Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Getreideernte und Getreidepreise

Getreidepreise: Weizenpreise steigen und steigen – Rallye geht weiter

Die Weizenpresie steigen in Europa und am Weltmarkt.
am Freitag, 28.08.2020 - 12:16 (Jetzt kommentieren)

Die Weizenpreise kletterten am Terminmarkt bis an die 190-Euro-Marke. Gut 12 Euro ging es seit Mitte August nach oben – und das während der Ernte. So etwas gibt es sonst nur sehr selten.

Grafik zu den globalen Exportpreisen für Weizen für Europa und Russland 2018 bis 2020

Die Impulse für die Rallye kommen hauptsächlich aus den USA: Dürre und Stürme im Mittelwesten, Hurrikans und Überflutungen im Süden der USA drücken die Ernteaussichten der US-Farmer. Gleichzeitig sorgen die zuletzt sehr hohen Exportverkäufe der USA bei Weizen, Mais und Soja für kräftige Preisaufschläge. Abnehmer ist offenbar in der Hauptsache China.

An den wichtigsten Exporthandelsplätzen haben die Weizenpreise diese Woche zugelegt. Am stärksten war der Preisanstieg in den USA mit rund 8 USD je Tonne auf 240 USD fob-Verladehafen am Golf für den Chicago-Weizen. Auch in Russland sind die Weizenpreise trotz der riesigen und weiter nach oben gesetzten Ernte leicht gestiegen – um 1 USD je Tonne auf 203 USD je Tonne. Das sind allerdings 20 USD weniger als derzeit beim europäischen Top-Exporteur Frankreich am fob-Verladehafen Rouen verlangt werden. Nämlich 223 USD je Tonne und damit ebenfalls ein Euro mehr als vor einer Woche.

Ähnlich groß wie bei Weizen ist der Preisunterschied auch bei Gerste. Hier verlangen die Russen fob-Schwarzmeerhafen 182 USD je Tonne – während die gleiche Ware in Frankreich für 201 USD je Tonne verladen wird – ebenfalls nach China. Doch in Europa ist das Angebot wegen der kleinen Ernte knapp und stützt die Preise spürbar. Das kann offenbar auch der sehr teure Euro nicht verhindern.

Die Aussicht auf geringere Exporte aus der Europäischen Union hat dazu beigetragen, die Weizenpreise nach oben zu treiben, sagen Analysten. Vor allem der starke Rückgang der französischen Weizenernte in diesem Jahr könnte die Exporte des größten Getreideproduzenten der Europäischen Union im Jahr 2020/21 um fast 40 Prozent reduzieren, prognostizierte das Beratungsunternehmen Agritel am Mittwoch.

Die Europäische Union hat am Donnerstag den Zoll auf Maisimporte auf Null gesenkt, um dem Anstieg der US-Maispreise einer reduzierten Prognose für die US-Maisernte 2020/21 Rechnung zu tragen, sagte die Europäische Kommission.

USA: Wetterextreme und China treiben die Getreidepreise

Dunkle Wolken und ein Regenbogen über einem Maisfeld und Maissilo

Die USDA meldete, dass die wöchentlichen Exportverkäufe von Weizen insgesamt 764.100 Tonnen betrugen und damit die Prognosen zwischen 400.000 Tonnen und 700.000 Tonnen übertrafen. Private Exporteure meldeten außerdem Verkäufe von 747.000 Tonnen Mais nach China und 140.000 Tonnen Mais an unbekannte Einkäufer (wohl auch China), teilte das USDA am Donnerstag mit.

China, mit Abstand der weltweit größte Sojabohnenimporteur, hat zudem den Kauf von US-Soja-Bohnen, Mais und Weizen verstärkt. Aktuelle Gespräche zwischen hochrangigen Vertretern beider Länder haben die Erwartungen des Marktes an noch mehr Käufe befeuert. "Die Sojabohne profitiert vom starken Appetit chinesischer Käufer. Gleichzeitig nimmt das Angebot in Südamerika ab, was sich positiv auf den US-Export auswirkt", berichten die Analysten von Agritel.

Heißes und trockenes Wetter im Mittleren Westen der USA geben weiter Anlass zur Sorge, da sich Soja und Mais in einer wichtigen Entwicklungsphase befinden. "Die Trockenheit in den USA ist ein Problem. Der Haupttreiber ist aber der chinesische Einkauf", glaubt ein Händler. Auf die Frage, ob mögliche Auswirkungen des Hurrikans Laura ein Faktor für den Preisentwicklung sind, sagt ein Analyst: "Das könnte sein, doch noch entscheidender ist: Die Wetter-Prognosen für Iowa und Illinois sind wieder trockener geworden.

Louisiana ist jedoch ein wichtiger Sojabohnenstaat und Arkansas und Missouri, die von starken Überschwemmungen betroffen sind, gehören zu den Top-10-Produzenten. Don Roose von der Analystenfirma US Commodities sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Änderung der Wetteraussichten für einen Großteil der aktuellen Preisbewegung verantwortlich sind. „Über Nacht änderte sich die Wettervorhersage von einem sehr feuchteren Ausblick zu einem trockeneren Ausblick im Maisgürtel", ist seine Erklärung.

Export zieht Weizenpreise – China kauft und kauft

Grafik zu den MATIF-Weizenpreisen am europäischen Terminmarkt 2018 bis 2020

Am europäischen Terminmarkt sind die Weizenpreise diese Woche bis auf 188,50 Euro je Tonne gestiegen. Das ist im Vergleich zur Vorwoche ein Plus von 8,50 Euro. Am Hamburger Exporthafen haben die Weizenpreise ebenfalls zugelegt und notierten am Donnerstag bei 182 Euro je Tonnen. Im Wochenvergleich ein deutliches Plus von 6 Euro.

Für Futtergerste lagen die Preisangebote am Hamburger Hafen nur bei 158,00 Euro je Tonne und damit etwas niedriger als in der vorigen Woche. Die Angebote für die Anlieferung im September sind indessen schon etwas höher – bei 162 Euro. Grund dürfte die anhaltend rege Exportnachfrage bei Gerste sein. Hier waren die Ausfuhren deutscher Exporteure zuletzt höher als bei Weizen.

Für Brotroggen werden in Hamburg aktuell 157 Euro geboten und damit etwas niedrigere Preise als vor einer Woche.

Nach den Daten der EU-Kommission haben die Europäer bis zum 23. August etwa 2,1 Millionen Tonnen Weizen in Drittländer verschifft – das ist halb so viel wie im vorigen Jahr. Bei Gerste wird eine Ausfuhrmenge von 1,2 Millionen Tonnen gemeldet. Ein Minus von 14 Prozent zum Vorjahr. Frankreich hat bisher 580.000 Tonnen Weizen und 593.000 Tonnen Gerste exportiert. Deutschland kommt auf 135.000 Tonnen Weizen und 279.000 Tonnen Gerste und am rumänischen Schwarzmeerhafen Constanta wurden 679.000 Tonnen Weizen und 289.000 Tonnen Gerste verladen.

Die Hauptabnehmer von europäischen Weizen sind bisher Algerien, die Philippinen, Jordanien und China. Die wichtigste Zielländer für Gerste sind China auf Platz 1 und Saudi-Arabien.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...