochenverlauf ein Plus von 4 Euro. Für spätere Termine werden allerdings bis zu 192 Euro je Tonne geboten.

Für Futtergerste lagen die Preisangebote am Hamburger Hafen am Freitag bei 167 Euro je Tonne und damit 5 Euro höher als zum Beginn der Woche. Grund für den Preisanstieg dürfte auch bei Gerste die anhaltend rege Exportnachfrage sein. Nach wie vor sind die deutschen Exporte bei Gerste deutlich höher als bei Weizen. Für Brotroggen wurde in Hamburg am Freitag 162 Euro geboten und damit 3 Euro je Tonne höhere Preise als vor einer Woche.

Nach den Daten der EU-Kommission haben die Europäer bis zum 15. September etwa 3,7 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verschifft – das sind 40 Prozent weniger als im vorigen Jahr. Bei Gerste wird eine Ausfuhrmenge von 1,7 Millionen Tonnen gemeldet. Ein Minus von 9 Prozent zum Vorjahr.

Frankreich hat bisher 1,2 Millionen Tonnen Weizen und 826.000 Tonnen Gerste exportiert. Deutschland kommt auf 146.000 Tonnen Weizen und 279.000 Tonnen Gerste, am rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta wurden 718.000 Tonnen Weizen und 445.000 Tonnen Gerste verladen.

Auch Lettland, Litauen, Polen und Bulgarien haben mehr Weizen in Drittländer verkauft als Deutschland. Bei Gerste rangieren die Deutschen hinter Frankreich und Rumänien auf Position drei. Die Hauptabnehmer von europäischen Weizen sind bisher Algerien, China, Nigeria, Saudi-Arabien und die Philippinen. Die wichtigsten Zielländer für Gerste sind China und Saudi-Arabien – mit großem Abstand vor Tunesien, Marokko und Jordanien.

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