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Getreidemarkt

Hafer extrem knapp und teuer

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Dr.Olaf Zinke, agrarheute
am
19.10.2018

Hafer ist im Dürrejahr 2018 in Deutschland extrem knapp. Die Preise sind seit dem Sommer kräftig nach oben geschossen.

Mitte Oktober wird für Futterhafer so viel geboten wie vor gut fünf Jahren. Dabei ist die Erntemenge wegen einer sehr kräftigen Flächenausweitung gar nicht viel kleiner als im vorigen Jahr.

Jedoch deckt die eigene Produktion nur etwas mehr als die Hälfte des deutschen Bedarfs. Die Lücke wird üblicherweise durch Importe aus Finnland, Schweden und Polen gedeckt. Aber gerade in Skandinavien ist die Produktion dürrebedingt drastisch eigebrochen und Futtergetreide ist in Nordeuropa ähnlich knapp und teuer wie in Deutschland.

Der Verband der deutschen Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) hat deshalb ein temporäres Aussetzen des Zolls auf Haferimporte aus Kanada gefordert. Kanada ist mit großem Abstand vor Australien der weltweit größte Exporteur. Die Kanadier liefern ihre Ware jedoch ganz überwiegend in die USA. Nach Europa gelangt üblicherweise kaum Hafer aus Drittländern.

Marktversorgung nicht gesichert

Hafernete Deutschland

Die deutsche Haferernte im Dürrejahr 2018 wurde vom BMEL zuletzt mit 571.000 t angegeben. Damit ist die Produktion etwa so groß wie im Jahr zuvor mit 577.000 t. Das war allerdings nur möglich, weil die Anbaufläche um rund 10 Prozent auf 140.000 ha ausgeweitet wurde.

Zahlreiche Landwirte hatten auf den im Herbst 2017 witterungsbedingt nicht mit Wintergetreide bestellten Flächen Sommergerste oder eben Hafer angebaut. Dadurch konnten die dürrebdingten Minderträge einigermaßen ausgeglichen werden. Allerdings deckt die deutsche Ernte seit langem nicht mehr den heimischen Bedarf. In den letzten 20 Jahren hat sich die heimische Haferproduktion mehr als halbiert und der Importbedarf hat kontinuierlich zugenommen.

Verbraucht wurden in Deutschland nach den Daten der BLE zuletzt etwa 915.000 t Hafer. Davon wurden etwa 425.000 t (vor allem an Pferde) verfüttert. Eine ähnlich große Menge Hafer wird zu Nahrungszwecken verbraucht und der Rest geht an die Industrie oder in die energetische Verwertung.

Schlechte Ernten bei den Lieferanten

Hafer Länder

Importiert hat Deutschland in den letzten Jahren (je nach Erntemenge) zwischen 480.000 t und 630.000 t und damit teilweise mehr als hierzulande Hafer produziert wird. Der drastische Produktionseinbruch bei den beiden wichtigsten Lieferanten Schweden und Finnland hat nun ein dramatischen Versorgungsengpass ausgelöst und die Preise für den knappen Hafer nach oben getrieben.

In Schweden brach die Produktion um 23 Prozent auf ein Rekordtief ein und aus Finnland meldete man die eine Rückgang von 15 Prozent. Das wäre die kleinste finnische Haferernte seit 18 Jahren. Auch aus anderen Lieferländern wie Polen, Dänemark und Frankreich werden empfindliche Produktionseinbußen gemeldet.

Sehr gute Ernten brachten die Landwirte in diesem Jahr lediglich im Vereinigten Königreich und in Spanien ein. Damit stehen für den deutschen Markt von den europäischen Lieferanten kaum Überschüsse zur Verfügung. Aus Drittländern wurde in den letzten Jahren hingegen kein Hafer nach Europa importiert. 

Haferpreise auf Rekordjagd

Haferpreis

Die Haferpreise sind im deutschen Großhandel vor dem Hintergrund der extrem knappen Marktversorgung seit dem Sommer um 30 Prozent auf 220 Euro/t gestiegen. Das sind die höchsten Haferpreise in Deutschland seit gut fünf Jahren. Gegenüber dem vorigen Jahr ist dies ein Preissprung von 65 Euro/t.

Am Großmarkt in Hamburg wurde Hafer in dieser Woche mit 235 Euro/t notiert und damit 25 Euro höher als Anfang September und 55 Euro teurer als im vorigen Jahr. An der Rheinischen Warenbörse in Köln wurde für Hafer in Schälmühlen-Qualität 240 Euro je t geboten.

Auch in anderen europäischen Ländern spiegeln die sehr hohe Preise die knappe Marktversorgung wider. So wurden aus Finnland schon im September Haferpreise von 207 Euro je t gemeldet. Das war ein Anstieg zum Vormonat um rund 40 Euro t und ein Rekordpreis.

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