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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Haferpreise auf Rekordkurs – am Weltmarkt und in Europa

haferernte.
am Montag, 27.09.2021 - 14:53 (1 Kommentar)

Die Haferpreise steigen in Europa steil an. Am Weltmarkt haben die Haferpreise sogar die letzten Rekordmarken von Frühjahr 2014 übersprungen.

Haferpreise.

Am Terminmarkt in den USA kostete Hafer diese Woche 576 Cent je Buschel. Am Kassamarkt lagen die Haferpreise sogar fast bei 600 Cent je Buschel. Das ist fast doppelt so viel wie noch vor 6 Monaten. Am deutschen Großmarkt und Exporthafen Hamburg wurde Hafer am vorigen Freitag mit 228 Euro je Tonne notiert. Höhere Haferpreise hat es hierzulande nur nach der Missernte im Dürrejahr 2018 gegeben. Davon sind die jetztigen Kurse indessen nicht mehr allzuweit entfernt.

Dabei ist die aktuelle Ernte in Deutschland mit etwa 773.000 Tonnen immerhin 50.000 Tonnen größer als im vorigen Jahr . Ähnlich viel Hafer haben die deutschen Bauern  das letzte Mal vor 10 Jahren geerntet.

In Europa ist das jedoch nicht der Fall. Dort bleibt die neue Ernte mit etwa 7,9 Millionen Tonnen rund 400.000 Tonnen unter dem sehr guten Vorjahresergebnis von 8,3 Millionen Tonnen. Allerdings ist das nicht der Hauptgrund für die aktuelle Preisrallye, die offenbar auch viele Händler, Landwirte und Analysten überrascht hat. Der europäische Bedarf an Hafer liegt nach den Berechnungen der Kommission nämlich nur bei  7,3 Millionen Tonnen und könnte theoretisch locker mit der aktuellen Erntemenge gedeckt werden.

Der Grund für den Anstieg der globalen Haferpreise liegt vielmehr – ähnlich wie bei Hartweizen – in Übersee, beim weltweit größten Hafer-Exporteuer Kanada. Wegen der extremen Dürre ernteten die kanadische Farmer nämlich höchstens 3,8 Millionen Tonnen Hafer. Das sind 700.000 Tonnen weniger als im Jahr zuvor. Und auch in den USA war die Haferernte so klein wie seit Jahrzehnten nicht.

Die Haferpreise am Terminmarkt in Chicago kletterten wegen der extremen Knappheit in Nordamerika auf  immer neue Rekordstände. Die Kanadier exportieren in normalen Jahren nämlich zwischen 2,6 und 3,0 Millionen Tonnen Hafer vor allem in die USA, aber auch nach Europa. Diese Menge dürfte nun wohl deutlich kleiner werden.

Deutschland importiert große Mengen aus Europa

haferpreise.

Eigentlich ist der Hafermarkt in Europa  eher ein geschlossenes System in dem es darauf ankommt wie die Ernten in den wichtigen Überschussregionen ausgefallen sind. Nach der Prognose der Kommission werden von den geernteten 7,8 Millionen Hafer in diesem Jahr nur knapp 50.000 Tonnen exportiert – gleichzeitig wird mit Importen von reichlich 170.000 Tonnen gerechnet.

Die größten Haferproduzenten in der EU sind: Polen, Spanien und Finnland mit Erntemengen von mehr als 1,0 Millionen Tonnen. Dahinter kommt dann Schweden. Deutschland rangiert im Ranking der europäischen Produzenten immerhin auf Position 5, deutlich vor Frankreich und den baltischen Ländern.

Nach den Daten der Kommission fällt die Ernte in den TOP-Produktionsländern Polen, Finnland und Spanien jedoch durchweg kleiner aus als im vorigen Jahr. Und auch in den baltischen Staaten ernten die Bauern weniger Hafer.

Trotz der guten Ernte hierzulande reicht der Hafer zudem nicht aus, um den derzeitigen heimischen Bedarf von 800.000 bis 900.000 Tonnen zu decken. Nach den Daten der BLE muss Deutschland deshalb jedes Jahr erhebliche Mengen Hafer importieren. Auf der anderen Seite werden jedoch auch beträchtliche Mengen der deutschen Produktion ins europäische Ausland verkauft (exportiert).

Die letzte Bilanzrechnung der BLE von 2019/20 zeigt jedenfalls deutschen Hafer-Importe 600.000 Tonnen (!!) und gleichzeitig Ausfuhren von etwa 315.000 Tonnen. Rund die Hälfe des Hafers wird in Deutschland mittlerweile zu Nahrungszwecken verbraucht – im Jahr 2013 waren es gerade einmal 30 Prozent.

Deshalb haben die umfangreichen deutschen Ausfuhren und Einfuhren wohl auch mit der jeweils produzierten und benötigten Qualität zu tun – also Nahrungshafer oder aber Futtermittel. Die Haferpreise steigen jedenfalls weiter steil an und signalisieren – wie bei Hartweizen – eine große Knappheit am Markt.  

Kommentar

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