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Kartoffelernte 2019

Heftige Preisrallye bei Kartoffeln

Kartoffelnernte
am Dienstag, 29.10.2019 - 05:05 (Jetzt kommentieren)

Die Kartoffelpreise sind am Terminmarkt kräftig gestiegen. Hintergrund ist offenbar eine unter den hohen Erwartungen bleibende Ernte in unseren Nachbarländern.

Für Nordwesteuropa hatte man wegen der rekordhohen Anbaufläche bislang sogar eine Rekordernte für möglich gehalten. Nun sieht die Sache anderes aus. Das zeigen jedenfalls die Preise.

Am Terminmarkt in Leipzig ist der April-Kontrakt 2020 für Verarbeitungskartoffeln von August bis Ende Oktober um 7,0 Euro je dt auf zweitweise 18 Euro je dt nach oben geschossen. Aktuell notiert der April 2020 wieder etwas unter dem Höchststand bei 17,0 Euro/dt. Der Juni 2020 wird mit 18,20 Euro/dt gehandelt.

Auch am Kassamarkt bewegen sich die Erzeugerpreise auf hohem Niveau. So werden vorwiegend festkochende Kartoffeln im größten Anbauland Niedersachsen derzeit mit 18,75 Euro je dt notiert. In Bayern lagen die Preismeldungen bei 17,40 Euro/dt und in Nordrhein-Westfalen wurden 18,0 Euro je dt gezahlt.

Ernterückstand ist sehr groß

Kartoffelernte

Das Handelsunternehmen Wilhelm Weuthen begründete die sehr feste Preisentwicklung mit dem großen Roderückstand in unseren Nachbarländern. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtet sogar, dass sogar etwas problematische Speisekartoffelpartien an Schälbetriebe zu mindestens stabilen Preisen verkauft werden könnten.

Auch die Verarbeitungsindustrie ist aufnahmebereit für passende Partien. Gleichzeitig teilte der niederländische Kartoffel-Verarbeiter Aviko mit, dass in der vergangenen Woche 73 Prozent der Kartoffeln wegen nasser Böden noch nicht geerntet werden konnten. Zum Vorjahreszeitpunkt hatten unsere Nachbarn bereits 88 Prozent der Knollen gerodet und zwei Jahre zuvor 80 Prozent.

Auch in Frankreich, Belgien und Großbritannien geht die Ernte offenbar deutlich langsamer voran als in den Vorjahren, ist derzeit zu hören.

Deutsche Ernte knapp unter Durchschnitt

Nach der ersten Schätzung des Sachverständigenausschusses von Bund und Ländern werden in Deutschland in diesem Jahr rund 10,4 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Das sind rund 16,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr (8,9 Millionen Tonnen), jedoch knapp 1,0 Prozent weniger als im mehrjährigen Durchschnitt.  

Ähnlich wie in 2018 – allerdings weniger stark ausgeprägt – hat der Kartoffelanbau unter widrigen Witterungsbedingungen in Form von Hitze und zu geringer Bodenfeuchte gelitten. Das Ertragspotenzial konnte deshalb nur mit hohem Beregnungsaufwand ausgeschöpft werden. Wo diese Möglichkeit nicht bestand, fallen die Erträge nur mäßig aus.

Insgesamt zeigten sich auch in diesem Jahr große Ertragsunterschiede in Abhängigkeit von Bodengüte und Niederschlagsaufkommen. Die Ergebnisse der Bodennutzungserhebung zeigen für 2019 zudem, dass rund 276.300 Hektar Ackerland mit Kartoffeln bestellt wurden. In Relation zum Vorjahr ist das ein Plus von 9,6 Prozent, gegenüber dem sechsjährigen Durchschnitt ist dies sogar ein Zuwachs von 12,8 Prozent.

Europa: Ernte schlechter als erwartet?

Kartoffelernte

Auch in unseren Nachbarländern mit bedeutendem Kartoffelanbau (Frankreich, Niederlande und Belgien) wurden in diesem Jahr mehr Kartoffeln angebaut, die nun offenbar nicht ohne Probleme geerntet werden können.Sowohl höhere Erzeugerpreise nach der knappen Ernte 2018 als auch die anhaltend starke Nachfrage nach Verarbeitungskartoffeln haben zu der Flächenausweitung geführt.

Die Organisation Nordwesteuropäischer Kartoffelanbauer (NEPG) hatte die europäische Kartoffelernte zuletzt auf 27 Mio. t bis 27,3 Mio. t veranschlagt. Damit würde man den Fünfjahresdurchschnitt um bis zu 3 Prozent übertreffen und das Vorjahresergebnis um bis zu 12 Prozent. Die Prognose hatte auf Proberodungen beruht.

Die NEPG begründete die sehr hohe Voraussage vor allem mit der Anbaufläche, die mit Ausnahme von Großbritannien im Vorjahresvergleich kräftig ausgedehnt wurde. Das sehr gute Ergebnis könnte vor dem Hintergrund der witterungsbedingt extrem langsamen Ernte  jedoch deutlich zu optimistisch ausgefallen sein.

Mit Material von Agra-Europe, BMEL, NEPG
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