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Getreideernte und Getreidepreise 2021

Hartweizen verzweifelt gesucht: Getreidemühlen zahlen fast jeden Preis

Hartweizen.
am Freitag, 24.09.2021 - 12:21 (1 Kommentar)

Die Preise für Hartweizen sind in schwindelerregende Höhen gestiegen. Getreidemühlen und Nudelhersteller zahlen fast jeden Preis.

Hartweizenpreis.

Am Großmarkt in Sevilla werden diese Woche 515 Euro je Tonne geboten, im italienischen Bologna sind es  480 Euro und im französischen La Pallice sind es 410 Euro je Tonne. Am den kanadischen Exporthäfen werden derzeit 580 USD je Tonne verlangt – das sind gut 490 Euro je Tonne. Deutsche Hartweizenmühlen und Teigwarenhersteller klagen über einen akuten Mangel an Hartweizen als Folge einer miserablen Ernte in wichtigen Anbaugebieten in Europa und vor allem beim weltgrößten Exporteur Kanada.

Deutschland ist ohnehin auf Importe von Hartweizen angewiesen, denn wir müssen trotz wachsendem Anbau mehr als 80 Prozent importieren – jährlich deutlich mehr als 1 Millionen Tonnen. Die Ware kommt meist von den großen europäischen Erzeugerländern aus Italien, Frankreich und Spanien oder eben vom globalen Top-Exporteur Kanada.

Der Geschäftsführer des Verbandes der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS), Peter Haarbeck, bezeichnete die Versorgungslage zuletzt als „dramatisch“. Geradezu „verzweifelt“ werde nach Hartweizen gesucht, der aktuell fast drei Mal so viel koste wie sonst - wenn er überhaupt zu bekommen sei. Bei der Herstellung von Teigwaren mache der Rohstoffeinkauf den wichtigsten Posten in der Kalkulation aus.

Laut VGMS-Vorstandsmitglied Guido Jeremias werden die Nudeln zwar sicher nicht ausgehen. Aber ob in diesem Jahr alle Regale mit Nudeln so gut gefüllt sein würden wie in der Vergangenheit, sei nicht vorhersehbar“.

Schlechte Ernten in Kanada und Europa

Nudeln

Die globale Hartweizenerzeugung ist wegen der Dürre und Hitze in den USA und Kanada zuletzt dramatisch geschrumpft. Kanada ist in normalen Jahren der wichtigste Exporteur für Hartweizen. Dort sind in diesem Jahr aber nur 3,5 Millionen Tonnen geerntet worden. Das sind 46 Prozent weniger als 2020. Im vergangenen Jahr hat das nordamerikanische Land noch 5,8 Millionen Tonnen Hartweizen und damit 90 Prozent seiner Ernte exportiert.

Der kanadische Hartweizen geht vor allem in die USA, aber auch nach Nordafrika und nach Europa. „Dieses Jahr wird Kanada die in Europa benötigten Mengen bei weitem nicht zur Verfügung stellen können“, sagt Jeremias. Dem VGMS zufolge fehlt Hartweizen jedoch auch in anderen Regionen Europas.

Beim größten europäischen Produzenten, Italien, haben die Landwirte mengenmäßig eine gute Ernte eingefahren – die EU-Kommission schätzt sie auf etwa 4,3 Millionen Tonnen und damit 435.000 Tonnen größer als im Vorjahr. Zugleich ist das mehr als die Hälfte der europäischen Produktion von etwa 8,0 Millionen Tonnen. Dennoch sind die Italiener als größter europäischer Nudelproduzent auf Importe angewiesen - normalerweise aus Frankreich, Spanien und Griechenland. 

Die mengenmäßig ebenfalls gute Ernte in Frankreich mit 1,6 Millionen Tonnen – der Nummer 2 in Europa – hat keine guten Qualitäten vorzuweisen, weil Regen zur Erntezeit vielerorts zu Auswuchs und Pilzbefall geführt hat. Dort ist nur wenig Ware mühlenfähig.

Andere wichtige europäische Erzeugerländer wie die Spanier – die Nummer drei in Europa - haben mit 772.000 Tonnen indessen rund 50.000 Tonnen weniger geerntet als im Vorjahr und Griechenlands Ernte fällt im langjährigen Vergleich mit 624.000 Tonnen ebenfalls eher schmal aus.

Deutschland erzeugt nur wenig Hartweizen

Hartweizen.

In Deutschland ist zwar wegen eines anhaltenden Anbauzuwachses eine Ernte von 207. 000 Tonnen eingebracht worden. Das sind immerhin 30.000 Tonnen mehr als im vorigen Jahr.  

Der deutsche Bedarf kann damit aber nicht einmal zu 20 Prozent gedeckt werden. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft weist einen jährlichen Hartweizenverbrauch von zuletzt 1,2 Millionen Tonnen aus - mit steigender Tendenz.

Die Hauptanbaugebiete von Hartweizen in Deutschland sind Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern, mit Erntemengen zwischen 60.000 Tonnen und 40.000 Tonnen. Kleinere Flächen gibt es zudem in Sachsen und in Rheinland Pfalz. Dort liegen die Erntemengen zwischen 14.000 und 18.000 Tonnen.  

Ob die deutschen Landwirte von den hohen Preisen profitieren können, ist allerdings fraglich, denn der größte Teil des angebauten Hartweizen dürfte über langfristige Verträge und Liefervereinbarungen vermarktet werden.

In Osteuropa bauen die Landwirte vor allem in Ungarn und in der Slowakei noch nennenswerte Mengen Hartweizen an – mit aktuell erwarteten Ernten von 128.000 und 231.000 Tonnen sowie in Österreich wo die Bauern dieses Jahr knapp 90.000 Tonnen Hartweizen von den Feldern holen könnten.  

Mit Material von AgE, EUK, VGMS

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