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Milchersatzprodukte und Getreidemarkt

Hafermilch boomt – Was haben die Bauern davon?

hafer.
am Montag, 07.06.2021 - 14:49 (2 Kommentare)

Der Absatz von Hafermilch wächst zweistellig. Für die Industrie ein Bombengeschäft.

Haferproduktion

Die Preise, die Verbraucher für einen Liter Haferdrink zahlen, sind etwa doppelt so hoch wie für einen Liter Biomilch und bis zu dreimal so hoch wie für normale Trinkmilch. Betrachtet man Absatzdynamik und Preise auf Verbraucherebene, müsste der Hafer den Bauern eigentlich aus den Händen gerissen werden – und die Preise müssten steil nach oben gehen.

Doch wie so oft, ist die Sache komplizierter, sowohl was den Anbau und die benötigten Qualitäten betrifft, als auch hinsichtlich der Haferpreise, die die Bauern bezahlt bekommen. Dennoch: Der boomende Markt für Haferdrinks und andere Haferprodukte bietet für Ackerbauern auf jeden Fall Chancen – denn irgendwo muss die Ware ja herkommen – und viele Kunden sagen: Am besten Hafer aus der Region oder zumindest aus Deutschland.

Fakt ist auch: Allein zwischen Juli 2019 und Juni 2020 hat der Konsum von pflanzlichen Ersatzgetränken um 40 Prozent zugenommen, sagt Christian Däumler vom Marktforschungsinstitut GfK im Deutschlandfunk. Jeder dritte Haushalt habe mittlerweile zumindest einmal pflanzliche Milchalternativen gekauft.

Der Grund: „Das sind Konzepte, die dem Zeitgeist entsprechen.“ Zwar liege der Marktanteil der Ersatzgetränke im Segment der Trinkmilch noch unter fünf Prozent. Doch die Nische wächst sehr stark und betrifft laut Däumler längst nicht nur Veganer. Hafer ist dabei offenbar der stärkte Treiber im Segment der pflanzlichen Drinks.

Haferanbau in 15 Jahren halbiert – Trendwende?

Haferproduktion

Doch zurück zum Haferanbau: In Deutschland hat sich die Haferfläche seit der Jahrtausendwende auf etwa 125.000 Hektar mehr als halbiert. Danach dümpelte der Anbau so vor sich hin und erst seit 2019 ist ein deutlicher Anbauzuwuchs zu beobachten – der sich auch in diesem Jahr fortsetzt.

Ein Grund dafür ist die stark anziehende Nachfrage aus dem Lebensmittelbereich. Doch ganz so einfach wie es auf den ersten Blick scheint, ist eine Anbauexpansion offenbar nicht zu machen: „Hafer wird meist an ertragsschwächeren Standorten angebaut. Wenn dann das Wetter nicht so mitspielt, ernten Landwirte quantitativ und qualitativ nur geringe Mengen“, sagt der Vorsitzende des Pflanzenausschusses im Landvolk Niedersachsen, Karl-Friedrich Meyer.

Das Problem ist nämlich, die Qualitätskriterien der Schälmühlen und der Hafermilchhersteller sind hoch: Gute Schälbarkeit, ein hoher Kernanteil, eine Korngröße von über zwei Millimeter, ein geringer Feuchtigkeitsgehalt von unter 13 Prozent sowie ein Hektolitergewicht (hlG) von über 52 Kilogramm. „Da das Hektolitergewicht bei uns oft unter 50 kg liegt, können die deutschen Mühlen ihren Bedarf nicht decken und importierten dann große Mengen aus Finnland und Schweden“, sagt Meyer.

Im Jahr 2018/19 kamen etwa 555.000 Tonnen Hafer aus dem Ausland nach Deutschland und 2019/20 waren es sogar 601.000 Tonnen. Diese Menge übertrifft für 2015 bis 2019 sogar die deutsche Produktion. Das zeigt aber auch: Es ist auf jeden Fall Platz für eine größere heimische Produktion – erst recht, weil die Nachfrage so stark wächst.

Vom insgesamt in Deutschland verbrauchten Hafer ging im vorigen Wirtschaftsjahr etwa die Hälfte in den Nahrungsmittelsektor – und etwa 40 Prozent wurden verfüttert. Der Rest war Saatgut oder Industriehafer.

Haferpreise zeigen keine Knappheit an - noch nicht?

haferpreis

Hafer hat gegenüber anderen Getreidearten viele Vorteile hinsichtlich Pflanzschutz, Düngung und Unkrautunterdrückung sowie Stickstoffbilanz – doch es gibt ein Problem: „Hafer ist sehr empfindlich. Er braucht einen kühlen Frühling“, sagt Lea-Kathrin Piepel von Landwirtschaftskammer NRW. Deshalb sei der Anbauschwerpunkt in Deutschland auch der Norden.

Das gleiche gilt für das übrige Europa. Hier liegen Anbauschwerpunkte und Überschussregionen in Skandinavien, im Baltikum sowie im Vereinigten Königreich und in Polen.

Zum Schluss noch ein Blick auf die Preise: Aktuell wird konventioneller Hafer in Norddeutschland mit rund 190 Euro pro Tonne notiert. Das ist deutlich weniger, als man zur gleichen Zeit für Brotweizen mit 240 bis 250 Euro erlösen kann. Auch insgesamt hat der Hafer nicht vom aktuellen Boom der übrigen Getreidepreise profitiert und bewegt sich seit Herbst vorigen Jahres auf einem wenig veränderten Niveau seitwärts.

Der Grund: Die relative Abgeschlossenheit des europäischen Hafermarktes gegenüber dem Weltmarkt. Anders als bei anderen Getreidearten findet nämlich kaum Außenhandel statt. Produktion und Verbrauch sind auf den europäischen Binnenmarkt ausgerichtet. Diese Annahme wird durch die Preisentwicklung im europäischen und deutschen Dürrejahr 2018/19 bestätigt. Damals waren die Haferpreise wegen der stark geschrumpften europäischen Haferernte zweitweise auf mehr als 240 Euro je Tonne gestiegen.

Doch davon ist man aktuell – anders als bei Weizen und Gerste – weit entfernt. Für Biohafer liegen die Preise immerhin bei etwa 350 Euro je Tonne oder darüber. Allerdings sind auch die Erträge bei Ökohafer etwa ein Viertel bis ein Drittel niedriger als bei konventionellem Hafer, so dass die Gesamterlöse pro Flächeninhalt am Ende nicht viel höher sind.

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